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11.05.2009 | (rsn) – So kann’s gehen: Da fahre ich zu Beginn locker neben meinem Teamkollegen Ronny Scholz her und der erzählt mir, dass es beim Giro nicht so hektisch zugeht wie bei der Tour, dass man anfangs entspannter fahren kann, „easy going“ halt. Und mitten in unser Gespräch hinein platzt bei Rennkilometer fünf der Angriff von Ignatiev, einer von Quick Step folgt - und ich hänge mich auch dran. Zwei weitere stoßen noch zu uns und schon sind wir die Ausreißergruppe des Tages. Ich denke mir: „Na super, das wird ja lustig, so früh raus und das bei dem Gegenwind….“
Leider hat unsere Gruppe dann nur bis zur 16-Prozent-Rampe bei Rennkilometer 140 wirklich harmoniert. Die fuhr Facci, der Quick Step-Mann, dann mit richtig Tempo hoch und wir alle hinterher. Warum der das gemacht hat, weiß ich nicht, jedenfalls lief es von da an nicht mehr richtig. Die ganze Aktion war für nichts und wieder nichts.
Bei der einzigen Bergwertung des Tages sprintete ich um die Punkte mit. Aber Facci war heute richtig gut drauf. Außerdem kommt er wohl aus der Gegend und kannte den Berg. Ich verschaltete mich dann auch noch, so dass ich „nur“ Zweiter an der Bergwertung wurde.
Als wir wieder eingefangen worden waren, ließ ich es ruhiger angehen, weil ich noch nicht alle Körner verschießen wollte. Die Schlussrunde war dann nochmal richtig schwer und auf den letzten 15 Kilometern habe ich dann rausgenommen und bin mit einer hinteren Gruppe ins Ziel gerollt. Schließlich ist der Giro noch lang.
Auch wenn die Etappe vor allem wegen des Gegenwinds schwer war, hat es richtig Spaß gemacht, bei einer großen Rundfahrt mal wieder von vorne zu fahren und das Rennen zu bestimmen. Für unser Team lief es auch gut, Thomas Rohregger erreichte in der Spitzengruppe das Ziel und auch Markus Fothen fühlte sich heute gut.
Zu einer überraschenden Begegnung kam es an der Bergwertung, als plötzlich zwei Radfahrer neben uns herfuhren, die nicht zum Feld gehörten. Ich dachte mir noch: “ Was wollen die denn hier“, als ich hörte, wie die beiden meinen Namen riefen. Natürlich mögen wir Profis es nicht, wenn plötzlich irgendjemand auf der Strecke rumkurvt – aber diese „Irgendjemands“ stellten sich als zwei Bekannte von mir aus Berlin heraus, die mich anfeuerten. Das hat mich dann doch gefreut.
Gefreut hat mich auch, dass Matthias Russ gestern Abend aus dem Krankenhaus wieder ins Hotel zurückkam. Er ist heute nach Hause geflogen und muss wohl am gebrochenen Schlüsselbein operiert werden. Aber auch wenn er traurig ist, geht es ihm den Umständen entsprechend gut. Das Team ist am Abend dann nochmal auf sein Zimmer, um Matthias Mut zu machen und sich von ihm zu verabschieden. Von dieser Stelle nochmals gute Besserung, Matthias!
Bis morgen
Björn
Björn Schröder (Milram) ist einer von acht deutschen Fahrern, die beim 92. Giro d’Italia am Start stehen werden. Der 28 Jahre alte Berliner will sein Glück in Ausreißergruppen versuchen und wird in einem Tagebuch für Radsport News von seinen Erlebnissen beim 100-jährigen Jubiläum der Italien-Rundfahrt berichten.
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