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13.07.2013 | (rsn) – Matteo Trentin (Omega Pharma-Quick-Step) hat bei der 100. Tour de France für den ersten italienischen Sieg seit drei Jahren gesorgt. Der 23 Jahre alte Teamkollege von Mark Cavendish und Tony Martin gewann am Samstag die 14. Etappe über 191 Kilometer von Saint-Pourcain sur Sioule nach Lyon im Sprint einer Ausreißergruppe ganz knapp vor dem Schweizer Michael Albasini (Orica-GreenEdge) und feierte den bisher größten Erfolg seiner Karriere. Tagesdritter wurde der US-Amerikaner Andrew Talansky (Garmin-Sharp), der sich im Gesamtklassement auf Rang zwölf verbesserte, da das Feld mit 7:17 Minuten Rückstand ins Ziel kam.
„Wir sagen immer: Sei geduldig und warte auf den richtigen Moment, den Sprint zu starten. Und das habe ich heute gemacht, denn ich habe die Fahnen im Wind gesehen und da war mir klar, dass man erst ab rund 200 Meter sprinten sollte“, kommentierte Trentin seinen Coup. „Ich habe die ganze Zeit gesagt: Warte, warte, warte. Ich weiß, dass ich auf den letzten 200 Metern sehr stark sein kann und als ich die 200-Meter-Marke erreicht habe, bin ich einfach losgestürmt.“
„Es war am Anfang sehr, sehr schnell, bis die Gruppe stand. Danach habe ich dann auf den Überlebensmodus umgestellt, denn ich war noch müde von gestern. Aber ich bin über alle Anstiege drüber gekommen und habe dann einen guten Sprint gezeigt“, ergänze Trentin.
Lob erhielt der junge Italiener auch von seinem Teamkollegen Tony Martin. „Es war ‚Krieg’, bis die Gruppe stand. Als Trentin dann in der Gruppe war, konnten wir uns darauf verlassen, dass ein gutes Ergebnis herauskommt“, sagte der Zeitfahrweltmeister im Ziel.
Weiter auf den ersten Sieg eines heimischen Fahrers bei der Jubiläums-Tour müssen die Franzosen warten. Julien Simon (Sojasun) setzte im Finale eine vielversprechende Attacke, wurde aber 1,5 Kilometer vor dem Ziel wieder gestellt. Bester Franzose war dann Meister Artur Vichot (FDJ) auf Position acht. Die Deutschen präsentierten sich wieder in bester Verfassung. Mit Jens Voigt (RadioShack-Leopard), Marcus Burghardt (BMC) und Simon Geschke (Argos-Shimano) waren gleich drei von ihnen in der 18 Fahrer starken Ausreißergruppe. Geschke sprintete schließlich sogar um den Sieg mit, hatte aber nicht mehr genügend Reserven und musste sich mit Rang sieben begnügen. Burghardt wurde Vierzehnter, Voigt belegte Rang 17, nachdem er für seinen Teamkollegen Jan Bakelants gearbeitet hatte.
Die Favoriten sparten am Tag vor der spektakulären Ventoux-Etappe wertvolle Kräfte. Mit großem Rückstand kam das große Feld ins Ziel. Christopher Froome (Sky) verteidigte ohne Mühe sein Gelbes Trikot und führt weiter mit 2:25 Minuten Vorsprung auf den Niederländer Bauke Mollema (Belkin) und 2:45 Minuten auf den Spanier Alberto Contador (Saxo-Tinkoff). Auf den ersten elf Rängen des Gesamtklassements gab es keine Änderungen.
Am Ende einer flotten ersten Rennstunde mit einem 50er-Schnitt bildete sich eine große Ausreißergruppe, nachdem der Däne Lars Yittting Bak (Lotto Belisol) schon kurz nach dem Start attackiert und den Berliner Jens Voigt (RadioShack-Leopard) sowie die drei Franzosen Blel Kadri (Ag2R), Artur Vichot (FDJ) und Christophe Le Mevel (Cofidis) mit sich gezogen hatte.
Doch das von Vacansoleil-DCM angeführte Feld ließ die Fünf nicht ziehen, Le Mevel fiel wieder zurück und dafür schafften gleich 14 Fahrer den Sprung an die Spitze: Andrew Talansky, David Millar (beide Garmin-Sharp), Jan Bakelants (RadioShack-Leopard)), Tejay van Garderen, Marcus Burghardt (beide BMC), Cyril Gautier (Europcar), Michael Albasini (Orica-GreenEdge), Pavel Brutt (Katusha), Simon Geschke (Argos-Shimano), Julien Simon (Sojasun), Jose Joaquin Rojas, Imanol Erviti (beide Movistar), Matteo Trentin (Omega Pharma-Quick-Step) und Egoitz Garcia (Cofidis).
Damit waren 14 der 22 Tour-Teams vorn vertreten, Movistar, BMC, Garmin und RadioShack, sogar jeweils doppelt. Euskaltel-Euskadi ließ aber nicht locker und sorgte für die Pace im Hauptfeld, in dem dann aber doch bei Kilometer 90 die Beine hoch genommen wurden – nachdem die Basken in ihrer Verfolgungsarbeit keiner Unterstützung erhalten hatten.
Prompt stieg der Vorsprung der Ausreißer auf knapp drei Minuten, während das personell geschwächte Sky-Team bei Temperaturen nur knapp unter 30 Grad und strahlendem Sonnenschein die Spitze des Feldes bildete. Rojas gewann nach 109 Kilometern den Zwischensprint des Tages, die von Cavendish angeführten Verfolger folgten rund 3:30 danach.
Am ersten von zwei Anstiegen der 3. Kategorie – dazu kamen fünf Bergpreise der 4. Kategorie – starteten der Niederländische Meister Johnny Hoogerland (Vacansoleil-DCM) und der Italiener Damiano Cunego (Lampre-Merida) aus dem Feld heraus eine Aufholjagd, die sich aber zäh gestaltete und letztlich erfolglos blieb. Trotz großem Kraftaufwand wurde die beiden zehn Kilometer vor dem Ziel wieder vom Feld geschluckt.
Grund für das gescheiterte Unternehmen war das hohe Tempo in der Spitzengruppe, die ihren Vorsprung rund 30 Kilometer vor dem Ziel auf über sechs Minuten ausgebaut hatte. Fünf Kilometer später eröffneten Albasini und Millar mit ersten Attacken das Finale, doch noch blieb alles beisammen, 16 Kilometer vor dem Ziel fiel Voigt im vorletzten Anstieg des Tages zurück und zwar nach einem Angriff seines Teamkollegen Bakelants, dem er zuvor mit Tempoarbeit das Terrain bereitet hatte.
An der Bergwertung griff Simon an und fuhr ein kleines Polster auf die zunächst zögernden Verfolger heraus. Der 27-Jährige Sojasun-Profi erreichte den letzte Bergwertung des Tages zehn Kilometer vor dem Ziel 25 Sekunden vor den Verfolgern.
Doch auf den letzten flachen Kilometern durch Lyon schmolz Simons Vorsprung Sekunde um Sekunde zusammen – und das, obwohl das Tempo von den Verfolgern nicht gleichmäßig hoch gehalten wurde. Stattdessen jagte eine Attacke die nächste, wobei die letzte von Burghard rund zwei Kilometer vor dem Ziel erfolgversprechend aussah. Doch Albasini folgte dem Sachsen aus Zschopau, der vergeblich auf einen zweiten Tour-Etappensieg nach 2008 hoffte. Das Duo zog zwar auf der langen Zielgeraden an Simon vorbei, doch Geschke und die anderen schlossen die Lücke. Dann trat der 27 Jahre alte Freiburger an, doch Albasini parierte und schien dem bisher größten Sieg seiner Karriere entgegenzusprinten. Der 32-Jährige hatte die Rechnung aber ohne den neun Jahre jüngeren Trentin gemacht, der auf den letzten Metern noch an seinem Konkurrenten vorbeizog und seinem Team den vierten Tagessieg bescherte.
Dafür gab es auch Lob aus berufenem Munde. „Trentin war clever heute. Er hat seine Arbeit gemacht, aber nie gezeigt, dass er vielleicht gewinnen könnte", kommentierte Tour-Oldie Voigt die Vorstellung des Sprinters, der bei dieser Tour bisher im Zug von Mark Cavendish eingesetzt war.
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