Westmattelmanns Portugal-Tagebuch

Bei der „Tour d’Honneur“ Selfies mit dem Gelben Trikot

Von Daniel Westmattelmann

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Daniel Westmattelmann (Kuota Lotto) | Foto: Cor Vos

10.08.2015  |  (rsn) - Die Nacht vor der letzten Etappe war leider relativ laut, da ein Alleinunterhalter mit seinem Programm das gesamte Hotel beschallt hat. Schließlich hat er wohl gegen ein Uhr in der Nacht den Saal endlich leer gespielt, sodass wir in Ruhe schlafen konnten...

Der Start der letzten Etappe über 133 Kilometer war direkt an einer großen Stierkampf-Arena in der Nähe von Lissabon. Zuvort haben wir noch einige Autogrammwünsche erfüllt und es uns in der Fahrer-Lounge gemütlich gemacht.

Wie bei der Tour de France wurde das Rennen als „Tour d’Honneur“ begonnen, so dass die Wertungstrikot-Träger für die verschiedenen Fotos posieren konnten. Da es mit Temperaturen von über 40°C wieder extrem heiß war, habe ich bereits nach 20 Kilometern zum ersten Mal Flaschen geholt. Dabei hat mir unser Teamchef Monni (Florian Monreal, d. Red) auch direkt sein Smartphone in die Hand gedrückt, um im Feld mit den anderen Kuota-Lotto Fahrern und dem Gelben Trikot ein paar Selfies zu schießen.

Nach 40 entspannten und unterhaltsamen Kilometern gab es die erste Attacke von zwei Portugiesen. Ich machte mich allein auf die Verfolgung, aber kurz nachdem ich die beiden eingeholt hatte, waren wir bereits wieder gestellt. Nach mehreren Folgeattacken konnten sich drei Fahrer etwas deutlicher lösen. Als das ganze Feld an einer Verkehrsteilung links fuhr, scherte ich nach rechts aus und setze dem Trio nach. Als die Straße wieder zusammen lief, hatte ich bereits einen guten Abstand zum Feld, und nachdem ich die Lücke nach vorne geschlossen hatten, waren wir zu viert auch schon aus der Sichtweite unserer Verfolger.

Schnell konnten wir einen Vorsprung von eineinhalb Minuten herausfahren und mit diesem Vorsprung auch als erste auf den Schlusskurs im Herzen Lissabons einbiegen, der sechsmal zu befahren war. Die Stimmung war grandios und ich persönlich habe bisher nur bei meinem Heimrennen - dem Münsterland-Giro – mehr Gänsehaut gehabt.

Zwei Runden vor Schluss musste ich der Hitze und dem kräftezehrenden Zeitfahren am Vortag Tribut zollen, und meine Fluchtgefährten und ich wurden nacheinander eingeholt. Die letzten Kilometer bin ich dann in meinem eigenen Tempo zu Ende gefahren. Chris konnte noch ins Finale eingreifen und einen guten 19. Platz herausfahren.

Nach über 1.600 Kilometern und 25.000 Höhenmetern in elf Tagen sind wir nun erschöpft, aber glücklich in Lissabon angekommen. Unsere Betreuer haben einen fantastischen Job gemacht, wofür ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken möchte!

Am nächsten Wochenende habe ich rennfrei und freue mich schon auf die Hochzeit meines ehemaligen Teamkollegen Michael Kurth. Bevor es Mittwoch wieder ins Büro geht, wo mehrere Studenten mit Fragen zu ihren Bachelor- und Masterarbeiten auf mich warten, steht am Montag die Heimreise an. Nach zwei turbulenten Wochen freue ich mich auf daheim.

Ich hoffe, dass ich euch den Rennzirkus bei der Volta a Portugal etwas näher bringen konnte!

Bis bald!
Euer Daniel

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