RSNplusDer Weg der Bocholter zu den Rockets

Das Rose Shave FFX, Bastian Marks und der Renneinstieg

Von Christoph Matt

Foto zu dem Text "Das Rose Shave FFX, Bastian Marks und der Renneinstieg"
Die Teamlackierung ist bisher noch den Fahrern von Unibet - Rose - Rockets vorbehalten | Foto: Rose

05.02.2026  |  (rsn) - Im Großteil der 120-jährigen Geschichte von Rose Bikes stand der professionelle Radsport als Werbemaßnahme nicht an erster Stelle. Zwar sponserte man über die Jahre das ein oder andere Team und dabei fuhren für Stölting Service Group sogar Fahrer wie Lennard Kämna und Mads Pedersen (beide heute bei Lidl-Trek) auf Rahmen der Münsterländer. Lange Zeit war der Profisport aber kein zentraler Bestandteil der Markenidentität. Das Unternehmen wurde in erster Linie als Direktversender groß, zunächst mit einem Bestellkatalog, später mit einem eigenen Onlineshop. Seit einigen Jahren weht jedoch frischer Wind durch die Flure in Bocholt. Anatol Sostman (Director Product & Brand), der seit fast 10 Jahren die Ausrichtung der Marke leitet, schraubte kräftig am Image des familiengeführten Unternehmens. Man schaffte es, sich ein jüngeres Publikum zu erschließen, setzte auf Social-Media-Marketing und begann die Fühler auch in Richtung Rennsport auszustrecken.

Mit dem Rose Racing Circle initiierte die Marke 2023 ein Gravel- und Kriteriumsteam. Anfang 2024 verpflichtete man mit Rosa Klöser eine Gravelfahrerin, die im selben Jahr das prestigeträchtige Unbound 200 gewann. 2025 folgte mit Karo Mignon der nächste Erfolg bei diesem Rennen erneut auf einem Rose Bike. Zudem nahm man mit Paul Voß einen weiteren prominenten Namen unter Vertrag. Allen gemeinsam ist ein professioneller und moderner Umgang mit Social Media und gute Medienarbeit, was im aktuellen Radsport keineswegs selbstverständlich ist.

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Der Architekt hinter der Profisport-Offensive

Eine der treibenden Kräfte hinter dem Engagement im Rennsport ist Bastian Marks, Host des Besenwagen Podcasts, ehemaliger Physio und Bikefitter. Er wechselte von der Berliner Fahrradmarke Standert, wo er Rahmengeometrien entwarf, 2022 zu Rose. Bei seinem neuen Arbeitgeber beschränkte er sich aber nicht auf Entwicklung, sondern forcierte auch die Orientierung Richtung Leistungssport.

"Rose hatte sich ein sehr gutes Image in der deutschsprachigen Fahrradlandschaft erarbeitet, aber es fehlte einfach dieser Race-Trust. Am Anfang mussten wir erst einmal schauen, wie wir Leute rekrutieren, die Vertrauen in die Marke von der professionellen Sportseite aus herstellen können. Da waren Rosa Klöser und Karo Mignon ein Riesenglücksgriff. Gravel ließ sich dabei deutlich einfacher managen als ein richtiges Straßenteam. Wir hatten aber riesige Lust darauf und die Marke war bereit dafür", erzählte Bastian Marks im Gespräch mit RSN.

Bastian Marks, stolzer Pro-Sport-Manager bei Rose, mit dem Siegerbike von Karo Migon beim Unbound 200. | Foto: Rose

Marks machte sich daraufhin Gedanken, in welche Richtung das Engagement im Straßenrasport gehen sollte. Die Auswahl an passenden Teams war jedoch aus verschiedenen Gründen überschaubar. Das westfälische Unternehmen hat aktuell kein Zeitfahrrad im Programm, was für viele Teams ein Ausschlusskriterium darstellte. Außerdem suchte man einen Partner, der neben dem sportlichen Aspekt gute Medienarbeit leistet und gemeinsam mit der Marke wachsen kann. Die Wahl fiel dabei schnell auf das damals neu gegründete Team von Bas Tietema. Die Mannschaft hatte schon im ersten Jahr kleinere Erfolge, dank Tietemas YouTube-Kanal verfügte das Team aber bereits über eine beachtliche mediale Präsenz und formulierte deutliche sportliche Ambitionen.

“Am Ende hat sich die Auswahl schnell auf die Rockets verengt, weil die in unsere DNA passen und ich mir dachte, dass ihnen ein eigenes Zeitfahrrad nicht superwichtig ist, was sich in den Gesprächen bestätigt hat. Außerdem bringt das Team eine riesige eigene Reichweite mit. Für die beginnende Internationalisierung bei Rose, die auch den Benelux-Markt als Ziel hat, passt das einfach wie die Faust aufs Auge. So habe ich 2023 schon den ersten Anruf getätigt und wir sind da bei den Rockets gelandet", erklärte der 41-Jährige den Entscheidungsprozess.

Sponsoring nur mit neuem Material

Ausschlaggebend für den Vertragsabschluss war jedoch auch das neue Straßenrad der Bocholter. Nach der ersten Kontaktaufnahme mit dem Team schwebte den Bocholt­ern ursprünglich 2027 als Einstiegsjahr vor. Bis dahin wäre das neue Modell in ausreichender Stückzahl vorhanden gewesen, und man hätte ausreichend Zeit für einen geregelten Einstieg gehabt. Für die Rockets kam jedoch nur 2026 infrage. In Bocholt ging man zunächst davon aus, dass das neue Rad bis dahin noch nicht fertig sein würde, und schlug vor, zunächst mit dem alten Renner zu starten und dann im Saisonverlauf zu wechseln. Bei den Rockets weckte der Vorschlag jedoch eher Vorbehalte und der Einstieg mit dem “alten” Xlite Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Projekts.

Das neue Shave FFX war im Windkanal 10 Watt schneller als der Vorgänger Xlite | Foto: Rose

In Bocholt wurde daraufhin alles in Bewegung gesetzt, um schon 2026 an den Start gehen zu können. “Es gab zwei Zeitpunkte, an denen sich das Ganze konkretisierte. Im Frühjahr hatten wir die Testergebnisse aus dem Tour (Magazin)-Windkanal, die klar gemacht haben, dass wir aerodynamisch auf Augenhöhe mit den schnellsten Rädern der WorldTour sind. Mit diesem Selbstbewusstsein wollten wir das Rad international präsentieren. Ich habe dann noch einmal Druck bei den Rockets gemacht und gesagt, wenn wir das an den Start bringen wollen, müssen wir jetzt ernsthaft reden.

Auf der anderen Seite war es Jonas (Tenbrock, Brand Manager), der den gesamten Bestellprozess und die Lieferketten Richtung Asien verwaltet. Er sagte dann, dass wir es schaffen, das Team von Anfang 2026 auf das neue Material zu setzen. Diese beiden Faktoren führten schließlich dazu, dass das Gespräch im April 2025 in die entscheidende Richtung ging und ein Termin in Bocholt vereinbart wurde, bei dem sich das Team und die Familie Rose trafen.“

Großzügige 35mm Reifenfreiheit bieten das Shave FF und das FFX, beim Shave sind es sogar 36mm | Foto: Rose

Voraussetzung dafür war aber weiterhin standesgemäßes Material. Rose lieferte also noch vor dem ersten Treffen das neue Modell für ausführliche Tests an den Service Course. Dort wurde es als schneller und sogar besser als das bisherige Cannondale-Teammaterial bewertet. Die Stimmung beim Treffen in Bocholt war entsprechend gut und die Chemie zwischen den Partnern stimmte von Anfang an. Rose stieg als Titelsponsor ein und die Mannschaft firmiert seit diesem Jahr als Unibet - Rose - Rockets.

Groenewegen beweist Konkurrenzfähigkeit

Zwar war schon vorher für die Bocholter der Wille vorhanden, sich im Profisport zu etablieren. Da hier für beide Parteien der Rennsport in gewissem Maße noch neu ist, traf keine Seite auf Erwartungen, die nicht erfüllt werden konnten, das Material sollte aber schon passen. Beim Zeitfahrmaterial fand man eine Lösung mit Ridley, dessen Zeitfahrrahmen man in Teamfarben und mit passendem Schriftzug lackieren durfte. Das neue eigene Rad wurde vom Team bereits der Öffentlichkeit präsentiert und Dylan Groenewegen bewies mit dem ersten Sieg, dass es durchaus konkurrenzfähig ist. Nun launcht Rose das Modell aber auch für alle Nicht-Radprofis.

Bei der Neuentwicklung lag der Fokus augenscheinlich besonders auf konkurrenzfähiger Aerodynamik. Laut Tour-Aerodynamik-Test bewegt sich der neue Rahmen in der gleichen Kategorie wie das Canyon Aeroad. Gleichzeitig gibt Rose ein sehr geringes Gewicht von 6,6 Kilo in Topausstattung in Größe M (ohne Pedale) an. Das UCI-Gewichtslimit von 6,8 Kilo dürfte für die Unibet - Rose - Rockets damit in greifbarer Nähe liegen. Neu ist zudem das integrierte Carboncockpit, das ebenfalls einen progressiven Ansatz verfolgt und bei kleinen Rahmengrößen in schmaler 35 cm Breite montiert ist.

205 Watt benötigen das Shave FF und das Shave FFX laut Tour Magazin um den eigenen Luftwiderstand bei 45 km/h zu überwinden. | Foto: Rose

Neben dem Shave FFX und dem Shave FF kommt auch ein neues Endurance-Modell, das Shave heißt, auf den Markt. Mit der neuen Modellreihe wird der Plattformgedanke des Gravelbikes Backroad weitergeführt, das ebenso in unterschiedlichen Versionen erhältlich ist. Trotz Endurance-Geometrie ist das "normale“ Shave wie die schnellen Schwestern stark auf Aerodynamik getrimmt. Für die Fahrer der Unibet - Rose - Rockets dürfte das Shave FFX dennoch das bevorzugte Arbeitsgerät bleiben, ohne dieses wären sie heute wahrscheinlich nicht auf Rädern aus Bocholt unterwegs.

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