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02.07.2026 | (rsn) - Angesichts des doch beeindruckenden Palmares mag es vielleicht respektlos klingen, es lässt sich jedoch nicht leugnen: Das Specialized Shiv ist in die Jahre gekommen. 2019 kam die aktuelle Version des Zeitfahrrads des kalifornischen Herstellers auf den Markt und wurde seitdem sehr erfolgreich unter anderem von Remco Evenepoel (Red Bull - Bora - hansgrohe) pilotiert.
Wahrscheinlich darf man es als das erfolgreichste Zeitfahrrad aller Zeiten bezeichnen. Allein der Belgier fuhr alle seine 25 Profisiege im Einzelzeitfahren darauf ein, darunter drei Weltmeistertitel, zwei Europameistertitel, einen Olympiasieg und einen Tour-Etappensieg.
Nun schickt der Hersteller das Shiv in den wohlverdiente Ruhestand. Der amtierende Weltmeister wurde im Vorfeld des Grand Départ in Barcelona auf dem Nachfolger des aktuellen Rades gesehen. Dieses versuchte sich vermeintlich noch hinter einer Erlkönig-Lackierung zu verstecken, ließ aber wenig Zweifel, dass es Evenepoels Gerät der Wahl für das Mannschaftszeitfahren sein wird.
Der neue Rahmen wirkt deutlich weniger filigran als der Vorgänger. Er zeigt eigentlich fast in jedem Bereich flächigere Rohrformen, was für weniger Windwiderstand sorgen sollte. Auch mit einem neuen Vorderrad war Evenepoel unterwegs. Dessen Felge wirkte klar höher als die bisherigen Modelle von Specializeds Laufradmarke Roval.
Interessanterweise ging Colnago für Tadej Pogacars neues Zeitfahrmodell gerade in die entgegengesetzte Richtung. Das neue TT2 ist weniger wuchtig als der Vorgänger TT1. Bei fast gleicher Aerodynamik spart es dabei ein halbes Kilo ein und macht den Rahmen auf Zeitfahrkursen mit vielen Höhenmetern wesentlich konkurrenzfähiger - auch bei der 1. Etappe der 113. Tour de France steht ein Schlussanstieg an. Ob die größeren Rohrformen beim Shiv mit zusätzlichem Gewicht einhergehen, ist allerdings nicht gesagt.
Spannend dürfte außerdem sein, ob das neue Modell für das gesamte Team zur Verfügung steht oder exklusiv für Evenepoel, der seit diesem Jahr einen lebenslangen Vertrag mit dem Materialsponsor unterschrieben hat.
Auf Fotos, die bisher im Netz aufgetaucht sind, gab es das Rad in zwei Ausführungen. Zum einen den Erlkönig, auf dem Evenepoel trainierte. Im Materialbus ließ sich außerdem ein zweites erspähen, in mattschwarzer, wahrscheinlich etwas leichterer Lackierung. Dieses hat ebenfalls das Namenslabel des Zeitfahrspezialisten. Daneben hing jedoch noch das "alte“ Shiv, was darauf schließen lassen könnte, dass manche seiner Teamkollegen noch auf diesem unterwegs sind.
Specialized dürfte das neue Zeitfahrrad in sehr enger Zusammenarbeit mit Evenepoel entwickelt haben. Der 26-Jährige gilt als einer der aerodynamischsten Fahrer im Peloton und sein Sponsor Specialized hat mit dem hauseigenen Windkanal wohl einen gewissen Anteil daran.
Wie schwer Evenepoel der Abschied von seinem treuen Gefährt(en) fällt und wie gut er mit dem neuen Material zurechtkommt, wird sich am Samstag am Montjuïc zeigen. Eine größere Bühne für die Premiere als den Grand Départ hätte sich Specialized auf jeden Fall nicht aussuchen können.