--> -->
11.08.2026 | (rsn) – Ohne jemals vorher ein Gravelrennen bestritten zu haben, ist die MTB-Spezialistin Ronja Eibl (Origine Racing Division) Ende Juli zur allgemeinen Überraschung Deutsche Gravelmeisterin geworden. In einem packenden Finale “Frau gegen Frau“ ließ sie Top-Favoritin Nele Laing (Canyon x DT Swiss ATR) am Ende im Sprint keine Chance und möchte mit diesem Erfolg ihrer Karriere neuen Schub verleihen.
Im Gespräch mit RSN verriet die 26-Jährige die widrigen Umstände unmittelbar vor den Titelkämpfen, blickte auf Rückschläge und Enttäuschungen der Vergangenheit zurück, um gleichzeitig mit Vorfreude in die Zukunft zu schauen.
“Ronja, nach Ihrem Sieg bei den Deutschen Gravel-Meisterschaften am Nürburgring, würden Sie sich selbst als “Überraschungssiegerin“ bezeichnen?”
Ronja Eibl: “Ja, das kann man wohl so sagen. Es war mein erstes Gravelrennen überhaupt, der zweite Tag auf einem Gravelrad in meinem Leben und die Kontrahentinnen wussten wohl auch nicht so recht, was von mir zu erwarten ist. Ich selbst hatte auch gar keine Ahnung, wie ein Gravelrennen so abläuft und wie da taktisch gefahren wird. Von daher kam der Sieg auch für mich überraschend.“
“Sie haben also auch gar nicht spezifisch für das Rennen trainiert?“
Eibl: “Das ging gar nicht. Mir wurde am Wochenende vor den Meisterschaften als Leihgabe ein Gravelrad von unserem Sponsor hingestellt, das ich wieder zurückgeben muss. Noch mit Alu-Parts dran. So wie das ankam, hätte ich das maximal als Stadtrad nutzen können. Zudem war es mir leider zu groß. Dann haben wir andere Laufräder, Sattelstütze, Lenker etc. bestellt, was zum Glück auch am Freitag vor dem Rennen noch ankam. Der Mechaniker meines Vertrauens konnte mir dann noch gerade rechtzeitig alles umbauen.“
“Warum sucht man sich da zunächst nicht ein kleineres Rennen zum Einstieg aus, sondern startet gleich bei den Deutschen Meisterschaften?“
Eibl: “Ich hatte schon Anfang des Jahres mal den Gedanken im Kopf, mich in dieser Disziplin ausprobieren zu wollen, da ich über Social Media von der coolen Atmosphäre in der Szene angetan war. Terminlich passte es bei Rad am Ring einfach gut und ich wäre dort auch gefahren, wenn es keine Deutschen Meisterschaften gewesen wären.“
Eibl war in Karriere überwiegend auf dem Mountainbike im Weltcup unterwegs. | Foto: Clement Siegfried (Origine Racing Division)
“Recht früh im Rennen wurde deutlich, dass Sie gemeinsam mit Lain die stärkste Fahrerin im Feld sind. Nehmen Sie uns doch bitte mal in die entscheidende Phase des Rennens mit.”
Eibl: “In der zweiten Runde habe ich bergauf schon mal das Tempo leicht erhöht, da ich merkte, dass Canyon schon versuchte, im Rahmen der Mannschaftstaktik das ganze Team zusammenzuhalten. Dann waren wir ziemlich schnell nur noch zu zweit. Ich wusste in der Folge, dass es für mich immer am Anstieg zur Hohen Acht am härtesten werden würde, wenn Nele dort das Tempo forciert. Als Mountainbikerin bin ich diese langen 10 Minuten-Efforts nicht gewohnt und hatte die auch nicht trainiert.”
“Offensichtlich konnte Laing Sie dort nicht entscheidend distanzieren. Wie liefen dann in der Schlussrunde die finalen Kilometer ab?” Eibl: “Nach der Hohen Acht haben wir gut zusammengearbeitet, ohne dass eine von uns eine krasse Attacke gefahren ist. Auf dem Asphalt, der vier Kilometer vor dem Ziel begann, ist unser Rennen dann mit dem der 24-Stunden-Fahrer zusammengelaufen. Da musste ich schauen, dass Nele nicht in einen schnellen Zug von denen springt, den ich womöglich verpasse. Danach war es bis zum Sprint ein wenig Katz und Maus. Ich hatte aber schon erwartet, dass ich im Sprint von uns beiden die etwas besseren Karten haben würde.”
“Wie war das Medieninteresse nach Ihrem Sieg?”
Eibl: “Mir haben ein, zwei Journalisten von der regionalen Zeitung geschrieben, mit denen ich eigentlich auch immer die Interviews nach den Weltcups mache. Mehr kam nicht.“
“Ihre Laufbahn begann furios. Im Alter von 19 Jahren haben Sie bei den Cross-Country-Weltmeisterschaften 2018 mit der deutschen Staffel Silber geholt. Welche Ziele hatten Sie damals für Ihr weiteres Radsportleben im Kopf?”
Eibl: “Alle möglichen Ziele, Olympiamedaille, Weltmeistertitel... . Ich war damals im zweiten U23-Jahr und hatte den Gesamt-Weltcup gewonnen.“
Die erst 19-jährige Eibl (Dritte von links) mit der Staffel von German Cycling bei der Cross-Country-WM 2018 in Lenzerheide | Foto: privat
“Zurückblickend ging es dann in den folgenden Jahren genau in die andere Richtung. Was war los?”
Eibl: “Erst kam Corona und danach ging es mir in den folgenden Jahren von einem Problem zum nächsten. Es lief nahezu nichts mehr zusammen.”
“Das war jetzt von Ihnen auf einer sehr allgemeinen Ebene zusammengefasst. Können und möchten Sie mehr ins Detail gehen?"
Eibl: “Für viele Leute, die nahe an mir dran waren, aber auch von außen betrachtet, war offensichtlich, dass ich in den Jahren 2018 bis 2020 untergewichtig war. Es war klar, dass das nicht lange gut gehen kann, zudem ich es in dieser Zeit zusätzlich mit dem Training übertrieben habe. Nachdem ich mich, unter anderen auch durch einen Trainerwechsel da rausgekämpft hatte, stand ich aber im Jahr 2022 wieder am gleichen Punkt, praktisch bei Null.”
“Ab wann ging es dann wieder für Sie in die gewünschte Richtung?”
Eibl: “Nach einem erneuten Trainerwechsel mit einem wirklich behutsamen Neuaufbau. Ich habe im Vergleich zu 2020 dann 2023 zehn Kilo mehr gewogen und man sieht es ja auch an anderen Beispielen: Es dauert bei so einer Veränderung teils Jahre, bis man wieder an Leistung aufgeholt hat.”
“Würden Sie sagen, dass Sie das Thema Gewicht für sich jetzt selbst gut im Griff haben?”
Eibl: “Ja, das kann ich so sagen. Aber seitdem sind eine Menge anderer Dinge auf mich eingeströmt, die mir die Lust am Mountainbikesport etwas genommen haben. Angefangen bei Verletzungen über Teamwechsel (im Jahr 2024 wechselte Eibl nach vier Jahren im Continental-Team von Fenix – Deceuninck ins französische MTB Team Origine Racing Division, d. Red.) mit neuem Rad, mehr Rennen - nach Brasilien, Südkorea und was weiß ich wohin reisen – all das hat dazu geführt, dass ich jetzt einen Wechsel brauche.”
“Was konkret bedeutet?“
Eibl: “Ich möchte auf die Straße wechseln und parallel dazu weiter Gravelrennen fahren. Weg vom Individual- hin zum Teamsport, bei dem der Druck auf mehrere Schultern verteilt ist. Einfach in ein anderes Umfeld und weg von ausschließlich ergebnisorientierten Erwartungen.“
Bei Plantur – Pura, dem Vorgänger von Fenix – Premier Tech, hat Eibl (re.) schon Erfahrungen im Straßenpeloton sammeln können. | Foto: Plantur - Pura
“Sind Sie oder Ihr Berater schon aktiv in Sachen Teamsuche geworden.”
Eibl: “Ich warte jetzt erst mal das Ende der Tour de France Femmes ab, habe aber schon den ein oder anderen Fuß in eine Tür gestellt. In welchem Verhältnis dann Straßenradsport und Gravel stehen wird, muss sich zeigen und ist natürlich auch teamabhängig. Ich strebe auf jeden Fall ein WorldTeam an und weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich übergangsweise in einem Pro- oder Conti-Team fahren würde, wenn es mit einem WorldTeam schon nicht im nächsten Jahr klappt.”
“Stichwort Team: Haben sich nach Ihrem Meistertitel Teams bei Ihnen gemeldet?”
Eibl: “Ja, ich habe von anderen Gravelteams schon Anfragen bekommen.”
“Wie sehen Ihre Pläne für die nächsten Wochen aus. Sieht man Ihr Meistertrikot noch bei dem ein oder anderen Gravelrennen, eventuell auch bei einem UCI-Qualifier für EM oder WM?”
Eibl: “Nein, leider erst mal nicht. In knapp drei Wochen ist schon der nächste MTB-Weltcup und danach direkt die WM. Dann bin ich nur zwei Wochen zu Hause, um wieder für die letzten Weltcups in die USA zu fliegen. Da wird es terminlich eng. Ich habe aber tatsächlich noch das Rennen der UCI Gravel World Series Mitte Oktober in Flandern im Kopf, bei dem man sich ja auch schon für die WM 2027 qualifizieren kann.”
27.08.2026Vorschau auf die Gravel-Europameisterschaften in Houffalize(rsn) - Nach zwei Austragungen auf italienischem Boden kehren die Gravel-Europameisterschaften nach Belgien zurück. Dort wurden 2023 in Oud-Herverlee erstmals kontinentaleTitelkämpfe auf dem Schott
23.08.2026Klöser unterliegt Schreurs im Fotofinish bei Gravel Worlds(rsn) – Bei dem seit 2010 ausgetragenen Gravel Worlds gab es wie im Vorjahr ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Rosa Maria Klöser (Canyon – SRAM) und Geerike Schreurs (Specialized Off-Road Team). D
21.08.2026Tarling trotz Tod des Bruders bei Vuelta am Start(rsn) - In wenigen Worten zu vermelden, deshalb aber nicht weniger wichtig: In unserer Rubrik "Kurz gemeldet" fasst die Redaktion von radsport-news.com die Kurznachrichten des Tages aus der Welt des R
17.08.2026Voß bei der Deutschland Tour am Start(rsn) - Paul Voß (AUTSAID x Rose Bikes), Dritter der diesjährigen Deutschen Gravelmeisterschaft auf dem Nürburgring, wird einen weiteren Ausflug auf die Straße unternehmen. Der 40-Jährige geht b
03.08.2026Wollenberg schrammt beim in Litauen knapp am Podium vorbei (rsn) – In Abwesenheit der Gesamtführenden Axelle Dubot Prevot (EF Education – Oatly) und Mads Würtz Schmidt (Specialized Off-Road Team), Dominator im bisherigen Saisonverlauf haben Sophie Wrig
26.07.2026Emil Herzog und Eibl neue Deutsche Gravelmeister(rsn) - Mit Emil Herzog (Red Bull - Bora - hansgrohe) und Ronja Eibl (Origine Racing Division) lagen bei den 4. Deutschen Gravelmeisterschaften zwei Namen vorn, die nicht zu den ausgewiesenen Gravels
24.07.2026Gravel-DM: Auf den Spuren von Niki Lauda & Co.(rsn) - Von der Beschaulichkeit der Dahlener Heide des Vorjahres zu einer der legendärsten Autorennstrecken der Welt - kontrastreicher könnte das Ambiente für die Austragung der 4. Deutschen Grave
20.07.2026Laing und Kuhn Premierensieger des 3Rides-Etappenrennen(rsn) – Nach 248 Kilometern und 5850 Höhenmetern, verteilt auf drei Renntage, haben Nele Laing (Canyon x DT Swiss ATR) und Kevin Kuhn (Heizomat - Cube) in Winterberg die Premiere des 3Rides Grave
16.07.20263Rides Gravel in Winterberg erstmals mit Etappenrennen(rsn) – Vom Dreiländereck in eine Rad- und Wintersporthochburg. Nach vier Jahren als Dauergast in Aachen entschieden sich die Veranstalter, die Erfolgsstory des 3Rides Gravel in Winterberg/Sauerlan
06.07.2026Laing krönt bisherige Saison mit Sieg beim Hegau Gravel Race(rsn) – Es ist die Saison der Nele Laing! Nur eine Woche nach ihrem fulminanten Auftritt bei den Deutschen Straßenmeisterschaften hat die Darmstädterin beim Hegau Gravel Race im Rahmen der UCI G
01.07.2026Voß Gesamtführender der UCI Gravel World Series(rsn) - Mit 26 ausgetragenen Veranstaltungen ist bereits mehr als die Hälfte der UCI Gravel World Series absolviert. Die vom Radsportweltverband UCI 2022 ins Leben gerufene Rennserie ist zu dieser S
23.06.2026Haushahn: “Schneller gewachsen als unsere Strukturen“rsn) – Auch wenn der Gravelrennsport in den vergangenen drei Jahren unaufhaltsam an Fahrt aufgenommen hat, befindet sich diese recht junge Sportart noch in den Kinderschuhen. Was sich auch, zuminde
27.08.2026Bretagne-Klassiker in Plouay als Vuelta-Alternative am Wochenende (rsn) – Ein echter Klassiker des Männer- und Frauen-Radsports steht am Wochenende auf dem Programm und bietet eine Abwechslung zum Geschehen bei der Vuelta a Espana: der Bretagne Classic der Männe
27.08.2026Vorschau auf die Gravel-Europameisterschaften in Houffalize (rsn) - Nach zwei Austragungen auf italienischem Boden kehren die Gravel-Europameisterschaften nach Belgien zurück. Dort wurden 2023 in Oud-Herverlee erstmals kontinentaleTitelkämpfe auf dem Schott
27.08.2026L’Avenir-Zweiter Driesen wird Profi bei Pinarello (rsn) - In unserem ständig aktualisierten Transferticker informieren wir Sie regelmäßig über Personalien aus der Welt des Radsports. Ob es sich um Teamwechsel, Vertragsverlängerungen oder Rücktr
27.08.2026Schwere Prüfung mit 3.000 Höhenmetern inklusive Schotter (rsn) – Auch die 6. Etappe führt in einer Schleife nahe der Mittelmeerküste entlang, wenn auch weiter südlich durch die Region Valenciana. Auf 177 Kilometern sind 3080 Höhenmeter zu bewältigen.
27.08.2026Radsport live im Stream, TV und Ticker: Die Rennen des Tages (rsn) – Welche Radrennen finden heute statt? Wo und wann kann man sie live im Fernsehen oder Stream verfolgen? Und wo geht´s zum Live-Ticker?In unserer Tagesvorschau informieren wir über die wicht
26.08.2026Finn gewinnt auch Schlussetappe und feiert Gesamtsieg (rsn) – Lorenzo Finn (Red Bull – Bora – hansgrohe) hat mit einem standesgemäßen Auftritt die 62. Tour de l´Avenir (2.2U) für sich entschieden. Der 19-jährige Italiener sicherte sich die abs
26.08.2026Das Strafenregister der Vuelta a Espana / 5. Etappe (rsn) – Die Liste an potenziellen Vergehen, derer Radprofis, Teammitarbeitende oder andere am Rennen Beteiligte im Laufe einer Rundfahrt bezichtigt werden können, ist lang. Genauso lang wie das Reg
26.08.2026Van Aert kontrolliert das Feld – aber nicht seine Brille (rsn) – Wout van Aert (Visma – Lease a Bike) war im Ziel der 5. Etappe der Vuelta a Espana (2.UWT) glücklich. Sein Team kontrollierte das Finale, der belgische Superstar hatte daran entscheidend
26.08.2026Die Highlight-Videos der Vuelta a Espana (rsn) – Für Leser und Leserinnen, die lieber schauen statt lesen, bietet radsport-news.com die Highlight-Videos. Die Eurosport-Mitschnitte aller 21 Teilstücke der diesjährigen Vuelta a Espana (2.
26.08.2026Laporte: “Haben gezeigt, wozu wir in der Lage sind“ (rsn) – Während Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) in den Bergen dominiert, sind auch die Sprints der Vuelta a Espana 2026 bisher eine klare Sache. Matthew Brennan (Visma – Lease a Bike) ko
26.08.2026Brennan krönt perfekte Visma-Vorstellung mit zweitem Sieg (rsn) – Nach mustergültiger Vorbereitung seines Teams hat Matthew Brennan (Visma – Lease a Bike) seinen zweiten Tagessieg bei der 81. Vuelta a Espana (2.UWT) gefeiert. Der 21-jährige Brite ließ
26.08.2026Liste der ausgeschiedenen Fahrer / 5. Etappe (rsn) - 184 Fahrer aus 23 Teams nahmen die Vuelta a Espana 2026 beim Auftaktzeitfahren in Monaco in Angriff. Nicht alle werden das Ziel an der Alhambra in Granada im Süden Spaniens erreichen. Stürz