Jüngster Sieger in der Geschichte von Il Lombardia

Seixas krönt sich zum Pogacar-Nachfolger

Von Guido Scholl

Foto zu dem Text "Seixas krönt sich zum Pogacar-Nachfolger"
Paul Seixas (Decathlon - CMA CGM) auf dem Weg zu seinem ersten Monument-Erfolg. | Foto: Cor Vos

10.10.2026  |  (rsn) - Paul Seixas (Decathlon - CMA CGM) hat die 120. Austragung der Lombardei-Rundfahrt gewonnen - und kürte sich mit 20 Jahren zum jüngsten Sieger in der langen Geschichte des Rennens der fallenden Blätter. Der junge Franzose setzte sich am Civiglio-Anstieg im Finale aus der Favoritengruppe ab, die hoch gehandelten Stars Isaac del Toro (UAE - Emirates - XRG) und Remco Evenepoel (Red Bull - Bora - hansgrohe) konnten nicht antworten. Am längsten hielten Giulio Ciccone (Lidl - Trek) und Enric Mas (Movistar) mit, die die weiteren Plätze auf dem Podium unter sich ausmachten. Der Spanier wurde wie 2022 Zweiter mit 48 Sekunden Rückstand, Ciccone war 1:05 Minuten zurück.

Dahinter sprintete Evenepoel an der Spitze der ersten Verfolger-Gruppe noch als Vierter ins Ziel. Der am Berg überforderte Europameister ließ Weltmeister Brandon McNulty (UAE – Emirates - XRG) auf Platz fünf hinter sich. Sechster wurde der Brite Tom Pidcock (Pinarello – Q36.5) vor Pello Bilbao (Bahrain victorious) bei seinem Abschiedsrennen). Seinen am Ende respektablen Vorsprung hatte Seixas binnen 18 Kilometern herausgefahren.

"Alles ist perfekt gelaufen. Das Team hat einen großartigen, einen unglaublichen Job gemacht. Jeder hat mehr gepusht als er eigentlich musste", konstatierte der von Glücksgefühlen überwältigte Sieger. Seixas ist nun nicht nur der jüngste Gewinner eines Radsport-Monuments nach dem Zweiten Weltkrieg sondern auch der erste Franzose, der die Lombardeirundfahrt nach Thibaut Pinot (2018) für sich entscheiden konnte. Darauf angesprochen, sagte Seixas: "Es war ein Traum. Ich hatte die Möglichkeit. Es gibt immer Möglichkeiten, egal wer man ist."

Seixas, der am vorletzten Berg des Tages die entscheidende Tempoverschärfung fuhr, ließ durchblicken, dass er lange Zeit im Zweifel blieb und erst im absoluten Finale an den Sieg zu glauben begann. "Ich habe gehört, dass ich zwischen 30 und 40 Sekunden Vorsprung hatte. Also war es eine gute Lücke. Aber nicht genug, um schon vor der Kuppe des letzten Anstiegs über den Sieg nachzudenken", erklärte die französische Radsporthoffnung.

Deutsche Profis spielten in dem bei besten äußeren Bedingungen ausgetragenen Rennen der fallenden Blätter keine Rolle. Maximilian Schachmann (Soudal – Quick-Step) erreichte das Ziel mit 8:06 Minuten Rückstand als 50. In derselben Gruppe beendeten Lennart Jasch (Tudor) und Georg Zimmermann (Lotto – Intermarché) das Rennen der fallenden Blätter auf den Rängen 52 und 58.

So lief die Lombardei-Rundfahrt

Das letzte Monument des Jahres begann mit fünf Minuten Verspätung. In Bergamo verzögerten die Fahrer den Start, um auf die Sicherheit für die Fahrer bei den Rennen aufmerksam zu machen. Evenepoel richtete das Wort an die Zuschauer vor Ort und am Fernseher. Dann startete das Rennen bei zunächst nassen Bedingungen, die sich im Laufe des Tages aber besserten.

Im Anstieg zum Selvino-Pass bildete sich eine 14 Mann umfassende Gruppe, zu der Louis Vervaeke (Soudal - Quick Step), Louis Vervaeke (Soudal - Quick-Step), George Bennett (NSN), Julien Bernard (Lidl – Trek) und Ben O’Connor (Jayco – AlUla) zählten. Außerdem zeigte Maxime Decomble (Decahlon – CMA CGM), Bronzemedaillengewinner im EM-Zeitfahren, einmal mehr seine starke Herbstform. Im Feld kontrollierte vor allem UAE – Emirates – XRG das Rennen, sodass der Vorsprung nie auf mehr als 2:40 Minuten anwuchs.

Das Streckenprofil der 120. Lombardei-Rundfahrt | Foto: Veranstalter

O'Connor dezimierte die Kopfgruppe im Anstieg zur Madonna di Ghisallo um die Hälfte. In dieser Phase schickte Evenepoel seinen Edelhelfer Giulio Pellizzari an die Spitze des immer kleiner werdenden Feldes. 62 Kilometer vor dem Ziel und 1,5 Kilometer vor der Wallfahrts-Kapelle lancierte Louis Barré (Visma – Lease a Bike) einen Angriff von Matteo Jorgenson. Diesem Tempo konnten für dem Moment nur Weltmeister Brandon McNulty (UAE – Emirates – XRG), Quinn Simmons (Lidl – Trek) und Cristian Scaroni (XDS – Astana) folgen.

Unter dem Tempodiktat von Red Bull wurde diese Verfolgergruppe aber noch vor den drei finalen Anstiegen gestellt. Anschließend hatte Simmons Pech, als er ausgerechnet dann einen Platten hatte, als das Tempo auf dem Weg in Richtung San Fermo della Battaglia erhöht wurde. Auch Jorgenson musste kurz darauf – ebenso wie Primoz Roglic (Red Bull – Bora hansgrohe) - abreißen lassen, allerdings, weil die Beine nicht mehr so wollten wie es der US-Profi wollte. Mit noch 45 Sekunden Vorsprung passierten die Ausreißer erstmals den Zielstrich.

Im vorletzten Anstieg, dem 4,2 Kilometer langen Civiglio, nahm Seixas das Heft in die Hand und siebte die Favoritengruppe aus. Als letzter Ausreißer wurde Michael Leonard (EF Education – EasyPost) 18 Kilometer vor dem Ziel gestellt. Und in dem Moment musste Evenepoel die Konkurrenz ziehen lassen. Seixas schüttelte einen Fahrer nach dem anderen ab – als letztes Vize-Europameister Ciccone und Pidcock. Am Ende des Bergs hatte der Franzose schon fast eine halbe Minute Vorsprung zu den ersten Verfolgern – Ciccone und Mas, der Pidcock überholt hatte, - sowie 1:15 Minuten zu Evenepoel.

Auch wenn Mas und Ciccone gut zusammenarbeiteten, konnten sie den Abstand zu Seixas nicht mehr reduzieren. Am letzten Anstieg hängte Mas seinen Begleiter ab, der sich aber als Dritter noch vor der nächsten Gruppe in die Abfahrt retten konnte.

Seixas erreichte das Ziel in Como mit 48 Sekunden Vorsprung zum Vuelta-Sieger und jubelte ausgelassen über seinen bislang größten Sieg. Ciccone wurde mit 1:05 Minuten Rückstand Dritter vor Evenepoel, der den Sprint der ersten Gruppe gewann.

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