rsn-Gravelbike-Test - Teil 7, Rad 2

Vello Gravel: Faltbar auf Schotter

Von Wolfgang Preß

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| Foto: w preß/ pressBureau.eu

05.12.2022  |  Jede Menge Schotter: Seit März 2018 hat radsport-news.com über 70 Gravelbikes getestet (siehe die Rubrik "Test" in unserer Menü-Leiste). Nun geht der rsn-Gravelbike-Test in die siebte Runde, mit brandneuen, weniger bekannten und auch ungewöhnlichen Schotter-Rädern - wie etwa das Vello Gravel, ein faltbares Gravelbike, das sich, soviel vorab, trotz der kleinen Reifen überraschend gut im Gelände schlägt.

Vor fast zehn Jahren, im Sommer 2013, entwickelte der Industrie-Designer Valentin Vodev in Wien die ersten Ideen und Skizzen für ein neues Faltrad. Zusammen mit Valerie Wolff gründete er dann "Vello Bike", anfangs mithilfe einer Crowdfunding-Kampagne finanziert. Die kleine Manufaktur verkauft mittlerweile rund 4000 Fahrräder pro Jahr, und hat bereits den "Red Dot Design Award", den österreichischen Staatspreis für Design und etliche weitere Preise erhalten.

Im vergangenen Herbst haben die Wiener ein Gravelbike präsentiert -
damals das erste faltbare Schotterrad weltweit. Mittlerweile hat Faltrad-Pionier Moulton sein Mountainbike von 1988 als Gravelbike wieder aufgelegt, und auch von Brompton gibt es nun ein Schotterrad, allerdings mit 16-Zoll-Laufrädern. Am Vello messen selbige 20 Zoll - ein spürbarer Vorteil vor allem im Gelände.

"Mit dem Faltmechanismus lässt sich das Vello Gravel ganz einfach im Zug oder im Auto mitnehmen, und Gravel-Strecken außerhalb der Stadt sind so unkompliziert zu erreichen", sagt Vello-Chef Valentin Vodev: "Der natürliche Lebensraum unserer Vellos ist bisher der urbane Raum. Mit dem Vello Gravel eröffnen sich neue Möglichkeiten, in unwegsamerem Gelände im Umland der Städte."

Also raus aus der Stadt mit dem Vello.
Natürlich in der Bahn, mit dem gefalteten Rad, das so als Gepäck gilt, und nix extra kostet. Der per Magnet arretierte Hinterbau lässt sich über ein Gelenk am Tretlager neben den Rahmen schwingen. Vorderrad und Gabel, über ein Gelenk am Gabelkopf zu lösen, legt man auf der linken Seite an einen weiteren Magneten an - fertig. Mit knapp zwölf Kilo ist das Vello leicht genug, um es zu tragen, oder man packt es gefaltet am Sattel, und rollt es vor sich her.

Der Rahmen besteht aus klassischem Chrom-Molybdän-Stahl, im Unterschied zu den Urban-Modellen hat das Gravel breitere Zwei-Zoll-Reifen (ca 50 mm), die Billy Bonkers von Schwalbe, gut geeignet für Schotter und unbefestigte Wege. Am Cockpit ein typischer Gravel-Lenker mit ausgestellten Enden, mit "microShift"-Brems-Schalt-Hebeln, gestoppt wird mit mechanischen Scheibenbremsen, ebenfalls von "microShift".

On the Road beschleunigt das Vello gut,

vor allem dank der kleinen, leichten Laufräder, kann aber bedingt durch die Rahmen-Konstruktion in Sachen Steifigkeit nicht mit "großen" Rädern mithalten. Auf Wald- und Feldwegen macht das Schotter-Faltrad erstaunlich viel Spaß: Die 20-Zöller rollen gut, und aufgrund ihrer Breite können sie auf ruppigerem Geläuf mit weniger Luftdruck gefahren werden, was die Dämpfung verbessert. Zudem ist dann die Auflagefläche größer, was die Traktion erhöht.

A propos Dämpfung: Das Elastomer-Element am Hinterbau, zwischen Oberrohr und Sitzstreben mildert Schläge. Im schweren Gelände und bei Schlaglöchern zeigen sich jedoch die Grenzen der der 20-Zoll-Laufräder: Die Überroll-Eigenschaften sind naturgemäß begrenzt. Tadellos funktoniert dagegen die bewährte Shimano-105-Schaltung, hier in der Zehngang-Version, mit guter Übersetzungs-Bandbreite, aber in den kleinen Gängen etwas großen Sprüngen.

In Sachen Gepäck-Transport hat das
Vello Gravel
eine Vielzahl an Anpassungs-Möglichkeiten, via Befestigungs-Ösen am Rahmen, um Front- und Heckgepäckträger zu montieren; letzterer faltet sogar mit dem Rad mit. Die ebenfalls faltbaren Schutzbleche machen das Vello Gravel zu einem Top-Alltags-Rad für das ganze Jahr.

rsn-Bewertung: Das Vello Gravel ist ein praktisches Schotterrad, das den Aktionsradius von Fahrerin und Fahrer deutlich erweitert: Gefaltet in der Bahn oder im Kofferaum des Autos lässt es sich ohne großen Aufwand zu ferneren Touren transportieren. Dank der breiten 20-Zoll-Reifen macht es auch im Gelände Spaß - bleibt jedoch in Sachen Steifigkeit vor allem für größere, schwerere Fahrer/innen ein Kompromiß. Nicht zuletzt: Durch die Einheits-Größe und die universelle Einstellbarkeit auf fast jede Körpergröße ist es auch ein ideales Familien-Rad.

Die Daten
Rahmen: Chrom-Molybdän-Stahl, Magnet-Faltung mit Elastomer-Dämpfer
Farbe: Anthrazit
Lenker, Griffe: Vello Gravel
Sattel: Selle Royal Matrix
Sattelstütze: Satori Aluminium 30,9 x 500 mm
Vorbau: Satori Aluminium
Schaltwerk: Shimano 105 10-Gang
Antrieb: Kette
Kettenblatt: 54 Z.
Kassette: 11 - 36 Z.
Entfaltung: 2,40 m - 7,85 m
Bremssystem: microShift Scheibenbremsen, mechanisch
Brems-Schalt-Hebel: microShift STI
Reifen: 20 Zoll, Schwalbe Billy Bonkers Performance 2.0
Pedale: Alu-Falt-Pedale (Serie)
Gewicht: 11,9 kg (o. Ped.)
Faltmass: H: 65 cm x L: 79 cm x B: 39 cm
Preis 2290 Euro

Die Ausrüstung
unseres Foto-Modells:
Helm Poc Ventral Air, Trikot, Hose Vaude, Weste Isadore Alternative, Schuhe Adidas VeloSamba, Handschuhe Roeckl Itamos

 

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