Vorschau auf die Bahn-WM in Shanghai

Zum Auftakt der Olympiaqualifikation Kampf um Regenbogentrikots

Von Peter Maurer

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Harrie Lavreysen ist der Topstar im Bahnradsport. | Foto: Cor Vos

12.10.2026  |  (rsn) - Vom 14. bis zum 18. Oktober finden im 2024 eröffneten Shanghai Velodrom die Bahn-Weltmeisterschaften statt, die gleichzeitig der Beginn der Qualifikationsphase für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles sind. 22 Titelentscheidungen warten an den fünf Tagen und neben den weltbesten Bahnsprintern wie Harrie Lavreysen, der gleich vier Titel in China zu verteidigen hat, sind auch zahlreiche Straßenspezialisten wie die Italiener Filippo Ganna, Jonathan Milan oder die Niederländerin Lorena Wiebes sowie Belgiens Topstar Lotte Kopecky im Einsatz.

Insgesamt haben über 450 Athletinnen und Athleten aus 47 verschiedenen Nationen bei den ersten Titelkämpfen auf dem chinesischen Festland gemeldet. Zehn Sportlerinnen und elf Sportler entsendet German Cycling nach Shanghai, das Aufgebot wird angeführt von der achtfachen Weltmeisterin Lea Sophie Friedrich, die vor einem Jahr in Santiago de Chile aber medaillenlos blieb. Dort eroberte Moritz Augenstein Gold im Scratch, der Frauen-Vierer holte in der Verfolgung die Silbermedaille.

Im Teamsprint sowie im Vierer der Frauen sind Medaillen angepeilt, in den Ausdauerdisziplinen sind Augenstein, Routinier Roger Kluge und Tim Torn Teutenberg die Hoffnungen auf Podien. “Die Weltmeisterschaften sind der wichtigste Wettkampf des Jahres. Natürlich ist auch die Olympiaqualifikation im Hinterkopf, aber grundsätzlich reisen wir schon an, um zu gewinnen“, erklärte Franziska Brauße zuletzt auf einem Pressetermin vor den Titelkämpfen. Das Team sei gut in Shanghai angekommen und habe auch schon die ersten Runden auf der für fast alle neuen Bahn unternommen.

Bronze als realistisches Ziel

Am Mittwoch stehen die ersten Medaillenentscheidungen im Teamsprint an. Zunächst gilt es aber die Qualifikation zu überstehen, denn nur die acht schnellsten Teams ziehen in die 1. Runde ein, in der dann die Duelle um Gold und Bronze ermittelt werden. Bundestrainer Jan van Eijden will mit den Frauen zumindest bis ins Kleine Finale kommen: “Es ist der Auftakt in die Olympiaqualifikation und dementsprechend stark ist das Starterfeld. Fast alle Nationen kommen in Topbesetzung und deshalb ist der Kampf um Bronze für uns das realistische Ziel.“

Mit Clara Schneider, Lea Sophie Friedrich und Schlussfahrerin Pauline Grabosch hat er sein Dreierteam schon benannt. Bei den Männern setzt er auf Nik Schröter, Luca Spiegel und Henric Hackmann. Sie sollen in die 1. Runde einziehen.

Zwölf Nationen auf Augenhöhe

In der Teamverfolgung, deren Qualifikation ebenfalls am ersten Tag ansteht, ist der Einzug in die 1. Runde sowohl das Ziel für die Männer als auch die Frauen. Speziell bei den Männern erwartet Bundestrainer Lucas Schädlich einen harten Kampf, denn hinter den Titelverteidigern aus Dänemark und Italien, welche mit Filippo Ganna und Jonathan Milan viel Verstärkung bekommen, sieht er über zwölf Nationen auf Augenhöhe dahinter.

“Wir haben eine junge und ambitionierte Mannschaft, aber das Erreichen der 1. Runde ist kein Selbstläufer“, so Schädlich. Benjamin Boos, Max-David Briese, Paul-Felix Petry und Tim Torn Teutenberg bilden das Quartett für die Qualifikation, vor einem Jahr belegte der Männer-Vierer in Santiago de Chile den fünften Platz. Vom Bronzeteam, welches 2024 auf dem dritten Rang landete, sind noch Boos und Teutenberg im aktuellen Team mit dabei.

Mit Spannung wird bei den Vierern das Abschneiden der Vereinigten Staaten erwartet, die nicht nur den aktuellen U23-Straßenweltmeister Ashlin Barry im Aufgebot, sondern mit Taylor Phinney auch einen sehr prominenten Rückkehrer haben. In weniger als zwei Jahren stehen die Olympischen Spiele in Los Angeles an und das Team aus dem Veranstalterland will sich qualifizieren und dort um Medaillen mitreden. “Sie sind natürlich eine neue Unbekannte. Aber es sind wirklich alle Teams top besetzt und die Zeiten werden extrem schnell werden“, ist sich Schädlich sicher.

Bekannte Gesichter im Frauen-Vierer

Bei den Frauen will der Deutschland-Vierer um Franziska Brauße wieder ins Finale. Bundestrainer André Korff hielt seine vier Starterinnen aber beim Medientermin zurück. Er will das finale Training am Dienstag abwarten. An den Kandidatinnen hat sich nicht viel verändert, Brauße, Lisa Klein und Mieke Kröger gehörten schon zu jenem Team, welches 2021 in Tokio den Olympiasieg einfahren konnte und auch Laura Süßemilch sowie Messane Bräutigam haben in ihrer Karriere bereits Medaillen im Vierer errungen. “Zuletzt in Frankfurt/Oder hatten wir auch richtig gute Zeiten. Natürlich sind viele Kontrahentinnen schwer einzuschätzen, aber wir peilen eine Medaille an“, meinte Brauße.

International spannend dürfte das Duell der Topsprinter Harrie Lavreysen und Matthew Richardson werden. Der Niederländer gewann vor einem Jahr vier Mal Gold, der Brite bezwang ihn aber in Konya bei den Europameisterschaften sowohl im Sprint als auch im Keirin. Lavreysen hat in seiner Karriere schon 20 WM-Titel einfahren können, während Richardson nur einen - jenen im Team-Sprint mit Australien, für die er bis 2024 fuhr - erringen konnte. Ende Juli kam Richardson bei einem Keirin-Rennen schwer zu Sturz, brach sich dort die Schulter in einem High-Speed-Crash. In Shanghai gibt er nun sein Renncomeback.

Bei den Sprinterinnen war auch eine Niederländerin die herausragende Sportlerin der letzten Weltmeisterschaften. Hetty van de Wouw gewann den Sprint, das Keirin sowie das 1.000-Meter-Zeitfahren. Sie hat also gleich drei Titel in China zu verteidigen. Die Konkurrenz wird angeführt von Sprint-Europameisterin Emma Finucane, Olympiasiegerin Ellesse Andrews aus Neuseeland, Keirin-Weltmeisterin Mina Sato und den starken Russinnen, die wieder als Neutrale Athletinnen teilnehmen. Starke Konkurrenz also auch für Friedrich, die in den letzten Jahren die beste deutsche Sprinterin war.

Alle Augen auf Wiebes

In den Ausdauerdisziplinen gilt es vor allem auf Wiebes zu schauen, die sich auf der Chongminginsel, wo auch das Velodrom von Shanghai angesiedelt ist, zuletzt als dreifache Etappensiegerin bei der WorldTour-Rundfahrt präsentierte. Drei Regenbogentrikots auf der Bahn konnte sie in ihrer Karriere schon einfahren. Fünf Goldmedaillen errang dahingegen Kopecky für Belgien. Auch sie will sich im Hinblick auf die Olympischen Spiele wieder mehr der Bahn widmen und könnte sogar im Vierer der Belgierinnen eingesetzt werden.

Die Schweizer setzten viel auf die beiden Viererteams. Auch sie wollen bei den Frauen und Männern unter die Top acht kommen, um so viele Zähler wie möglich mitzunehmen. Das österreichische Aufgebot beschränkt sich auf die Ausdauerdisziplinen. Mit Tim Wafler, Maximilian Schmidbauer, Raphael Kokas und Heimo Fugger verfügen sie über viel Talent, aber noch einen sehr jungen Kader. Ihr Fokus gilt vor allem den beiden Olympiadisziplinen Madison und Omnium. Sie peilen in Shanghai die Top Ten an, aber bei guten Rennverläufen könnten sie sogar mit mehr überraschen. Immerhin haben alle vier Starter schon Europameistertitel in der U23-Klasse gewinnen können.

Programm (Entscheidungen):

Mittwoch: Teamsprint der Frauen und Männer, Scratch Frauen

Donnerstag: Keirin Männer, Teamverfolgung Frauen und Männer, Ausscheidungsrennen Frauen, Scratch Männer

Freitag: 1.000 Meter Männer, Omnium Frauen, Sprintfinale Frauen, Einerverfolgung Männer, Punkterennen Männer

Samstag: 1.000 Meter Frauen, Omnium Männer, Einerverfolgung Frauen, Madison Frauen

Sonntag: Sprintfinale Männer, Punkterennen Frauen, Ausscheidungsrennen Männer, Madison Männer, Keirin Frauen

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