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21.12.2016 | (rsn) - Das ohnehin bereits sehr bunte Frauen-Peloton wird in der kommenden Saison um eine weitere Fahrerin mit ungewöhnlichem Hintergrund reicher: Leah Thorvilson. Die 37-Jährige US-Amerikanerin aus Little Rock in Arkansas ist 2017 das elfte Mitglied des deutschen Teams Canyon-SRAM um Lisa Brennauer, Mieke Kröger und Trixi Worrack.
Ihren Platz in der Mannschaft verdiente sie sich allerdings nicht über herausragende Leistungen und Ergebnisse in Rennen der vorangegangenen Jahre, sondern als Gewinnerin eines Wettbewerbs, der zu großen Teilen auf der Rolle ausgetragen wurde: der Zwift Academy, einer Art Radprofi-Casting. "Ich werde das älteste Teammitglied mit der wenigsten Erfahrung sein", sagte Thorvilson am Abend der Bekanntgabe im ersten Trainingslager ihrer neuen Mannschaft auf Mallorca.
Thorvilson ist eine ehemalige Langstreckenläuferin und nahm im Jahr 2012 in Houston an den US-Ausscheidungswettkämpfen für die Olympischen Spiele von London teil. "Ich war nicht wirklich nah dran, mich zu qualifizieren - wurde 55. und nur drei gehen zu Olympia", so die 37-Jährige. In den vergangenen Jahren musste sie sich mehreren Knie-Operationen unterziehen und deshalb das Laufen aufgeben. Daher kaufte sich Thorvilson ihr erstes Rennrad, das sie am 2. Juli 2015 zum ersten Mal fuhr. Mehr als die Hälfte ihrer Trainingskilometer absolvierte sie wegen ihres Jobs seitdem aber auf dem Heimtrainer.
Auf Mallorca war sie nun 17 Monate später eine von drei Finalistinnen der Zwift Academy, die neun Tage mit dem Canyon-SRAM Racing Team verbrachten und dabei ihre ersten Erfahrungen im Umfeld eines professionellen Rennstalls sammeln durften. Zuvor hatte sich das Trio seit Juni gegen rund 1.200 Academy-Teilnehmerinnen durchgesetzt. In den ersten drei Monaten hatten sie 27 Trainingseinheiten und neun Gruppenausfahrten in dem Computer-Trainingsprogramm Zwift zu absolvieren, das per Laptop oder Smartphone-App an den Heimtrainer angeschlossen wird und das Fahren in einer virtuellen Welt gemeinsam mit Leuten auf der ganzen Welt ermöglicht.
Die zwölf besten der gut 100 Fahrerinnen, die diese Herausforderung meisterten, qualifizierten sich für das von September bis November laufende Halbfinale mit wöchentlich einer Gruppenausfahrt, einer Rollen-Trainingseinheit und nun auch einer Einheit auf der echten Straße.
Anfang Dezember standen die drei Finalistinnen fest, die nach Mallorca fliegen durften, und am Ende des Trainingslagers entschieden sich Teamchef Ronny Lauke und seine australische Partnerin an der Spitze von Canyon-SRAM, Beth Duryea, für die in ihren Augen am besten geeignete Athletin - nicht nur auf Grund der Leistungsdaten, sondern auch anhand der Erlebnisse aus der gemeinsamen Woche, die erkennen ließen, wer wie gut in die Mannschaft passen könnte und wer wie viel Verbesserungspotential hat.
Sowohl Thorvilson als auch Yvonne van Hattum und vor allem Jessie Donavan beeindruckten durch ihre physischen Werte und fuhren bei den Leistungstests im Training an der Spitze mit - allerdings auch auf Grund ihrer monatelangen Vorbereitung, während die zehn anderen Teammitglieder gerade aus der Saisonpause kamen.
Für die Siegerin aus Arkansas verändert sich das Leben nun drastisch. Bislang arbeitete sie in einem Vollzeit-Job am College for Education and Helf Professions in ihrem Heimatort Little Rock, nun ist sie Rad-Profi. Den Job werde sie daher wohl aufgeben müssen, so Thorvilson. "Denn so wie bisher, wo ich um 4 Uhr morgens aufgestanden bin, um vor der Arbeit, wenn es draußen noch dunkel ist, auf der Rolle zu trainieren und nach der Arbeit vielleicht nochmal dasselbe zu tun, so wird es nicht funktionieren", weiß sie.
Schließlich warten auf den "Profi von der Rolle" im Rennbetrieb 2017 große Herausforderungen. Das Fahren im Peloton, Rad an Rad und Schulter an Schulter, dürfte dabei die größte werden. Das weiß auch sie selbst und hat großen Respekt davor, will sich über kleine Rennen in den USA damit anfreunden, bevor es ins große Profi-Peloton geht. Bei welchen UCI-Rennen die ehemalige Läuferin schließlich mit ihren neuen Teamkolleginnen von Canyon-SRAM am Start stehen wird, ist noch nicht klar.
Die letzte Folge des Video-Tagebuchs zur Zwift Academy aus dem Canyon-SRAM-Trainingslager:
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