Bergspezialist bei Zeitfahr-DM der U23 in eigener Liga

Heidemann fuhr erst fünf Fahrer auf und dann ins Meistertrikot

Von Christoph Adamietz

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Miguel Heidemann (Herrmann Radteam) ist neuer Deutscher Zeitfahrmeister der U23 | Foto: Herrmann Radteam

30.06.2019  |  (rsn) – Was ihm da am frühen Freitagabend gelungen war, erschloss sich Miguel Heidemann (Herrmann Radteam) beim Blick auf sein Handy, wo nach seinem Sieg bei den U23-Zeitfahrmeisterschaften zahlreiche Nachrichten einliefen. "Ich habe noch nie so viele Glückwünsche bekommen, nicht mal zu meinem Geburtstag“, berichtete Heidemann gegenüber radsport-news.com nicht ohne Stolz.

Stolz sein konnte der 21-Jährige aber auch, denn er gewann die Nachwuchstitelkämpfe von Spremberg mit einem Vorsprung von 58 Sekunden auf seinen schärfsten Rivalen Florian Stork (Sunweb Development). Und das, obwohl Heidemann als Bergspezialist gilt und sich auf dem meist flachen Kurs gegen tempofestere Fahrer, "die mehr Leistung treten können“, nicht unbedingt im Vorteil sah.

Allerdings spielte ihm der Wind in die Karten, denn der hatte im Vergleich zum Donnerstag, als er die Strecke inspiziert hatte, nachgelassen und "gerade an den Wellen konnte ich zügig fahren und ein bisschen Zeit gutmachen", so der Nationalfahrer. Heidemann gab zu, zwar mit dem Titel "etwas geliebäugelt“ zu haben, dennoch sei der Sieg überraschend zustande gekommen. "Die Zielsetzung waren die Top Ten. Dass ich gewinne und dann noch mit so einem großen Vorsprung, damit hätte ich nicht gerechnet“, fügte er an.

Dass er schnell unterwegs war, bekam Heidemann über Funk aus dem Begleitfahrzeug von seinem besten Freund, dem schwer erkrankten Teamkollegen Victor Brück, mitgeteilt. Zudem konnte er sich selbst ein Bild davon machen, fuhr er im Verlauf der 35 Kilometer doch nicht weniger als fünf vor ihm gestartete Konkurrenten auf. Den souveränen Sieg beschrieb er als "einen der größten Erfolge meiner Karriere neben dem Deutschen Meistertitel im Mannschaftszeitfahren", erklärte er.

Nach einer kleinen Feier am Freitagabend war der Fokus schnell auf die Straßen-DM am Sonntag auf dem Sachsenring gerichtet. In das 180 Kilometer lange Meisterschaftsrennen geht Heidemann ohne Druck, allerdings mit einer großen Portion Vorfreude. "Es ist meine erste Profimeisterschaft. Vor zwei Jahren war ich krank, im letzten Jahr verletzt. Deshalb freue ich mich schon auf die spezielle Atmosphäre einer Meisterschaft“, blickte Heidemann voraus.

Danach steht erst mal eine kleine Rennpause und stattdessen viel Zeit mit der Familie, Freunden und der Freundin an. Dann will Heidemann wieder Fahrt aufnehmen für die zweite Saisonhälfte. Mit weiteren guten Leistungen könnte sich Heidemann auch in die Notizblöcke einiger Profiteams fahren, denn talentierte Rundfahrer sind in Deutschland selten.

"Bergauffahren macht mir Spaß, Zeitfahren auch. Das ist eigentlich ein bisschen gegensätzlich. Am liebsten mag ich längere Berge, kurz und steil, das tut auch mir weh. Auf dem Papier ist das Zeit- und Bergfahren eine gute Kombi für einen Rundfahrer, aber man muss sehen, wie es sich entwickelt“, schloss Heidemann.

 

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