Quintana holt Rot, Lopez stürzt

Movistars Kuriositätenkabinett verhilft Pogacar zur Sieg-Premiere

Von Peter Maurer

Foto zu dem Text "Movistars Kuriositätenkabinett verhilft Pogacar zur Sieg-Premiere"
Tadej Pogacar (UAE Team Emirates) | Foto: Cor Vos

01.09.2019  |  (rsn) – Eigentlich sollte die 9. Etappe der Vuelta a Espana 2019 für erste Klarheit in der Gesamtwertung sorgen, doch nach dem Sieg des Slowenen Tadej Pogacar (UAE Team Emirates) sind die Top fünf vor dem ersten Ruhetag in Pau sogar enger zusammengerückt als zuvor. Neuer Gesamtwertungsführender ist der Kolumbianer Nairo Quintana (Movistar), der auf dem 94 Kilometer langen Abschnitt von Andorra La Vella nach Cortals d’Encamp Zweiter hinter Pogacar wurde. 23 Sekunden fehlten ihm auf den jungen Slowenen.

"Das ist unglaublich. Von so einem Sieg habe ich geträumt, seit ich meine Karriere begonnen habe. Die Etappe war schwierig, am Ende hatten einige Konkurrenten sogar technische Probleme. Für mich war es aber eine tolle Fahrt", strahlte der erst 20-jährige Pogacar im ersten Interview an der Ziellinie. Drei Kilometer vor dem Ziel löste er sich von Quintana und dessen Teamkollege Marc Soler, der extra für den Kolumbianer zurückbeordert wurde. Dieser gab dadurch einen 25 Sekunden großen Vorsprung auf und ebnete somit Pogacar erst den Weg zum Erfolg.

Der kurze Kletterabschnitt in den Pyrenäen hatte es in sich. Zum einen aufgrund der offensiven Fahrweise der Profis, zum anderen aufgrund einer hartnäckigen Regenfront, die nicht nur das TV-Bild durcheinanderbrachte, sondern auch das gesamte Renngeschehen. 

Denn eingangs des Schlussberges war eine Schotterstraße zu befahren, die sich durch das heftige Unwetter in eine Schlammstrecke verwandelte. "Dort hatten einige technische Probleme", berichtete Tagessieger Pogacar, der als die TV-Bilder ausfielen, noch Seite an Seite mit den Favoriten rund um Alejandro Valverde (Movistar), Primoz Roglic (Jumbo – Visma) und Quintana unterwegs war. 

Lopez stürzt, Quintana nun knapp vor Roglic

Davor lagen noch der Rest einer großen Ausreißergruppe sowie Miguel Angel Lopez (Astana). Der Kolumbianer hatte zuvor attackiert, kam dann aber wohl in diesem, sehr schwer zu befahrenden Sektor, zu Fall und verlor seinen Vorsprung. 

48 Sekunden hinter dem Tagessieger erreichten Roglic und Valverde das Ziel auf den Plätzen drei und vier. Fünfter wurde Soler, der wie der Tagessechste Hermann Pernsteiner (Bahrain – Merida) Teil der großen Ausreißergruppe war. Lopez erreichte den Zielstrich als Neunter, 1:01 Minuten hinter Pogacar. Der Franzose Nicolas Edet (Cofidis), der eingangs der Etappe noch Gesamtführender war, verlor über sechs Minuten und musste sein Rotes Trikot an Quintana abgeben.

Der Kolumbianer führt vor dem am Dienstag stattfindenden Zeitfahren mit sechs Sekunden Vorsprung auf Roglic. Lopez liegt mit 17 Sekunden Rückstand auf Rang drei, vor Valverde, der einen Rückstand von 20 Sekunden aufweist. Neuer Fünfter ist Pogacar, der nun 1:42 Minuten zurückliegt. Der Niederösterreicher Pernsteiner verbesserte sich mit seiner guten Tagesleistung auf Rang 12 und schnuppert schon an den Top Ten.

So lief die Etappe:

Nachdem es schon in der neutralisierten Phase berghoch ging, folgten nach Eröffnung der Etappe sofort die ersten Attacken. Es dauerte dann aber doch einige Kilometer ehe sich eine Ausreißergruppe formierte. Zu Beginn war es der Brite Tao Geoghegan Hart (Ineos), der lange alleine an der Spitze fuhr. Dahinter lagen gut 30 Mann, darunter auch die beiden Österreicher Pernsteiner und Felix Großschartner (Bora – hansgrohe). Am ersten von fünf zu befahrenden Bergpässen in den Pyrenäen setzten sich Mikel Bizkarra (Euskadi Murias) und Patrick Bevin (CCC Team) ab.

Das Duo wurde aber in der Abfahrt wieder gestellt. Sunweb und Ineos waren insgesamt mit neun Fahrern in der Spitzengruppe vertreten und sorgten deshalb für ein hohes Tempo. So wuchs der Vorsprung der Ausreißer auf über vier Minuten an. Im Feld dahinter übernahm Astana die Nachführarbeit und verkleinerte das Feld langsam. Lange hielt der Träger des Roten Trikots, der Franzose Edet, die Pace der Favoriten, allerdings musste er schon am zweiten Berg des Tages abreißen lassen. 

Chaves im Pech

Pech hatte auch der Kolumbianer Esteban Chaves (Mitchelton - Scott), den dort ein Defekt ereilte. Nachdem das Feld weit auseinandergerissen war, bekam er keine schnelle Hilfe aus dem Begleitauto. Somit musste er mit einem Rad eines Teamkollegen Vorlieb nehmen, welches dem kleinen Kolumbianer aber deutlich zu groß war. Der wechselte dann mit seinen verbliebenen Helfern noch munter durch, ehe er doch Hilfe beim Teamauto suchte. Somit musste er auf die Gruppe der Favoriten anschließend fast eine Minute gutmachen.

An der Spitze löste sich der Franzose Geoffrey Bouchard (AG2R La Mondiale) als Solist. Er gewann die Bergwertung am Coll de La Gallina vor Pernsteiner. Der Österreicher war am Gipfel bis auf wenige Sekunden an den Franzosen herangefahren, riskierte in der Abfahrt aber nicht so viel. Dadurch blieb der AG2R-Profi als Solist voran, holte sich auch den Zwischensprint sowie den Bergpreis am folgenden Alto de La Comella. 

Lopez attackiert und wird von Sturz gestoppt

Dort attackierte in der Gruppe der Favoriten dann Miguel Angel Lopez und konnte sich absetzen, nachdem dahinter sowohl Valverde als auch Quintana mit Roglic zu spielen begannen. Die beiden attackierten abwechselnd und ließen den Slowenen die Löcher zufahren. In der Zwischenzeit gewann Lopez, der von zwei Teamkollegen aus der Spitzengruppe Unterstützung erhielt, mehr und mehr an Vorsprung.

Hinter dem Führenden Bouchard formierten sich Geoghegan Hart und Ben O’Connor (Dimension Data), die zum Franzosen aufschlossen. Auch Soler erreichte das Trio und konnte sich vor dem letzten Berg absetzen. Ein heftiger Sturm mit schweren Regenfällen und Hagel lähmte das TV-Bild und so wurde der Sturz von Lopez, der sich zu diesem Zeitpunkt knapp hinter der Spitze befand, nicht aufgezeichnet. 

Soler wenig begeistert vom Kommando seines Chefs

Am Schlussberg, dem Alto Els Cortals d’Encamp war es dann Soler, der einen Vorsprung von gut 30 Sekunden aus dem schlammigen Wanderpfad mitnahm. Dahinter lösten sich Quintana und dessen Begleiter Pogacar von den weiteren Favoriten. Auch Valverde attackierte Lopez und schließlich überholte dann auch noch Roglic, der schon zurückgefallen war, den Kolumbianer, der gezeichnet aussah nach seinem Sturz und einen blutenden Ellbogen hatte.

4,4 Kilometer vor dem Ziel wurde dann Soler von Movistars Sportlicher Leitung per Funk zurückgepfiffen. Der Spanier nahm es mit wenig Begeisterung auf, gestikulierte wild, wartete dann aber brav auf Quintana. Kurz bevor der aber seine letzte Relaisstation erreichte, attackierte Pogacar und der Kolumbianer konnte nicht folgen. 

Während der Slowene dem Etappensieg entgegeneilte, zog Soler mit verbissenem Gesicht Quintana hinauf zum Ziel. Am letzten Kilometer scherte der Spanier aber aus, so dass der Vuelta-Sieger von 2016 auf sich allein gestellt war. Pogacar feierte seine Siegpremiere im strömenden Regen, denn für den erst 20-Jährigen bedeutete der Tageserfolg in den Pyrenäen gleichzeitig den Gewinn seiner ersten GrandTour-Etappe.

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