Todestag jährt sich heute zum neunten Mal

Schwester erinnert mit persönlichem Brief an Wouter Weylandt

Von Joachim Logisch

Foto zu dem Text "Schwester erinnert mit persönlichem Brief an Wouter Weylandt"
Wouter Weylandt 2010 bei Paris-Tours | Foto: Cor Vos

09.05.2020  |  (rsn) - Heute vor neun Jahren starb Wouter Weylandt während der 3. Etappe des Giro d’Italia an den Folgen eines schweren Sturzes. In der Abfahrt vom Passo del Bocco rund 25 Kilometer vor dem Ziel in Rapallo streifte er mit dem linken Pedal oder der linken Lenkerseite eine Mauer. Dadurch wurde er circa 20 Meter weit auf die andere Straßenseite geschleudert, wo er mit einem weiteren Gegenstand kollidierte. Weylandt erlitt dabei einen Schädelbasisbruch. Auch unverzüglich eingeleitete Wiederbelebungsversuche konnten ihn nicht mehr ins Leben zurückholen.

Seitdem schreibt seine Schwester Elke Weylandt, die für das Team Trek-Segafredo arbeitet, jedes Jahr in ihrem Blog einen ergreifenden Brief an ihren Bruder, der nur 26 Jahre alt wurde!

"Ich möchte mich nicht in Überlegungen darüber verlieren, was hätte sein können, denn ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass ich damit umgehen kann. Ich möchte nicht darüber nachdenken, wie viel reicher mein Leben und unser Leben gewesen wäre, wenn du noch hier bei uns hättest sein können. Wenn ich das mache, spüre ich, wie die rohe Traurigkeit, Frustration und Wut wieder aufsteigen. Das bringt dich auch nicht zurück, also entscheide ich mich dagegen. Ich gehe lieber in meinem Kopf herum und stöbere in meinen Erinnerungen", schreibt die Belgierin in ihrer Trauer.

"Ich habe die Traurigkeit gezähmt, ich habe sie zurückgehalten und sie befindet sich irgendwo in einem Käfig in meinem Kopf, wo sie normalerweise ruhig bleibt. Aber zu dieser Jahreszeit rührt sie sich mehr als sonst, das wilde Tier macht sich Gehör und fummelt an den Schlössern seines Käfigs herum. Ich hätte nie gedacht, dass ein Todesdatum so beladen sein könnte und dass es mich jedes Jahr so hart treffen würde, aber in der Tat, für diese schwindelerregend große Trauer es gibt keine Medizin.

Und wenn es sie geben würde, bin ich mir nicht sicher, ob ich sie nehmen würde. Weil diese Trauer ein Teil von mir ist, zusammen mit dem Verlust und den Erinnerungen. Ich werde immer deine Schwester sein, du wirst immer mein Bruder sein.

Ich vermisse dich, Bruder, jeden Tag, jede Stunde, jede Minute. Erinnerst du mich im kommenden Jahr wieder daran? Und singst du leise: ‘You are my sister, and I love you, may all of your dreams come true’? "

radsport-news.com erinnert an den jungen Profi, der so plötzlich aus dem Leben gerissen wurde!

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