“Ich hörte auf, weil ich wollte, nicht, weil ich musste“

Jumbo - Visma war Kittels einzige Alternative zum Rücktritt

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Marcel Kittel | Foto: Cor Vos

18.05.2020  |  (rsn) – Marcel Kittel hat sich in einem längeren Interview mit ad.nl voller Anerkennung über das Team Jumbo - Visma geäußert und bestätigt, dass der Rennstall im vergangenen Jahr an einer Verpflichtung interessiert gewesen sei.

“Die Entwicklung ist unglaublich und das Ergebnis einer konsequenten Politik und klarer Werte“, sagte der 2019 zurückgetretene Weltklassesprinter, dem sich damals die Chance bot, nach der enttäuschenden Zeit bei Katusha - Alpecin in den Niederlanden einen Neubeginn zu wagen. "Mir war klar, dass letztes Jahr dieses Team die einzige Option war, wenn ich hätte weitermachen wollen", so Kittel. “Ich hatte die beste Option auf dem Tisch. Und das macht es noch verständlicher, wie wichtig es für mich war, herauszufinden, was ich wirklich wollte. Am Ende habe ich mich entschieden aufzuhören, nicht weil ich musste, sondern weil ich wollte“, so Kittel, der schließlich am 23. August 2019 seinen Rücktritt erklärte.

Als zentrale Figur bei Jumbo - Visma nannte Kittel gegenüber ad.nl Sportdirektor Merijn Zeeman, den er aus gemeinsamen Zeiten bei Skil-Shimano kennt, wo Zeeman bis zu seinem Wechsel zum nationalen Konkurrenten von 2011 bis 2013 mit dem Deutschen zusammengearbeitet hatte. “Wenn ich zum Beispiel mit Tony Martin spreche, höre ich, dass Merijn wirklich eine der Schlüsselfiguren im Team ist. Alle mögen ihn, er ist aber auch derjenige, der ehrlich antwortet oder Feedback gibt. Er versucht, die Fahrer zu verstehen und sie besser zu machen. Das ist der Merijn, den ich 2011 kennengelernt habe“, so der seit vergangener Woche 32 Jahre alte Kittel, der im Trikot des damaligen Zweitdivisionärs in seiner ersten Profisaison mit gleich 17 Siegen einschlug.

Vor allem die Geburt seines Sohnes Lex vor fünf Monaten habe ihn in seiner Rücktrittsentscheidung bestätigt, so der 14-malige Tour-Etappengewinner, der mit der niederländischen Volleyballspielerin Tess von Piekartz liiert ist und mittlerweile Wirtschaftswissenschaften an der Uni Konstanz studiert. “Lex 'Geburt hat mich emotionaler berührt als jeder Sieg. Das hält viel länger an als der Gewinn einer Tour-Etappe oder ein Tag im Gelben Trikot. Das ist auch schön und einzigartig, aber ein Kind und die damit verbundene Verantwortung bestimmen den Rest deines Lebens“, betonte Kittel und fügte an: “Meine Siege definieren nicht, wer ich bin. Siege gaben mir Selbstvertrauen als Sprinter, nichts weiter. Ein Kind relativiert alles und zeigt, dass es im Leben mehr gibt.“

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