Neue 13fach-Gruppe - mit Video

Campagnolo Ekar: Großer Wurf - ohne Umwerfer

Von Caspar Gebel

Foto zu dem Text "Campagnolo Ekar: Großer Wurf - ohne Umwerfer"
| Foto: Andreas Meyer

28.09.2020  |  Auf den Umwerfer zu verzichten, liegt beim Radsport im Trend - und ist je nach Disziplin durchaus sinnvoll. Kompro­misse zwischen Übersetzungsumfang und Abstufung sind dabei nötig. Jedenfalls bis jetzt. Vorhang auf für die neue Campagnolo Ekar.

Die Ekar ist nicht nur die erste Einfach-Gruppe der Oberitaliener,
sie stellt auch gleich mal 13 Ritzel bereit - neu im Rennrad-Bereich. Drei Kassetten (9-39, 9-42, 10-44) und vier Kettenblätter (38, 40, 42, 44) stehen zur Auswahl. Je nach Kassette steht damit eine Übersetzungbandbreite von bis zu 467 Prozent zur Verfügung.

Kompromiss sind damit weitgehend hinfällig: Mit dem beliebten 2x11-Set-up mit 50/34 Zähnen vorne und 11-28er-Kassette kann die Ekar je nach Abstufung locker mithalten – bei 9-36 mit 40er-Ketten­blatt hat sie einen nur minimal kürzeren Schnellgang, dafür aber einen zusätzlichen Berggang auf 1:1-Niveau.

Damit wird klar: Die Ekar zielt nicht nur
auf Gravelbikes, sondern ist auch am Endurance-Renner eine gute Wahl. Drei Kassetten und vier Kettenblätter stehen im Zentrum des Konzepts. Campagnolo bietet 9-39, 9-42 und 10-44 an – genau, die zwei kleineren Kassetten schließen mit einem minimalistischen Neuner-Ritzel ab.

Vorne stehen 38 bis 44 Zähne zur Auswahl; ein Schnellgang von mindestens 1:4 ist also bei fast je­der Kombination zur Verfügung, und selbst mit dem größten Kettenblatt lässt sich ein 1:1 übersetzter Berggang realisieren. 9-36 (genannt „Gravel Race“) und 9-42 („Gravel Endurance“) sind in den acht Gängen von 9 bis 18 identisch abge­stuft; für eine zügi­ge Fahrt stehen jeweils sechs Einersprünge bereit. Bei 10-44 („Gravel Adventure“) sind immerhin die ersten fünf Ritzel nur einen Zahn auseinander, bevor es in Zweier- bis Sechserschritten weitergeht.

Neuner- wie Zehner-Ritzel lassen sich
erwartungsgemäß nicht auf konventionellen Campa-Freiläufen montieren; mit dem "N3W2" gibt es daher auch einen neuen Freilauf-Körper, der per Adapterring mit den Elf- und Zwölffach-Kränzen der Marke kompatibel ist.

Neu ist zudem der Aufbau der Kassette selbst: 9-36 und 9-42 bestehen aus einem CNC-gefrästen Neuner-Ritzelblock plus einem Viererblock mit integriertem Verschlussring. 10-44 besteht aus Zehner- sowie Dreier­b­­lock mit davon getrenntem Lockring. Vierer- und Dreier­block können als Ersatzteil nachbestellt werden – gut, denn die kleinen Ritzel dürften schneller verschleißen als die mit 13 Zähnen aufwärts.

Zur neuen Gruppe werden drei Laufrad-Sätze
angeboten: ein Campagnolo Shamal mit Carbon-Felgen, dazu zwei Fulcrum-Radsätze mit Alu-Fel­gen, die jeweils auch in einer 650B-Version verfügbar sind. Alle Laufräder können schlauchlos gefahren und aktuelle Lauf­räder der zwei Marken per Umrüstsatz mit Achse und Frei­lauf passend gemacht werden.

Eine Veränderung gibt es bei der Bedienung des Ergopower-Hebels: Die berühmte Daumentaste wurde bogen­förmig ausge­führt und soll damit vom Unterlenker aus besser er­reichbar sein. Geschaltet wird mit der Taste in Einerschritten, was im Gelände die Bedienung erleich­tern soll; mit dem Hebel können bis zu drei Ritzel in Richtung „leicht" geschaltet werden.

Neu ist natürlich auch das Schaltwerk,
das wie Einfach-Konkurrenz-Modelle mit starken Federn das Kettenschlagen verhindern soll und zum Radausbau entspannt werden kann. Nur eine Länge wird angeboten; die Schalt­schwinge misst 78,5 Millimeter und ist mit 12er-Rädchen oben und einem 14er unten ausgestattet. Für festen Halt der Kette sorgt das "Narrow-Wide"-Zahnprofil der Kettenblätter.

Knapp 2400 Gramm gibt Campagnolo als Gewicht der kompletten Gruppe an (mit 9-42er-Kassette); damit soll sie zum Teil um mehrere Hundert Gramm unter der Konkurrenz liegen. Was ebenfalls erwähnt werden sollte: Aktuell bietet Campagnolo die einzige mechanische Gravel-/ Rennrad­-Gruppe mit mehr als elf Ritzeln an. Mit 1725 Euro ist die Ekar nicht billig; andererseits lassen sich damit Kompletträder ab 4000 Euro realisieren – und der „Straßenpreis“ der Gruppe dürfte ohnehin deutlich niedriger ausfalln.

Der Wunsch, mehr Campagnolo zu sehen
– erstmals auch an Gravelbikes –, könnte also bald Realität werden, zumal die Gruppe ab Ende September ausgeliefert werden soll.

Caspar Gebel ist Redakteur beim Print-Magazin ProCycling.

Unsere Kollegen vom Roadbike Channel bei ProCycling konnten die neue Campagnolo-Gruppe auf den ebenfalls neuen Rennstahl 853 Trail Gravel-Rahmen montieren, komplett durchchecken - und dabei alle Gewichte feststellen.
Hier das Video:

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Weitere Informationen

Campagnolo srl
Via della Chimica, 4
36100 Vicenza
Italia

Fon: 0039 0444 225500

E-Mail: info@campagnolo.com
Internet: www.campagnolo.com/DE/de

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