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03.10.2020 | (rsn) - Radsportjournalist Thijs Zonneveld von der niederländischen Zeitung AD hat nach eigenen Angaben Einblick in die Leistungswerte des Tour-Zeitfahrens von Primoz Roglic (Jumbo – Visma) erhalten. Normalerweise werden solche Daten nicht veröffentlicht, dieses Mal aber machte die niederländische Mannschaft offenbar eine Ausnahme. Zonnevelds durchaus überraschende Schlussfolgerung: Der Toursieg war für Roglic unmöglich!
Der Slowene schien vor dem abschließenden Zeitfahren über 36,2 Kilometer hinauf zur Planche des Belles Filles den Toursieg so gut wie sicher zu haben, doch dann musste er nach einem sensationellen Auftritt von Tadej Pogacar (UAE – Team Emirates) das Gelbe Trikot noch an seinem jungen Landsmann abgeben. Über die Gründe der Niederlage wurde viel spekuliert: eine kurzfristige Korrektur der Satteleinstellung kurz vor dem Start, ein schlecht sitzender Helm und der psychische Druck wurden genannt. Aber war Roglic – immerhin Fünfter der 20. Etappe - wirklich so schlecht?
Die Zahlen sprechen laut Zonneveld eine andere Sprache. Durchschnittlich habe der Vuelta-Sieger des vergangenen Jahres 369 Watt produziert. Das entspricht 5,7 Watt pro Kilogramm. Zum Vergleich: Im Zeitfahren der Spanien-Rundfahrt 2019 schaffte er auf einem flacheren Kurs bei rund elf Minuten geringerer Fahrtzeit “nur“ 5,4w/kg. Damals war Pogacar 1:29 Minuten langsamer als Roglic.
Erst auf den letzten 1500 Metern des Schlussanstiegs erlaubte sich der spätere Gesamtzweite eine Schwäche. Als deutlich wurde, dass Roglic die Tour verlieren würde, sank sein Watt-Wert auf 334. “20 oder 30 Sekunden besser hätte er also sein können; aber eine Minute schneller nicht“, schlussfolgerte Zonneveld: “Es war sicher nicht das Zeitfahren seines Lebens, aber sicher auch kein schlechtes. Die Werte, die Roglic hätte fahren müssen, um sich vor Pogacar zu behaupten, hat er noch nie erreicht“, betonte der Journalist.
Das macht die Leistung des Gesamtsiegers umso beeindruckender. Pogacars Daten sind nicht bekannt, unter Berücksichtigung der Variablen Gewicht und Aerodynamik berechnete Zonneveld den Durchschnittswert des 22-Jährigen aber auf 6,1 bis 6,5w/kg bei fast einer Stunde Fahrtzeit. “Das war DIE Leistung dieser Tour. Vielleicht sogar dieses Jahrzehnts“, befand der 40-Jährige.
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