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04.11.2020 | (rsn) – Wie die französische Tageszeitung L‘Equipe berichtet, hat der 33-jährige Franzose Yoann Offredo (Circus – Wanty Gobert) seine Karriere beendet. Seit dem 29. Februar 2020 bestritt er kein Rennen mehr. Der Grund dafür sind enorme Schmerzen, die die Folge einer im letzten Jahr getätigten Operation am rechten Knöchel sind.
"Seit einem Jahr verursacht jede Pedalumdrehung enorme Schmerzen. Ich kann nicht einmal mehr normal laufen", erzählte der Profi, der im Süden von Paris aufgewachsen ist. Von 2007 bis 2016 fuhr er für das Team Francaise de Jeux, seit 2017 trat er im Trikot der belgischen Mannschaft Circus – Wanty Gobert an. Dreimal nahm er an der Tour de France teil, zeigte sich dort zumeist in kleinen Spitzengruppen. 2009 feierte er bei der Tour de Picardie einen Etappensieg.
Sein sportlich bestes Jahr war 2011, als er Siebter bei Mailand-Sanremo und bei Paris-Tours wurde. Außerdem belegte er damals Platz vier beim Omloop Het Nieuwsblad. Offredo galt lange Zeit als eines der aufstrebenden Talente in Frankreichs Klassikerfraktion. Doch Verletzungen und auch eine einjährige Sperre des Verbandes, weil er gegen die Anti-Doping-Bestimmungen der Fédération Française de Cyclisme (FFC) verstoßen hatte, ließen ihn nicht weiter aufsteigen.
Offredo machte dreimal keine Angaben über seinen Aufenthaltsort. Dazu ist aber jeder Profi verpflichtet, damit er jederzeit von den Dopingtestern gefunden werden kann..
In die Schlagzeilen geriet er 2017 nach seinem Wechsel zu Wanty, als er im April bei einer Trainingsfahrt in einer Verkehrsstreiterei mit einem Baseballschläger angegriffen und verletzt wurde. 2019 sorgte er mit einem Horrorsturz für Aufregung, als er sich beim Grand Prix Denain bei einem Sturz schwere Verletzungen zuzog. Nachdem er sogar für kurze Zeit bewusstlos war, berichtete er den Ersthelfern von Schmerzen im Nacken- und im Wirbelsäulenbereich.
Mit der Befürchtung einer dauerhaften Lähmung und irreparablen Schäden im Rückenmark wurde er mit dem Helikopter ins Krankenhaus nach Lille gebracht. Zum Glück erwiesen sich die ersten Diagnosen als nicht so schlimm und Offredo konnte schon bei Eschborn-Frankfurt sein Comeback geben. Im Juli nahm er dann noch einmal an der Tour de France teil, zeigte sich sehr offensiv in der ersten Woche und war oft in den Ausreißergruppen zu finden.
"Ich muss schnell einen Sinn in meinem Leben finden"
Wie er im Gespräch mit der L’Equipe erzählte, war er aber seit seinem Sturz beim GP Denain nie mehr schmerzfrei am rechten Knöchel. Deshalb unterzog er sich im Herbst einer Sehnentransplantation, die aber nicht gut verlief. Sein Chirurg erklärte ihm, dass er mit dem professionellen Radsport abschließen müsse.
Offredo versuchte noch ein Comeback und absolvierte vor der Corona-Pause noch die Saudi Tour, die Provence-Rundfahrt und die Ruta del Sol sowie den Omloop Het Nieuwsblad. "Ich wollte es einfach nicht wahrhaben", erklärte er und beschrieb auch, dass er nach der Operation mit Depressionen zu kämpfen hatte.
"Das ist noch immer ein Tabuthema im Radsport. Fahrer wie Peter Kennaugh oder Marcel Kittel haben deswegen ihre Karriere beendet, aber die meisten Fahrer sprechen nicht darüber. Ich habe auch die Folgen des Sturzes in Denain immer ignoriert, wollte wieder Fahrrad fahren", so Offredo.
In den letzten 15 Jahren habe der Radsport sein Leben dominiert. Nun so plötzlich abzuschließen, falle ihm nicht leicht: "Ich bin 30 Stunden in der Woche auf dem Rad gesessen. Nun bin ich nachts nicht müde genug, um einzuschlafen, liege bis 3:00 Uhr wach", beschrieb er sein Leiden in den letzten Monaten. Als Radprofi kam er mit allem zurecht, egal ob Kälte oder Stürze: "Aber wer bin ich jetzt. Ich muss schnell einen Sinn in meinem Leben finden."
Im Januar will er ein Studium aufnehmen und den Master in Politikwissenschaften mit einer Spezialisierung in Journalismus machen. In diesem Bereich könnte er auch wieder zum Radsport zurückkehren, denn im September arbeitete er bei der Tour de France für das französische Fernsehen.
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