Bernal verliert in 17. Giro-Etappe Zeit

Martin komplettiert seine Sammlung an Grand-Tour-Siegen

Von Felix Schönbach

Foto zu dem Text "Martin komplettiert seine Sammlung an Grand-Tour-Siegen"
Dan Martin (Israel Start-Up Nation) | Foto: Cor Vos PRÜFEN

26.05.2021  |  (rsn) - Die Bergankunft in Sega di Ala eröffnete die berüchtigte dritte Woche des Giro d'Italia mit einem Paukenschlag: Dan Martin (Israel Start-Up Nation) hielt sich Joao Almeida (Deceuninck – Quick-Step) und Simon Yates (Bike Exchange) vom Hals, um sich den Etappensieg zu sichern. Egan Bernal (Ineos Grenadiers) zeigte erstmals größere Schwächen. Er konnte zwar das Rosa Trikot verteidigen, verlor aber 53 Sekunden auf Yates. Auch dahinter kam es zu großen Veränderungen im Gesamtklassement.

Martin schien sich heute von nichts stoppen zu lassen. Der Ire sprang zunächst in die Spitzengruppe, hielt am Passo di San Valentino fast allein das Tempo hoch und verteidigte in der Schlusssteigung seinen geringen Vorsprung gegen die heraneilenden Favoriten. "Von meiner Besichtigung wusste ich, dass ich es bis zwei Kilometer vor dem Ziel schaffen musste. Also bin ich an den steilen Abschnitten mein eigenes Tempo gefahren, sodass ich auf dem letzten halben Kilometer alles geben konnte, um die Fahrer hinter mir zu killen“, erklärte Martin seinen Plan.

Mit seinem ersten Giro-Etappenerfolg wurde Martin der 102. Fahrer, der eine Etappe bei allen drei Landesrundfahrten gewinnen konnte. "Das Grand-Tour-Triple ist der Grund, für das ich überhaupt hier bin. Ich wusste, dass heute eine der letzten Chancen war“, erzählte Martin nach dem Zieleinlauf. "Wir hatten den Plan, mich in die Spitzengruppe zu bringen und alle haben ihren Teil dazu beigetragen“, verwies der 34-jährige auf die Leistung seiner Teamkollegen.

"Es war eine Achterbahn für uns. Wir haben Krists Neilands früh verloren. Danach hatten wir viele zweite und dritte Plätze, dann ist de Marchi ausgefallen. Aber wir haben eine großartige Atmosphäre im Team. Das hat man heute gesehen“, führte Martin weiter aus. Israel Start-Up Nation gehört zu den Mannschaften, die nach einem schwierigen Frühjahr in diesem Mai das Ruder herumreißen konnten.

Bernal übersteht seine erste Krise

In der Favoritengruppe sah es bis drei Kilometer vor dem Ziel so aus, als ginge alles seinen gewohnten Gang und Ineos Grenadiers würde das Rennen wie gewohnt kontrollieren. Doch dann konnte Bernal einer Tempoverschärfung von Yates plötzlich nicht mehr folgen und durchlebte eine kleine Krise. "Heute war ein schwerer Tag für mich. Die letzten Kilometer waren sehr steil. Ich wollte Yates folgen, aber heute war er stärker als ich“, gab der Kolumbianer zu.

Auf den letzten Kilometern konnte sich Bernal etwas erholen, auch dank der Unterstützung seines Edelhelfers Daniel Martinez. "Ich wollte mit Caruso mitfahren, weil er mein erster Verfolger im Klassement ist. Ich bin froh, dass ich gegenüber Yates nicht zu viel Zeit verloren haben. Gegenüber Caruso habe ich nur ein paar Meter eingebüßt. Ich muss mit ihnen nur nach Mailand fahren, dann gewinne ich den Giro“, meinte Bernal.

Der größte Verlierer des Tages war Giulio Ciccone (Trek -Segafredo) der zunächst in einer Abfahrt stürzte und dann am letzten Anstieg fast acht Minuten kassierte. Auch Hugh Carthy (EF Education - Nippo), Aleksandr Vlasov (Astana – Premier Tech) und Romain Bardet (DSM) hatten auf den steilen Rampen zur Sega di Ala zu kämpfen. Yates rückte in der Gesamtwertung auf den dritten Rang vor, während Caruso unverändert Zweiter blieb.

Das Sprinttrikot blieb bei Peter Sagan (Bora – Hansgrohe). In der Bergwertung konnte Geoffrey Bouchard (AG2R – Cintroën) nach einem großen Kampf in der Spitzengruppe seine Führung weiter ausbauen. Der Franzose hat jetzt beste Chancen, das Trikot bis nach Mailand zu verteidigen. Bernal führt auch weiterhin die Nachwuchswertung an.

So lief das Rennen:

Die erste Rennstunde war durch viele Attacken auf der abschüssigen Strecke geprägt. Erst nach knapp 50 Kilometern konnte sich eine 19 Fahrer große Spitzengruppe absetzen. Neben Martin und Bouchard waren auch Felix Großschartner (Bora – hansgrohe), Matteo Badilatti (Groupama – FDJ), Gianni Moscon (Ineos Grenadiers), Antonio Pedrero (Movistar), Giovanni Carboni (Bardiani – CSF – Faizanè), Simone Ravanelli (Androni Giocattoli – Sidermec) und Dries De Bondt (Alpecin - Fenix) in der Gruppe vertreten.

De Bondt gewann die erste Bergwertung des Tages, sowie beide Zwischensprints. Im Feld sorgte BikeExchange allerdings dafür, dass der Vorsprung der Ausreißer nie über 5:15 Minuten wuchs und im Verlaufe des vorletzten Anstieges zum Passo di San Valentino sogar auf nur noch 2:30 Minuten schmolz. Dort verschärfte Martin mehrmals das Tempo, bis nur noch Pedrero, Moscon und Bouchard folgen konnten. Bouchard gewann die Bergwertung, während Carboni und Ravanelli auf der Abfahrt nochmal aufschlossen.

Im Feld kam es auf der Abfahrt zu einem Sturz in einer Rechtskurve, in den unter anderem Ciccone, Vincenzo Nibali (Trek – Segafredo), Mikel Nieve (BikeExchange) und Remco Evenepoel (Deceuninck – Quick-Step) verwickelt waren. Ciccone konnte zwar weiterfahren und auf dem anschließenden Flachstück den Anschluss zum Feld wiederherstellen, schien aber zu diesem Zeitpunkt schon stark angeschlagen.

Die Spitzengruppe erreichte den letzten Anstieg mit nur noch 1:30 Minuten Vorsprung. Martin entledigte sich schnell seiner Begleiter und machte sich auf den Weg Richtung Etappensieg. Im Feld kontrollierte lange Zeit Ineos Grenadiers durch Jonathan Castroviejo und den zurückgefallenen Moscon das Tempo. Ciccone und Vlasov fielen schon zu Beginn des Anstieges zurück, Romain Bardet (DSM), Tobias Foss (Jumbo – Visma) und Carthy bekamen knapp sechs Kilometer vor dem Ziel Probleme.

Vier Kilometer vor dem Ziel attackierte zunächst Joao Almeida (Deceuninck – Quick-Step), der kurz darauf von Yates verfolgt wurde. Den ersten Angriff von Yates konnten Bernal und Martinez noch problemlos parieren. Doch bei einer zweiten Tempoverschärfung konnte das Rosa Trikot nicht mehr folgen. Der zuvor abgehängt Caruso schloss zu Bernal auf, der von Martinez den Berg hochgeschleppt wurde. Weiter vorne arbeiteten Yates und Almeida zusammen, um das Loch zu vergrößern.

Knapp zwei Kilometer vor dem Ziel attackierte Almeida seinen Begleiter Yates, um eventuell noch zu Martin aufschließen zu können. Doch der Ire hatte sich den Anstieg gut eingeteilt und hielt Almeida auf Distanz. Bernal verlor auf den letzten Metern noch drei Sekunden auf seinen engsten Verfolger Caruso. Die restlichen Favoriten folgten mit teilweise großen Abständen.

Mehr Informationen zu diesem Thema

10.06.2021Buchmann startet bei der Tour von allen Fesseln befreit

(rsn) - Ursprünglich war Emanuel Buchmann (Bora – hansgrohe) nicht für die diesjährige Tour de France vorgesehen. Doch nach seinem schweren Sturz und dem dadurch erzwungenen Ausscheiden beim Giro

31.05.2021Almeida: Sechster statt Vierter, aber trotzdem besser als 2020

(rsn) - Die Platzziffer am Ende des 104. Giro d'Italia war schlechter, als bei der 103. Auflage des Rennens, doch die Leistung von Joao Almeida (Deceuninck – Quick-Step) durfte man in den vergangene

31.05.2021Rosa nimmt Bernal endlich die große Last von Gelb

(rsn) – Der Sonntagnachmittag in Mailand war emotional für Egan Bernal. Am Ende des 30 Kilometer langen Abschlusszeitfahrens richtete er sich auf, breitete die Arme aus und rollte erleichtert über

31.05.2021White: Yates´ Tour-Teilnahme ist “höchst wahrscheinlich“

(rsn) – Schlecht war das Ergebnis von Simon Yates (BikeExchange) beim 104. Giro d´Italia nicht: Rang drei in der Gesamtwertung, er stand auf dem Podest. Und doch war es nicht das, wofür er vor dre

31.05.2021Walscheid: “Bin super zufrieden mit den drei Wochen“

(rsn) – Mit gleich drei Etappensiegen durch Mauro Schmid, Giacomo Nizzolo und Victor Campenaerts war Qhubeka Assos eine der Überraschungsmannschaften beim Giro d`Italia. Nur Ineos Grenadiers hatte

30.05.2021Sturz kostet Cavagna möglichen Sieg in Mailand

(rsn) - Rémi Cavagna (Deceuninck - Quick-Step) hätte das Abschlusszeitfahren des 104. Giro d'Italia in Mailand gewinnen können. Zumindest wäre es äußerst knapp zwischen ihm und dem vorher per De

30.05.2021Video: Bernals letzte Meter auf dem Weg zum Giro-Sieg

(rsn) - Mit dem Tagessieg vor dem Mailänder Dom hatte Egan Bernal (Ineos Grenadiers) erwartungsgemäß nichts mehr zu tun. Doch der Kolumbianer hat im Abschlusszeitfahren des 104. Giro d´Italia das

30.05.2021Ganna gewinnt Zeitfahren trotz Platten vor gestürztem Cavagna

(rsn) - Filippo Ganna (Ineos Grenadiers) hat das abschließende Zeitfahren des Giro d’Italia in Mailand für sich entschieden. Der Italiener gewann nach 30,3 Kilometern vor Rémi Cavagna (Deceuninck

30.05.2021Bernal feiert Gesamtsieg, Ganna gewinnt Abschlusszeitfahren

(rsn) - Egan Bernal (Ineos Grenadiers) hat sich am Schlusstag des 104. Giro d`Italia sein Rosa Trikot nicht mehr abnehmen lassen und sich zum ersten Mal in seiner Karriere den Gesamtsieg der Italien-

30.05.2021Die Renneinsätze der deutschsprachigen Fahrer

(rsn) - Die Radsportsaison 2021 ist trotz der Corona-Pandemie in vollem Gang. Wir liefern Ihnen zu Beginn jeder Woche eine Aufstellung über die Einsätze der Profis aus Deutschland, Österreich, der

30.05.2021Bernal: “Nur mein Name auf der Giro-Trophäe zählt“

(rsn) – Erstmals ging Egan Bernal (Ineos Grenadiers) als Leader in die Schlusswoche einer der drei großen Landesrundfahrten. Nach 20 der 21 Etappen des Giro d’Italia hat er mit 1:59 Minuten auf d

30.05.2021Caruso war für Bardet Hilfe und Problem zugleich

(rsn) – Falls im abschließenden Zeitfahren keine Sensation passiert, wird das deutsche Team DSM den 104. Giro d’Italia ohne Tageserfolg verlassen. Nach einer schwierigen ersten Woche präsentier

Weitere Radsportnachrichten

26.09.2026Radsport live im Stream, TV und Ticker: Die Rennen des Tages

(rsn) – Welche Radrennen finden heute statt? Wo und wann kann man sie live im Fernsehen oder Stream verfolgen? Und wo geht´s zum Live-Ticker?In unserer Tagesvorschau informieren wir über die wicht

25.09.2026Deutschlands Jüngste glänzen in Montreal: 16-Jährige Bieberle WM-6.

(rsn) – Die deutschen Juniorinnen haben im Straßenrennen bei den Weltmeisterschaften von Montreal in Kanada zwar keine Medaille gewonnen, mit ihrem Abschneiden aber trotzdem überzeugt. Die Plät

25.09.2026Deutsche U23 selbstkritisch: “Weit unter unseren Möglichkeiten“

(rsn) – Die Enttäuschung war den drei bestplatzierten deutschen Fahrern im U23-Straßenrennen der Männer bei den Weltmeisterschaften von Montreal anzumerken. Moritz Mauss, Paul Fietzke und Max Boc

25.09.2026Neira besorgt Spanien den nächsten U19-Titel, Grossmann holt Bronze

(rsn) – Alejandra Neira hat die spanische Siegesserie bei U19-Weltmeisterschaften fortgesetzt. Ein Jahr nach dem Triumph von Paula Ostiz bei den Juniorinnen in Kigali sowie einen Tag nach dem Sieg v

25.09.2026Barry fährt am Geburtstag in der Gruppe des Tages zum Titel

(rsn) – Noch bevor bei der Podiumszeremonie “The Star-Spangled Banner“ erklang, stimmte das Publikum “Happy Birthday to you“ an. Denn an seinem 19. Geburtstag hat sich Ashlin Barry den Tit

25.09.2026WM-Raser kommt nicht ungestraft davon

(rsn) – Der spanische Teammanager, der beim WM-Juniorenrennen der Männer mit dem Teamauto über die Strecke gerast ist, kommt nicht ungestraft davon. Eleuterio Anguita wird vom Rest der Straßen-We

25.09.2026Martinez profitiert beim CRO Race von De Gendts Pech

(rsn) – Nach zweieinhalb Jahren ohne Sieg hat Daniel Felipe Martínez (Red Bull – Bora – hansgrohe) die 4. Etappe des CRO Race (2.Pro) für sich entschieden. Der Kolumbianer war der Schnellste i

25.09.2026Walscheid beendet seine Karriere

(rsn) - Nach elf Jahren als Berufsradfahrer wird Maximilian Walscheid (Lidl – Trek) seine Karriere am Ende der Saison beenden und in eine neue Rolle in Lidls Leistungszentrum in Bad Wimpfen an der S

25.09.2026Cobo schafft den Sprung in die WorldTour

(rsn) - In unserem ständig aktualisierten Transferticker informieren wir Sie regelmäßig über Personalien aus der Welt des Radsports. Ob es sich um Teamwechsel, Vertragsverlängerungen oder Rücktr

25.09.2026Wer kann Vallieres den Titel beim Heimspiel entreißen?

(rsn) – Am Samstag möchte Magdeleine Vallieres in Montreal, 130 Kilometer von ihrer Geburtsstadt Sherbrook entfernt, ihren in Kigali errungenen Sensationstitel verteidigen. Einfach wird das Heimspi

25.09.2026Winter wollte schlau fahren, hatte aber “fast keine Ahnung, wie´s geht“

(rsn) - Obwohl sie im Straßenrennen nur knapp eine Medaille verpasste, stellte sich Mara Winter nach dem harten Rennen der U23-Fahrerinnen, das sie über zehn Runden auf dem schweren Straßenkurs in

25.09.2026WM-Fünfter Hettegger: “Musste was machen mit meinen Haxn“

(rsn) – Zum zweiten Mal seit dem Gewinn des Weltmeistertitels durch Felix Gall 2015 in Richmond in den USA hat es am Donnerstag ein Österreicher in die Top 5 der Junioren-WM geschafft: Nach Platz f

RADRENNEN HEUTE

    Radrennen Männer

  • Grand Prix Cerami (1.2, BEL)