Bora-Profi verteidigt Gelb hartnäckig

Pöstlberger: “Das war das Zeitfahren meines Lebens“

Von Peter Maurer

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Dank eines sensationellen Zeitfahrens das Maillot Jaune verteidigt - Lukas Pöstlberger (Bora - hansgrohe) | Foto: Cor Vos

02.06.2021  |  (rsn) – Mit dem Plan, eine Etappe zu gewinnen, reiste Lukas Pöstlberger (Bora – hansgrohe) zum 73. Critérium du Dauphiné nach Frankreich. Für den Oberösterreicher sollte die Rundfahrt nach einem Höhentrainingslager im Kühtai der letzte Feinschliff für die bevorstehende Tour de France werden. Nach einem sehenswerten Solo am zweiten Tag rettete er 24 Sekunden auf das heranjagende Feld über die Ziellinie. Damit übernahm er zum zweiten Mal in seiner Karriere die Gesamtführung bei einer Rundfahrt. Auch nach dem Zeitfahren von Firminy - Roche-La-Molière trägt er das Maillot Jaune auf seinen Schultern, völlig überraschend!

"Wenn du ein Leadertrikot hast, dann probierst du alles, um es zu verteidigen", erklärte der zweifache Straßenmeister seines Landes kurz nachdem er eine sensationelle Zeit auf den 16,4 Kilometer langen Parcours gebrannt hatte. Auf dem hügeligen Kurs war er genauso schnell wie der Tour-de-France-Gewinner von 2018, Geraint Thomas, der eigentlich als großer Favorit für den Kampf gegen die Uhr bei der Dauphiné galt. Als Neunter landete Pöstlberger damit in den Top Ten des Tages. Viel wichtiger war aber für ihn der Abstand auf den Sieger.

Dieser betrug exakt 23 Sekunden. Damit rettete der 29-Jährige seine Führung in der Gesamtwertung auf Tagessieger Alexey Lutsenko (Astana – Premier Tech) um gerade mal eine Sekunde. "Das war das Zeitfahren meines Lebens", stellte der Österreicher, der vor vier Jahren als erster seines Landes eine Giro-Etappe und das Rosa Trikot erobern konnte, fest und fügte an: "Das Gelbe Trikot beflügelt und wenn man es einmal hat, dann will man es nicht mehr hergeben."

Von seinem starken Ritt war aber auch der Vöcklabrucker selbst überrascht. "Man träumt immer von solchen Momenten, es dann aber umzusetzen ist ganz was anderes“, beschrieb er. Der leicht hügelige und technisch anspruchsvolle Kurs kam ihm perfekt entgegen. Zwar zeigte der Puncheur seine guten Qualitäten schon öfters mit Topplatzierungen bei den Nationalen Titelkämpfen, wo er zumeist unter den besten Fünf zu finden war,  auf der WorldTour ist eine solche Leistung ein absolutes Novum für ihn.

Der Bora-Fahrer teilte sich das Zeitfahren perfekt ein. "Die Abfahrten waren sehr schnell und der technische Bereich zu Beginn kam mir gut entgegen. Da musste ich mich sogar ein wenig einbremsen, denn die Beine waren verdammt gut heute", schilderte er seinen Kampf gegen die Uhr. Dabei blickte er nicht einmal darauf,  was die Konkurrenz machte, sondern schottete sich so gut es ging ab: "Ich mich nur auf mich konzentriert, so gut es ging. Ich wollte die bestmögliche Zeit für mich erreichen."

“Jeder weitere Tag ist eine Zugabe“

Dieser Plan klang so simpel wie auch jener, den er vor zwei Tagen beschrieb, als er mit seiner Solofahrt in das Führungstrikot schlüpfte. "Es ist irgendwie lustig, dass ich meinem Sohn noch einen Löwen mitnehmen kann", freute sich der Vöcklabrucker über den Sonderpreis, den es zum Maillot Jaune jeden Tag gibt. Dieser ist auch identisch mit jenem, den es in einem Monat bei der Tour de France zu gewinnen gibt.

Und auch hier erwartet die rot-weiß-rote Radsportcommunity schon länger auf Bilder, wie sie der Oberösterreicher jetzt bei der Dauphiné abliefert. Denn 2021 jährt sich der erste und zugleich letzte Gewinn des Gelben Trikots bei der Frankreich-Rundfahrt. Vor 80 Jahren gewann Max Bulla die zweite Etappe in Dinan . Danach durfte er für einen Tag das sagenumwobene Führungstrikot tragen, etwas, was seitdem keinem Österreicher mehr gelang. Pöstlberger schaffte das gleiche in Rosa 2017 beim Giroauftakt in Sardinien. Vielleicht kann er die starke Form der Dauphiné für eine noch größere Sensation nützen?

Das nächste Ziel ist es aber, das Trikot für einen weiteren Tag zu verteidigen. Im Hinblick auf die Gesamtwertung weiß der Österreicher, dass er am Ende der Rundfahrt keine große Rolle mehr spielen wird: "Wir wollen ja mit Wilco Kelderman und Patrick Konrad ein tolles Ergebnis im Klassement erreichen. Wenn es also bei den Favoriten zur Sache geht, dann werde ich mich in die ursprüngliche Arbeitsposition begeben." Doch bis es so weit ist, will der Österreicher weiterhin wie ein Löwe um sein Gelbes Trikot kämpfen. "Es war jetzt ziemlich knapp und jeder weitere Tag ist eine Zugabe. Das Trikot überhaupt zu gewinnen war wie ein Bonus. Freiwillig werde ich es aber auf keinen Fall hergeben", erzählte Pöstlberger abschließend.

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