Ohne Kapitän bei der Tour von Erfolg zu Erfolg

Bahrain Victorious: “Angreifen, essen, angreifen“

Von Kevin Kempf

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Fred Wright, Wout Poels und Marco Haller (von links nach rechts) sorgen mit Bahrain Victorious bei der Tour für Furore. | Foto: Cor Vos

04.07.2021  |  (rsn) - Während Deceuninck – Quick-Step und Alpecin – Fenix mit insgesamt fünf Etappensiegen sowie je sechs Tagen im Gelben und im Grünen Trikot die ersten Tage der Tour dominierten, drückte Bahrain Victorious den letzten beiden Teilstücken der 108. Frankreich-Rundfahrt den Stempel auf. Indirekt und unfreiwillig dafür verantwortlich war Jack Haig, der nach einem schweren Sturz auf der chaotischen 3. Etappe nicht mehr dabei ist. Des einen Leid war in diesem Fall der anderen Freud!

Denn wie schon beim Giro d’Italia, als Mikel Landa nach einem Sturz aufgeben musste, verlor Bahrain Victorious auch bei der Tour schon früh seinen Klassementfahrer. Holte in Italien vor allem Damiano Caruso mit einem Etappensieg und als Zweiter der Gesamtwertung für seine Mannschaft die Kastanien aus dem Feuer, brennen bei der Tour gleich mehrere Fahrer ein Feuerwerk ab.

Zunächst zeigte Matej Mohoric auf der 249 Kilometer langen Etappe nach Le Creusot eine Meisterleistung, die er mit dem Etappensieg und dem Bergtrikot bekrönte. Einen Tag später bewies der Slowene früh im Rennen erneut Topform. Gemeinsam mit seinen Teamkollegen Sonny Colbrelli, Wout Poels und Dylan Teuns belebte er die Etappe. Das Quartett war nicht unmaßgeblich für die knüppelharte Startphase und die Zerlegung des Feldes verantwortlich.

“Angreifen, angreifen, angreifen, schnell etwas essen, wieder angreifen“, fasste Poels diese Phase zusammen. Colbrelli konnte sich mit dem Sieg beim Zwischensprint im Kampf ums Grüne Trikot etwas nach vorn schieben, bevor Poels das Zepter übernahm.

Bahrain 2020 wie Sunweb 2019

Der Niederländer setzte sich aus der rund 50 Fahrer starken Spitzengruppe ab. “Eigentlich hatte ich die Etappe schon vor der Tour im Hinterkopf. Wenn ich etwas fürs Bergtrikot probieren wollte, dann hier“, erzählte er. Der Plan ging auf. Obwohl ihn die Verfolger jagten, blieb Poels an der Côte de Mont-Saxonnex (1.Kat.) vorn und übernahm hier das virtuelle Bergtrikot.

Danach sammelte er weitere Punkte, so dass er schließlich auf 23 kam, sieben mehr als der zweitplatzierte Kanadier Michael Woods (Israel Start-Up Nation). “Ich werde das von Tag zu Tag betrachten. Vielleicht mache ich ein Ziel daraus, die Bergwertung in Paris zu gewinnen. Aber wir hatten gerade erst die erste Bergetappe. Es kann noch viel passieren“, sagte der 33-Jährige, der bei seiner neunten Tour erstmals ein Sondertrikot trägt.

Als Woods am Col de Romme (1.Kat.) das Kommando übernahm, schien die Bahrain-Gala beendet. Dann aber schoss aus der Verfolgergruppe Teuns zum letzten Tanz ins Scheinwerferlicht. Beflügelt von der Erinnerung an seinen verstorbenen Großvater fuhr er am Col de la Colombière (1.Kat) zum Kanadier vor, um ihn kurz vor dem Gipfel abzuschütteln. Als Einziger konnte er zudem den heranstürmenden Tadej Pogacar (UAE Team Emirates) konnte er auf Abstand halten und so seine zweite Tour-Etappe nach 2019 gewinnen.

Die Fahrweise von Bahrain Victorious erinnerte auf den letzten beiden Teilstücken stark an die der Sunweb-Mannschaft bei der letztjährigen Frankreich-Rundfahrt. Damals fuhr die deutsche Mannschaft ohne Kapitän zur Grande Boucle und kehrte drei Wochen später mit drei Etappensiegen wieder heim. Angesichts von 13 noch zu fahrenden Etappen ist diese Bilanz für die “Rote Brigade“ aus dem Mittleren Osten in Sichtweite. Auch oder gerade weil die Teamleitung Mark Padun, der beim Critérium du Dauphiné wie aus dem Nichts mit zwei Etappensiegen zu einem Sieganwärter bei der Tour avancierte, nicht für die Frankreich-Rundfahrt nominierte.

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