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Vorschau auf Olympisches Straßenrennen der Frauen

Oranje will in Tokio den Gold-Hattrick

Von Kevin Kempf

Foto zu dem Text "Oranje will in Tokio den Gold-Hattrick"
Anna van der Breggen (SD Worx) gewann bereits 2016 in Rio die Goldmedaille. | Foto: Cor Vos

23.07.2021  |  (rsn) – Neun Mal durften die Frauen bei Olympischen Spielen im Straßenrennen antreten, vier Mal ging Gold an die Niederlande. In Tokio wollen die Oranje-Frauen den dritten Olympiasieg in Folge gewinnen. Und wer sollte sie daran hindern? Ihre Dominanz im Frauenradsport der letzten Jahre ist erdrückend.

Bisher gewannen die Niederländerinnen allerdings nie mehr als eine Medaille im Straßenrennen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sich das dieses Jahr ändern wird. Bei den letzten beiden Weltmeisterschaften nahmen sie jeweils Gold und Silber mit in die Heimat. Wäre Annemiek van Vleuten in Rio 2016 nicht in der letzten Abfahrt in Führung liegend gestürzt, wäre wohl schon dort ein Doppelsieg fällig gewesen.

Die Favoritinnen:

Jetzt will sich die 38-Jährige bei ihrer letzten Olympia-Teilnahme für den damals verpassten Titel revanchieren. Ihr hätte der Männerkurs sicherlich ebenfalls zugesagt, denn je schwerer die Strecke, desto besser für die beste Kletterin der Welt.

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Ihre größte Gegnerin in Tokio ist - wie meist bei großen Events in den letzten Jahren - ihre Landsfrau Anna van der Breggen. Die Titelverteidigerin und Weltmeisterin wird ihre Karriere zum Saisonende im Alter von 31 Jahren beenden und erlebt somit ebenfalls ihre letzten Spiele. Noch vor zwei Wochen entschied van der Breggen den Giro d’Italia Internazionale Femminile mit zwei Etappensiegen für sich.

Ihre SD-Worx-Teamkollegin Demi Vollering ist der aufstrebende Star der Szene. Für sie hat sich van der Breggen diese Saison oft aufgeopfert, denn die 24-Jährige kann nicht nur sehr gut klettern, wie ihr zweiter Platz bei Giro beweist, sie ist auch sehr endschnell. Bei La Course schlug sie die Weltelite im Hügelsprint.

Auf Platz drei in jenem Rennen landete Marianne Vos (Jumbo – Visma). Die Olympiasiegerin von London 2012 kann nicht mehr an die Dominanz ihrer besten Jahre anknüpfen. Zu zwei Etappensiegen beim Giro sowie Triumphen beim Amstel Gold Race und Gent-Wevelgem reichte es dennoch. Wie Vollering ist die 34-Jährige stark am Hügel und schnell im Sprint.

Die Gefahr bei diesem Superteam mit vier potenziellen Siegerinnen liegt auf der Hand: Es gibt nur Häuptlinge und keine Indianer. Ein Szenario wie bei den Weltmeisterschaften in Innsbruck 2018 und Harrogate 2019 ist darum nicht unwahrscheinlich. Damals war das Team aus den Niederlanden jeweils ebenfalls so überragend, dass die ersten Attacken gleich die entscheidenden waren. Die Solistinnen van Vleuten und van der Breggen wurden zwei Jahre in Folge erfolgreich von ihren Teamkolleginnen abgeschirmt.

Vor allem wenn es zu Uneinigkeiten unter den Niederländerinnen kommen sollte, können Fahrerinnen anderer Nationen auf ihre Chance hoffen. Cecilie Uttrup Ludwig (Groupama – FDJ) erzielte das gesamte Jahr über Topergebnisse bei großen Rennen, nur zuletzt beim Giro lief es nicht für die 25-jährige Dänin, die vor allem für ihre originellen Interviews nach Rennende bekannt ist. An ihrer Seite startet die 21-jährige Emma Noorsgaard (Movistar). Für die Weltranglistenfünfte konnte der Kurs in Tokio allerdings zu schwer sein.

Elisa Longo Borghini (Trek – Segafredo) hat bereits drei Bronzemedaillen bei Großereignissen gewonnen. Die Italienerin, als Dritte der Weltrangliste beste nicht-niederländische Fahrerin, führt ein starkes Team an, zu dem auch die ehemalige Weltmeisterin Marta Bastianelli (Alé BTC Ljubljana) gehört.

Grace Brown (BikeExchange) war im Frühjahr eine der bestimmenden Fahrerinnen des Feldes. Sie krönte ihre erste Saisonphase mit einem Sieg bei der Classic Brugge - De Panne, hatte aber zuletzt beim Giro allerdings Ladehemmungen. Mit der zweimaligen WM-Medaillengewinnerin Amanda Spratt (BikeExchange) steht ihr eine erfahrene und starke Athletin zur Seite.

Die ehemalige Weltmeisterin Elizabeth Deignan (Trek-Segafredo) führt das britische Team an. Sie ist wie die Südafrikanerin Ashleigh Moolman (SD Worx) eine starke Bergfahrerin, beide können allerdings kaum auf Unterstützung von ihren Teams rechnen. Gleiches gilt für die Polin Katarzyna Niewiadoma (Canyon - SRAM).

Sollte das Rennen nicht zu aggressiv gefahren werden, kann Lotte Kopecky (Liv) ins Medaillenrennen eingreifen. Mit Spannung erwartet wird der Auftritt von Chloe Dygert (Canyon SRAM). Die US-Amerikanerin bestritt ihr letztes internationales Straßenrennen bei der Weltmeisterschaft in Harrogate 2019, wo sie vier Tage nach dem souveränen Gewinn der Goldmedaille im Zeitfahren als Vierte ins Ziel fuhr. Bei den Welttitelkämpfen des letzten Jahres stürzte sie schlimm über eine Leitplanke, wobei sie sich eine klaffende Schnittwunde zuzog.

Die deutschsprachigen Fahrerinnen:

Die deutschen Frauen haben mit Liane Lippert (DSM) und Lisa Brennauer (Ceratizit – WNT) zwei Eisen im Feuer. Während die 33-jährige Brennauer das ganze Jahr wie gewohnt auf hohem Niveau unterwegs war, brauchte ihre zehn Jahre jüngere Landsfrau einige Monate, um ihre tolle Form der Vorsaison zu erreichen.

Die Schweizerin Marlen Reusser (Alé BTC Ljubljana) konnte heuer nur auf heimischem Terrain punkten. Sie wird vor allem im Zeitfahren zu beachten sein, kann sich an einem guten Tag aber auch im Straßenrennen zeigen.

Für Österreich startet die 30-jährige Anna Kiesenhofer, die ihre Stärken ebenfalls im Kampf gegen die Uhr hat.

Die Strecke:

Im Gegensatz zu den Männern müssen die Frauen keine extrem schwere Strecke bewältigen. Sowohl der Fuji Sanroku als auch der Mikuni Pass befinden sich nicht im Parcours. Der schwerste Berg des 137 Kilometer langen Kurses ist die Doushi Road, dessen Spitze 57 Kilometer vor dem Ziel erreicht wird. Dieser Anstieg wird nur mit 4,3 Kilometern Länge und 6,1 Prozent Steigung angegeben, allerdings windet sich die Straße rund 40 Kilometer nach oben, wenn auch meist nicht sehr steil.

Durch die fehlenden Scharfrichter ist das Frauenrennen schwerer vorherzusagen als das der Männer. So kann es zu unterschiedlichen Szenarien kommen, der Kreis der Medaillenanwärterinnen ist darum groß.

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