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Roglic souverän, Haig wackelt, Großschartner bricht ein

Lopez sorgt am neuen Horror-Berg für Movistar-Befreiungsschlag

Foto zu dem Text "Lopez sorgt am neuen Horror-Berg für Movistar-Befreiungsschlag"
Miguel Angel Lopez (Movistar) im Ziel auf dem steilen Altu d´El Gamoniteiru. | Foto: Cor Vos

02.09.2021  |  (rsn) - Miguel Ángel López hat die Königsetappe der 76. Spanien-Rundfahrt gewonnen. Nach 163 Kilometern setzte sich der Kolumbianer an den steilen Rampen des Altu d'El Gamoniteiru vor dem Gesamtführenden Primoz Roglic (Jumbo – Visma) und seinem spanischen Movistar-Teamkollegen Enric Mas durch. Roglic verteidigte sein Rotes Trikot auf souveräne Art und Weise, hinter ihm aber gab es größere Änderungen im Gesamtklassement: Gino Mäder (Bahrain – Victorious) rückte auf den achten Rang vor, während Felix Großschartner (Bora – hansgrohe) mehrere Minuten verlor und aus den Top 10 fiel.

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López Antritt vier Kilometer vor dem Ziel kam der Zerschlagung eines gordischen Knotens gleich. Bei der Tour konnte der Kolumbianer, der erst diese Saison zur spanischen Movistar-Mannschaft gewechselt war, die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Umso wertvoller war der insgesamt dritter Vuelta-Etappensieg seiner Karriere und der erste seines Teams in diesem Jahr.

"Es ist vier Jahre her, dass ich bei der Vuelta gewonnen habe, und ein Sieg auf der Königsetappe ist noch besser. Ich habe das dank der großartigen Arbeit meiner Teamkollegen geschafft, obwohl wir nur noch zu fünft sind", spielte López auf das Sturzpech seiner Mannschaft an. "Wir haben mit Alejandro (Valverde) unser Herz verloren und dann auch Johan Jacobs", so der Kolumbianer. Außerdem musste sich am Donnerstag Carlos Verona aus der Vuelta verabschieden.

Movistar musste im Verlauf dieser Saison schon viel Kritik einstecken und das wollte López nicht einfach auf sich beruhen lassen. "Dieser Sieg bedeutet viel für Movistar, wegen der guten Arbeit, die verrichtet wird. Nur diejenigen, die dabei waren, kennen die täglichen Leiden. Es geht nicht nur um das Reden und Kritisieren. Wir haben heute eine gute Show geliefert und einen schönen Sieg errungen", erklärte der 27-Jährige im Sieger-Interview.

Mit nun einem Etappensieg und der immer größeren Chance auf zwei Podestplätze in Madrid – durch Mas auf Rang zwei und López auf Platz drei - ist die Bilanz für Movistar bei dieser Vuelta auch durchaus positiv.

Roglic verteidigt Führung ohne Probleme

Dass die Hoffnungen von Mas und López auf noch mehr als Rang zwei und drei, nämlich den Gesamtsieg, eher gering sein dürften, liegt vor allem an der souveränen Vorstellung von Roglic. Der Slowene verlor trotz seines Kraftaktes auf der gestrigen 17. Etappe nur 14 Sekunden auf López und konnte seinen Vorsprung auf Mas sogar leicht auf 2:30 Minuten ausbauen. "Heute war ein sehr harter Tag. Es fühlte sich an, wie sich eine Königsetappe anfühlen sollte. Ich bin froh, dass nach gestern noch etwas übrig war und ich diesen Berg bezwingen konnte", erzählte Roglic im Ziel.

Seine Jumbo - Visma-Mannschaft hatte abermals Glück, dass im Verlaufe der Etappe Bahrain Victorious und Movistar die Kontrolle im Feld übernahmen. "Wir waren froh, dass wir außer Dienst waren. Aber das Tempo hätte ruhig etwas niedriger sein können. Es ist schön, dass die Berge hinter uns sind. Wir fühlen nun die Anstrengungen der letzten beiden Tage. Aber es kommen noch einige harte Etappe. Hoffentlich können wir unser Bestes geben und die Führung nach Hause bringen“, blieb Roglic weiterhin fokussiert.

Großschartner fällt aus den Top 10 heraus

Die Verlierer des Tages waren Guillaume Martin (Cofidis), der in der Gesamtwertung auf den neunten Rang abrutschte und vor allem Felix Großschartner (Bora – Hansgrohe), der nach seinem Sturz vom Vortag schon früh im 14 Kilometer langen Schlussanstieg zurückfiel und 6:49 Minuten auf López verlor.

Während Roglic sein Rotes Trikot verteidigte, Egan Bernal (Ineos Grenadiers) als Etappenvierter das Weiße Trikot des besten Jungprofis behielt und auch Fabio Jakobsen (Deceuninck – Quickstep) weiter Grün als Punktbester trägt, wechselte die Führung in der Bergwertung: Michael Storer (DSM), einer der Protagonisten dieser Etappe, übernahm die Führung im Kampf um das Trikot mit den blauen Punkten von seinem Teamkollegen Romain Bardet.

So lief das Rennen:

Nach knapp zehn Kilometern konnte sich eine 32 Fahrer große Gruppe um Storer, Patrick Gamper (Bora – hansgrohe), Stan Dewulf (AG2R – Citroen), Pelayo Sánchez (Borgos – BH), Jens Keukeleire (Education First – Nippo), Rafal Majka (UAE – Emirates), James Piccolo (Israel Start-Up Nation) und Fabio Aru (Qhubeka NextHash) absetzen. Im Feld übernahm Bahrain VVictorious die Kontrolle und hielt den Abstand bei maximal sechs Minuten.

Piccolo versuchte sich zwischenzeitlich von seinen Fluchtgefährten abzusetzen, wurde aber schnell wieder eingeholt. Storer gewann die erste Bergwertung. Die Sprintwertung des Tages sicherte sich Keukeleire im Spurt gegen Dewulf. Am anschließenden Berg löste sich Storer aus der Spitzengruppe und setzte seine Flucht solo fort. Er strich auch die zehn Punkte an der zweiten Bergwertung ein. Sánchez versuchte ihm zu folgen, wurde aber in der darauffolgenden Abfahrt wieder von der Verfolgergruppe um Majka gestellt.

Auf einer längeren Ebene vor dem Etappenfinale unterstützte Movistar im Feld Bahrain Victorious bei der Nachführarbeit und reduzierte den Rückstand auf Storer auf 2:20 Minuten. Die Verfolgergruppe wurde zu Beginn des vorletzten Anstieges eingeholt. Aru, der die letzte Bergetappe seiner Karriere bestritt, fuhr noch einen kurzen Angriff, fiel dann aber auch in das Peloton zurück. Dort verschärfte UAE Team Emirates für kurze Zeit das Tempo, konnte den Rückstand auf Storer jedoch nicht reduzieren.

Storer erst am Schlussanstieg eingeholt

Storer gewann auch die dritte Bergwertung des Tages. Kurz vor der Kuppe folgte Romain Bardet (DSM) einem Angriff von Mikel Bizkarra (Euskaltel – Euskadi). Auf der anschließenden Abfahrt konnte Bizkarra dem Tempo von Bardet nicht mehr folgen. Doch wenige Kilometer später ließ sich auch Bardet wieder ins Feld zurückfallen, da er sich auf der Verfolgung seines eigenen Teamkollegen befand. Zu Beginn des Schlussanstiegs schlug die Favoritengruppe noch ein moderates Tempo an, was zunächst Geoffrey Bouchard (AG2R – Citroen) und dann David de la Cruz (UAE – Emirates) Angriffe erlaubte.

De la Cruz überholte Storer schließlich sieben Kilometer vor dem Ziel. In der Favoritengruppe spannte sich nun aber Jan Hirt vor seinen Kapitän Louis Mentjes (beide Intermarché – Wanty – Gobert Matériaux), als Martin und Großschartner Probleme bekamen und hängte beide ab, so dass Meintjes in die Top 10 vorrücken konnte.

Dann startete López seine Angriffe und Roglic reagierte zwei Mal auf die Vorstöße des Kolumbianers. Vier Kilometer vor dem Ziel nutzte López aber eine kurze Verschnaufpause für die entscheidende Attacke. Er fuhr schnell zu De la Cruz vor und überholte den Spanier zwei Kilometer vor dem Ziel. Bei den Favoriten verschärfte Roglic zum gleichen Zeitpunkt das Tempo und setzte sich gemeinsam mit Bernal und Mas ab, während der Gesamtvierte Jack Haig (Bahrain Victorious) Probleme bekam und nicht mehr folgen konnte.

Auf den folgenden beiden Kilometern versuchte Roglic mit einem beständigen Tempo zu López aufzuschließen. Doch der Vorsprung des Spitzenreiters war groß genug, sodass Roglic nur noch auf den zweiten Platz sprinten konnte. Hinter Mas und Bernal tat sich eine größere Lücke zur nächsten Verfolgergruppe um Haig, Mäder, De la Cruz und Meintjes auf.

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