Juniorin holt EM-Silber für Deutschland

Skibergsteigerin Niedermaier: Folgt ´die Toni´ jetzt dem Toni?

Von Felix Mattis

Foto zu dem Text "Skibergsteigerin Niedermaier: Folgt ´die Toni´ jetzt dem Toni? "
Antonia Niedermaier auf dem Weg zu EM-Silber im Juniorinnen-Zeitfahren. | Foto: Cor Vos

08.09.2021  |  (rsn) - Gleich zum Auftakt der Straßen-Europameisterschaften in Trento hat es für den Bund Deutscher Radfahrer geklappt: Im Einzelzeitfahren der Juniorinnen gab es sofort die erste Medaille. 

Antonia Niedermaier war auf dem 22,4 Kilometer langen Kurs im Süden der Stadt zwar 32 Sekunden langsamer als die neue russische Überfliegerin Alena Ivanchenko – die 17-jährige Russin ist seit wenigen Tagen auch schon dreifache Bahn-Weltmeisterin. Doch mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 45,2 km/h rauschte die Bayerin trotzdem beeindruckend schnell zur Silbermedaille. 

Und das, obwohl Niedermaier erst in diesem Jahr zum Radsport kam und Flachland – wie auf dem Zeitfahrkurs von Trento im Etschtal – ihr eigentlich gar nicht so gefällt.

"Ich komme ja aus den Bergen, aus Bayern. Deswegen ist es mir steiler lieber – je steiler, desto besser", sagte die 18-Jährige, die im kommenden Jahr in Bad Aibling ihr Abitur machen will, gegenüber radsport-news.com nach der Siegerehrung und strahlte: "Das waren eben unvergessliche Momente. So etwas vergisst man nicht."

Der große Traum ist Olympia 2026 auf den Ski

Steil bergauf geht es für Niedermaier nämlich in ihrem Sportlerleben sonst meistens. Die 18-Jährige kommt - wie ihr Namensvetter Anton Palzer vom Team Bora – hansgrohe - aus dem Skibergsteigen, war da bereits doppelte Weltmeisterin sowie Weltcupsiegerin bei den Juniorinnen und nahm an den Olympischen Jugendspielen teil. Ihr bisheriger Karriereplan war klar: Nach dem Abi geht es zur Polizei und dann wird sich auf die Olympia-Premiere der Skibergsteiger 2026 in Mailand und Cortina d'Ampezzo vorbereitet.

"Es ist für mich sehr überraschend, dass ich im Radsport international mithalten kann. Das hätte ich nicht gedacht, weil ich neu bin und die Taktik und Technik noch nicht habe. Deshalb ist es für mich eine große Ehre, hier vorne mitfahren zu können", sagte sie in Trento nun. "Ich hatte gehofft, in die Top 10 zu kommen, vielleicht in die Top 5. Aber dass ich so weit vorne mitfahren kann, hätte ich nicht gedacht."

Dass Niedermaier aber großes Talent hat und ihr einiges zuzutrauen sein würde, das war seit ihrem Gewinn der Deutschen Meisterschaften der Juniorinnen auf dem Zeitfahrrad und Rang drei im dortigen Straßenrennen klar. "Es ist krass. Ich weiß, dass sie richtig, richtig stark ist. Das hat man bei der Deutschen Meisterschaft ja schon gesehen. Ich freue mich sehr, dass sie hier zeigen konnte, was sie kann", sagte Teamkollegin Selma Jantzsch, die als zweite deutsche Starterin am Mittwoch auch noch starke Siebte wurde, über Niedermaier. Und Juniorinnen-Bundestrainer Lucas Schädlich lobte:

Erstmal soll es zweigleisig weitergehen

"Sie hatte heute einen perfekten Lauf, klare Linienführung, perfekte Geschwindigkeit in den Kurven." Er saß gemeinsam mit Olympiasiegerin Lisa Klein im Auto hinter Niedermaier und feuerte sie immer wieder über Funk an, steuerte die Newcomerin auch durch den Parcours und sagte, wo sie auf dem Zeitfahrparcours fahren sollte.

Nach Silber bei den ersten internationalen Wettkämpfen im Radsport drängt sich nun die Frage auf, wie es für Niedermaier weitergeht. Folgt 'die Toni' jetzt dem Toni und wird wie Anton Palzer, der einst ihr Teamkollege auf den Ski war, von der Skibergsteigerin mittelfristig zur WorldTour-Radfahrerin?

"Die nächsten Jahre möchte ich auf jeden Fall beides noch machen, bis Skibergsteigen 2026 olympisch wird. Und dann muss ich mich irgendwann bestimmt entscheiden", sagte Niedermaier nun in Trento. "Aber ich bin jung und denke ich kann, wenn ich nur ausgewählte Rennen laufe und fahre, so eine Doppelsaison verkraften."

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