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Mit Trentins Anweisung zu EM-Gold gefahren

Colbrelli: “Matteo sagte mir, ich soll an Evenepoel dranbleiben“

Von Peter Maurer aus Trento

Foto zu dem Text "Colbrelli: “Matteo sagte mir, ich soll an Evenepoel dranbleiben“"
Sonny Colbrelli bei der EM-Siegerehrung | Foto: Cor Vos

12.09.2021  |  (rsn) - Gerade einmal eine Autostunde von seiner Heimatstadt Desenzano del Garda am Gardasee entfernt, durfte sich Sonny Colbrelli (Bahrain – Victorious) als vierter Italiener in Folge über den Europameistertitel freuen. Der Lombarde schloss eine sensationelle Teamleistung seiner Mannschaft erfolgreich ab. Ihm gelang es, dem Druck der Heimkulisse und dem des großen Favoriten zu bestehen.

"Es war ein sehr wichtiger Sieg. Wir konnten unsere Serie fortführen", strahlte der Italiener im Ziel, nachdem er kurz zuvor Belgiens Wunderkind Remco Evenepoel (Deceuninck – Quick Step) im Sprint bezwungen hatte. "Es war nicht leicht, denn zu Hause sind die Erwartungen der Fans riesig und es war ein sehr harter und selektiver Kurs", fügte der Bahrain-Profi an.

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Die Squadra Azzurri, die italienische Mannschaft, wurde schon früh von den Spaniern und den Franzosen unter Druck gesetzt. Eine größere Gruppe setzte sich mit vielen gefährlichen Fahrern gleich am Monte Bondone ab, dem Hausberg Trentos. Doch die in ihren azurblauen Trikots fahrende Heimmannschaft blieb cool, versuchte das ausgebrochene Chaos zu kontrollieren und lieferte schlussendlich ihre starken Kapitäne Matteo Trentin (UAE Team Emirates) und eben Colbrelli vorne ab.

"Gemeinsam mit Matteo konnte ich an der Seite der Besten bleiben. Er sagte mir, ich soll das Hinterrad von Evenepoel abdecken und an ihm dranbleiben. Das habe ich dann auch getan", schilderte Colbrelli, der dem jungen Belgier später im Finale keine Chance ließ. "Mir wäre das nicht möglich gewesen", gab Teamkollege Trentin gegenüber radsport-news.com zu. "Es war unglaublich hart, als wir die Gruppe gesplittet hatten. Da waren die Belgier sogar in der Überzahl. Jeder hat auf den Angriff von Remco gewartet und wer folgen konnte, der tat es. Wer nicht, der nicht", analysierte der zweite italienische Kapitän weiter, der bei der Attacke von Evenepoel das Handtuch werfen musste und als Vierter den Zielstrich in der malerischen Altstadt von Trento erreichte.

Auch der Silbermedaillengewinner aus Belgien zollte dem frischgebackenen Europameister Respekt. "Jedes Rennen sieht so einfach aus bei ihm. Er zählt zu den vier großen Favoriten bei den Weltmeisterschaften, denn er ist in der besten Form, in der ich ihn je gesehen habe", lobte Evenepoel seinen Bezwinger in der Pressekonferenz.

Befreiungsschlag bei den Italienischen Meisterschaften

Große Titel und Siege bei den großen Rennen fehlen Colbrellis in seiner Erfolgsliste noch. Doch mit dem Gewinn der Italienischen Meisterschaft vor über zwei Monaten gelang ihm der Befreiungsschlag. "Eigentlich bin ich heute sogar ein wenig traurig, da ich das Meistertrikot jetzt mit jenem des Europameisters wechseln muss", scherzte der 31-Jährige. Dieses Kunststück gelang übrigens auch seinem Teamkollegen Giacomo Nizzolo im Vorjahr, der sich als aktueller Landesmeister auch den Kontinentaltitel sicherte.

Colbrellis Sieg beim Nationalen Straßenrennen, den er auch aus einem Zweiersprint gegen einen Deceuninck-Profi, nämlich Fausto Masnada, entscheiden konnte, war auch ausschlaggebend dafür, dass Nationaltrainer Davide Cassani auf ihn und Trentin für die Europa- und die Weltmeisterschaften als Kapitäne setzt. "Unser Team hat mich heute sehr glücklich gemacht. Es war ein hartes Duell, wir gegen Evenepoel. Aber Sonny und die Jungs waren einfach fantastisch", strahlte der Commissario Tecnico.

Zum vierten Mal in Folge gewann ein von ihm betreuter Athlet nun den EM-Titel. Jener in Trento, zählt aber sicherlich zu den Wertvollsten: "Man muss ja nur schauen, welche Topfahrer hier am Start waren wie Pogacar, Evenepoel, Hirschi oder Mohoric. Das ist ein sehr wichtiger Sieg für Sonny und für uns in unserem Lieblingsrennen." Cassani wird mit Ende der Saison seinen Posten abgeben. Neben der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen mit dem Bahnvierer kann er auch auf die vier EM-Titel zurückblicken. Doch in seinem letzten Rennen als Commissario Tecnico hat er noch ein großes Ziel mit seinen Schützlingen.

EM-Sieg eine tolle Motivation im Hinblick auf die WM

"Wir haben noch das WM-Straßenrennen und dort wird es noch schwieriger. Aber ich bin mir sicher, dass Sonny das auch machen kann", blickte Cassani voraus. "Davide hat immer in mich und die anderen vertraut", wusste Colbrelli die für seinen Erfolg so wichtige Rolle des italienischen Nationaltrainers einzuschätzen: "Ich will mich nicht zu viel unter Druck setzen für die WM, aber seit heute wissen alle, dass ich und Matteo sehr gut zusammenarbeiten."

Die Liebe zum azurblauen Trikot und der gemeinsame Wille zu gewinnen, schweißte die italienische Mannschaft in Trento eng zusammen. Hätte Filippo Ganna nicht um die Winzigkeit von acht Sekunden das Einzelzeitfahren verloren,  wären mit der Mixed-Staffel alle drei Goldmedaillen, bei der das Männerteam im Einsatz war, nach Italien gegangen.

"Das ist natürlich toll für unsere Moral", wusste Trentin, der sich 2019 den EM-Titel holte und damit auch ein großer Teil der italienischen Siegesserie ist. Das diese nicht ewig weitergehen wird, weiß der Klassikerspezialist: "Irgendwann kommt der Tag, an dem wir verlieren. Du gewinnst im Radsport nicht andauernd. Wir genießen den Moment und lieben es, gemeinsam für das Team zu fahren.

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