Sportdirektor von Santic - Wibatech im Interview

Peter: “Können in Ruhe arbeiten und sind keinem verpflichtet“

Von Christoph Adamietz

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Das Team Santic - Wibatech im Training | Foto: Team Santic - Wibatech

20.01.2022  |  (rsn) - Wie schon in den vergangenen Jahren haben wir auch in diesem Winter die Teamchefs und Sportlichen Leiter der deutschen Kontinental-Teams befragt. Wie lief es in der Vorsaison, welche personellen Veränderungen gab es und wie lauten die Ziele für die kommende Saison? Im dritten Teil stellt sich Otto Peter, einer der Sportlichen Leiter beim neuen Team Santic - Wibatech, unseren Fragen.

Herr Peter, wie kam es zur Gründung des Teams?
Peter: Es kamen mehrere Faktoren zusammen, warum wir zur Saison 2022 in Passau ein Kontinental-Team gegründet haben. Da ist zum einen Wieslaw Ciasnocha, ein gebürtiger Pole, der seinen Wohnsitz seit über 30 Jahren in Passau hat und mit dem ich schon lange befreundet bin. Er hat zehn Jahre lang unter seinem Firmennamen Wibatech erfolgreich ein Kontinental-Team in Polen geführt. Er ist ein absoluter Radsport-Enthusiast. Er leitete und sponserte das Team praktisch im Alleingang. Dabei hatte er aber immer bemerkenswerte Erfolge, wie einen Europameistertitel im Scratch durch Bartosz Rudyk oder mit Maciej Parterski einen siebten Platz bei der Europameisterschaft auf der Straße.

Im vergangenen Jahr war das Team Wibatech aber aus dem internationalen Radsport verschwunden...
Peter: Wegen Corona und viel Arbeit in seiner Firma hatte er 2021 kein Team mehr angemeldet. Er wollte aber wieder ein neues Team für 2022. Ich stellte den Kontakt mit Michael Bogner her, der seit einem Jahr mit der Radsport-Bekleidungsfirma Protective und Santic den Geschäftssitz in Passau hat. Michael war gleich begeistert und so entstand die Idee, das Team als deutsches Kontinental-Team mit Sitz in Passau starten zu lassen.

Wie ist die Sportliche Leitung besetzt?
Peter: Mit Wieslaw Ciasnocha, Paul Hofstetten (ehemals langjähriger sportlicher Leiter bei Erdgas Schwaben) und Yannik Achterberg sind wir gut aufgestellt. Wenn Not am Mann ist, kann ich auch noch das eine oder andere Rennen als Sportlicher Leiter begleiten.

Das Team besteht aus sechs ín Bayern beheimateten Fahrern und vier Polen. Befürchten Sie da keine Grüppchenbildung?
Peter: Wir wollten diese Mischung aus polnischen und bayerischen Fahrern. Dank Bekanntheit des Teams Wibatech und den polnischen Fahrern können wir in Osteuropa viele Rennen bestreiten. Sollte es im deutschsprachigen Raum Startmöglichkeiten bei Rennen geben, werden wir diese natürlich auch nutzen. Über eventuelle Probleme mit Grüppchenbildung und Sprachbarrieren machen mir keine Sorgen. In jedem Radsport-Team gibt es ja Fahrer aus verschiedenen Sprachkulturen und da muss es ja auch funktionieren.

Mit dem in Bayern lebenden Marcus Burghardt ist ja noch ein großer Name auf dem Transfermarkt. Gab es da schon Gespräche?
Peter: Marcus Burghardt ist uns bekannt. Wir haben ihn Januar 2020 anlässlich der 125 Jahre Feier vom RSV 1895 Passau eingeladen und er hat einen sehr schönen Vortrag im Passauer Rathaussaal über das Leben eines Radprofis gehalten. Ein sehr sympathischer Rennfahrer, der für jedes Team eine Bereicherung wäre.

Mit Michael Peter und Ludwig Stadler haben Sie auch zwei Fahrer vom Elite-Team Wibatech-Bayern verpflichtet. Was erwarten Sie von den beiden?
Peter: Sie waren schon im letzten Jahr die Jüngsten im Team. Beide haben sich 2021 schon gut entwickelt und waren bei jedem Rennen mit großem Einsatz am Start. Ich bin mir sicher, dass sie sich die nächsten Jahre noch steigern können.

Michael Peter ist Ihr Sohn, wie läuft die Zusammenarbeit zwischen Ihnen beiden?
Peter: Mit meinem Sohn habe ich ein sehr gutes Verhältnis. Natürlich ist man manchmal ein bisschen strenger als zu anderen Fahrern, aber hauptsächlich ist ja Wieslaw als Sportlicher Leiter bei den Rennen dabei. Er hat in den letzten Jahren bewiesen, dass er einen guten Draht zu den Fahrern hat und ein Team ohne großen Leistungsdruck aufbauen kann.

Welchen Fahrern Ihres Teams trauen Sie zeitnah den Sprung zu den Profis zu?
Peter: Dass Bartosz Rudyk und Patrick Haller internationale Klasse haben, wissen wir. Wir glauben auch, dass beide den Schritt zu den großen Profiteams schaffen können. Es freut uns schon, dass die beiden sofort zugesagt haben, beide wollen wieder an ihre Erfolge anknüpfen. Alle unsere Fahrer bekommen aber genügend Einsätze und Möglichkeiten, um die gesteckten Ziele zu erreichen.

Wo wird das Team Santic Wibatech in die Saison einsteigen? Wie geht es danach weiter?
Peter: Die ersten Rennen sind Umag Trophy, gefolgt von Porec und Istrian Spring Trophy. Zusagen für weitere UCI-Rundfahrten haben wir bereits.

Rad-Bundesliga oder UCI-Rennen? Was hat den höheren Stellenwert?
Peter:Passau liegt ja geographisch sehr nahe an Österreich und Tschechien. Die Anfahrtswege zu den Rennen in diesen Ländern sind deshalb kürzer als zu einem Rennen im Westen Deutschlands. Wir werden deshalb keine Bundesligarennen bestreiten. Das Hauptaugenmerk liegt bei möglichst vielen UCI-Rennen zu starten. Durch unseren Sponsor Wibatech können wir auch in Polen alle Rennen fahren.

Wie lauten die sportlichen Ziele für 2022?
Peter: "Wir wollen möglichst viele UCI-Punkte sammeln und den einen oder anderen Sieg einfahren. In der ersten Saison eines neu gegründeten Teams wird es aber sicherlich etwas dauern, bis alles reibungslos funktioniert und große Erfolge kommen.

Worin unterscheidet sich Ihr Team von anderen Kontinental-Mannschaften?
Peter: Bei unserem Team sind die Hauptverantwortlichen zugleich die Hauptgeldgeber. Dadurch entsteht kein zusätzlicher Druck von Sponsoren. Wir können in Ruhe arbeiten und sind keinem verpflichtet.

Wie sieht die Perspektive der Mannschaft aus?
Peter: Das Team ist für die nächsten drei Jahre geplant. Die Mischung mit polnischen und deutschen Fahrern bleibt. Was danach kommt, ist vom Gesamtbudget des Teams abhängig.

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