RSNplusDas Power-Ranking der Sprinter / Stand 14. März

Plätze 11 bis 1: Jakobsen derzeit das Maß der Dinge

Von Christoph Adamietz

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Fabio Jakobsen (Quick-Step - Alpha Vinyl) ist bislang die klare Nummer 1 der Sprinter im Jahr 2022. | Foto: Cor Vos

16.03.2022  |  (rsn) – Die ersten Wochen der Saison liegen hinter den Fahrern und die Sprinter hatten zu Genüge die Gelegenheit ihre Beine auszutesten. Mit der UAE Tour, Tirreno-Adriatico und Paris-Nizza standen auch schon die ersten WorldTour-Rundfahrten auf dem Programm, wo prestigeträchtige Siege zu vergeben waren. Radsport-news.com hat sich die bisherigen Leistungen und Ergebnisse der schnellen Männer angeschaut und ein Ranking erstellt.

Im Teil 2 werden die Fahrer auf den Plätzen elf bis eins vorgestellt. Dabei findet sich die eine oder andere Überraschung wieder, die Plätze an der Sonne gehen aber an alte Bekannte der Sprintszene.

Teil 1 mit den Plätzen 23-12 lesen Sie hier!

11. Alexander Kristoff (Intermarché – Wanty Gobert)
Bei seinem neuen Team hat sich der Norweger sofort gut eingefunden. Das Zusammenspiel mit Anfahrer Andrea Pasqualon klappt schon überraschend gut und Kristoff scheint das Vertrauen, das sein neues Team in ihn hat, viel Selbstvertrauen zu geben. Viel öfter als in der Vergangenheit sieht man die Fahrer von Intermarché in der Sprintvorbereitung und bei der Clasica Almeria konnte der 34-Jährige die gute Vorarbeit auch mit einem Sieg belohnen. Zwei Podiumsplätze bei der Valencia-Rundfahrt und ein dritter Platz bei der Algarve-Rundfahrt runden den bisher guten Gesamteindruck ab. Nur auf WorldTour-Niveau gegen die absoluten Top-Leute scheint Kristoff (noch) ein Stück weiter weg vom Sieg, wie Tirreno-Adriatico verdeutlichte. Dort reichte es nur zu einem sechsten Rang.

___STEADY_PAYWALL___ 10. Kaden Groves (BikeExchange – Jayco)
Der Australier ist in seinem dritten Profijahr in die Weltspitze aufgestiegen. Zwar gelang dem 23-Jährigen noch kein Saisonsieg, doch er war bereits mehrmals nahe dran. Bei der Tour of Oman fuhr er zweimal auf Rang zwei und wurde einmal Dritter. Nachdem er bei der anschließenden UAE Tour noch in Diensten von Neuzugang Dylan Groenewegen fuhr, bekam er schließlich zuletzt bei Tirreno-Adriatico freie Fahrt. Dort zeigte Groves, dass er mit den weltbesten Sprintern mithalten kann und fuhr auf zwei Etappen auf Rang drei. Nur bei der Ankunft in Terni wollte es im Sprint nicht so recht klappen, so dass am Ende ein 22.Rang zu Buche stand. Dies war aber auch die einzige Enttäuschung in einer ansonsten bislang sehr konstanten Sprintsaison.

Mark Cavendish (Quick-Step - Alpha Vinyl) feiert seinen Sieg auf der 2. Etappe der UAE Tour. | Foto: Cor Vos

9. Giacomo Nizzolo (Israel- Premier Tech)
Auch wenn er in einigen Rennen auf seinen Anfahrer Rick Zabel verzichten musste, kann der Italiener von einem geglückten Start für sein neues Team sprechen. Ein Sieg sprang für den 33-Jährigen zwar noch nicht heraus, dafür aber einige Spitzenresultate. Vor allem bei Eintagesrennen tat sich Nizzolo hervor. Die Trofeo Alcudia auf Mallorca beendete er auf Rang drei, die gleiche Platzierung errang er bei der Clasica Almeria. Bei beiden Rennen wäre angesichts der Konkurrenz aber auch ein Sieg drin gewesen. Gut unterwegs war Nizzolo zudem bei Kuurne-Brüssel-Kuurne, wo er Fünfter wurde. Dass die Formkurve weiter ansteigt, zeigte der Neuzugang von Israel – Premier Tech bei Tirreno-Adriatico. Bei der ersten gemeinsamen Rundfahrt von Nizzolo und Zabel waren die ersten beiden Sprintankünfte noch ausbaufähig, am Schlusstag allerdings fehlte Nizzolo auf Rang zwei hinter Bauhaus nicht viel zum großen Sieg.

8. Mark Cavendish (Quick-Step Alpha Vinyl)
Der 36-jährige Brite, im vergangenen Jahr mit seinem großen Sieg-Comeback bei der Tour de France die große Überraschung bei den Sprintern, knüpfte zunächst nahtlos an seine starke Vorjahressaison an. Erst feierte Cavendish einen Etappensieg bei der Tour of Oman, wo er allerdings auch schwer stürzte. Dann ließ er einen weiteren bei der UAE Tour folgen. Bei Tirreno-Adriatico lief beim Briten hingegen nur wenig zusammen. Von den Top Ten war er dort soweit entfernt wie in den beiden Jahren vor seiner Rückkehr zu Quick-Step - Alpha Vinyl.

7. Wout Van Aert (Jumbo – Visma)
Eigentlich ist der Belgier nur im Nebenberuf Sprinter - dabei aber teilweise stärker als die Spezialisten. In diesem Jahr hat der Belgische Meister bereits zwei Siege und fünf weitere Podiumsplatzierungen auf der Habenseite. Allerdings muss man einschränken, dass die wenigsten davon im klassischen Sprint erzielt wurden. Mit der direkten Sprintkonkurrenz konnte sich der 27-Jährige bisher nur auf drei Etappen bei Paris-Nizza messen: Dort fand sich immer zumindest ein Fahrer der stärker war als Van Aert. Die Bilanz mit einem zweiten und zwei dritten Plätzen kann sich aber trotzdem mehr als nur sehen lassen.

Mit Schaum vorm Mund: Phil Bauhaus (Bahrain Victorious) setzte sich in beeindruckender Manier auf der Schlussetappe von Tirreno-Adriatico in San Benedetto del Tronto durch. | Foto: Cor Vos

6. Phil Bauhaus (Bahrain Victorious)
Aufgrund von Knieproblemen startete der Kölner erst spät in die Saison. Seinen ersten Sprint fuhr er Ende Februar beim Klassiker Kuurne-Brüssel-Kuurne. Dort war er allerdings eingebaut und verpasste die Top Ten. Danach ging es schließlich zu Tirreno-Adriatico, wo sich der 27-Jährige zunächst mit den Plätzen sechs und sieben über seine ersten beiden Top-Ten-Ergebnisse der Saison freuen konnte. Doch das entsprach nicht dem Anspruch des Bahrain-Sprinters, der sich nach dem Karriereende von Marcel Sieberg auch mit einem personell veränderten Sprintzug einspielen muss. Das klappte zum Abschluss von Tirreno-Adriatico dann schon sehr gut und Bauhaus flog mit starkem Instinkt und einem riskanten Manöver von links nach rechts zum ersten Saisonsieg gegen richtig starke Konkurrenz.

5. Tim Merlier (Alpecin – Fenix)
Noch ist der Belgier nicht ganz in der Form des Vorjahres. Doch er ist auf gutem Weg dort hin. Bei der Algarve-Rundfahrt musste sich der 29-Jährige bei einer Sprintankunft nur dem übermächtigen Fabio Jakobsen geschlagen geben. Bei Tirreno-Adriatico schließlich kehrte Merlier endgültig in die Erfolgsspur zurück und entschied das zweite Teilstück mit Ziel in Sovicille für sich. In einen rechten Flow kam Merlier durch seinen ersten Saisonsieg aber nicht. Bei den beiden weiteren Sprintankünften musste er sich mit den Plätzen fünf und elf begnügen.

Jasper Philipsen (Alpecin - Fenix) bejubelt seinen Sieg auf der 1. Etappe der UAE Tour in Madinat Zayed. | Foto: Cor Vos

4. Jasper Philipsen (Alpecin – Fenix)
In der Schlussphase der letzten Saison war der Belgier bärenstark und stürmte von Sieg zu Sieg. Daran konnte der 24-Jährige 2022 zunächst nahtlos anknüpfen. Bei der UAE Tour gelangen ihm auch ohne seinen erkrankten Anfahrer Alexander Krieger zwei Siege und ein zweiter Platz. Bei Paris-Nizza war hingegen für den Alpecin-Profi wenig zu holen. Er hatte sich mehr erwartet als die Plätze vier und neun. Das war sicherlich ein Dämpfer, zumal die teaminterne Konkurrenz mit Merlier im Gegenzug bei Tirreno-Adriatico siegte und stärker zu werden scheint.

3. Mads Pedersen (Trek – Segafredo)

Der Däne ist in bestechender Frühform. Schon zum Saisonstart beim GP la Marseillaise fehlte als Zweiter nicht viel zum Sieg. Diesen holte er schließlich beim Etoile de Besseges nach, wo er zudem zwei weitere zweite Plätze folgen ließ und die Punktewertung gewann. Den guten Eindruck bestätigte der Ex-Weltmeister bei Paris-Nizza, wo er nach zwei fünften Rängen zum Auftakt das 3. Teilstück gewann und auf der 6. Etappe nochmals Zweiter wurde. In den ersten Wochen zeigte der Ex-Weltmeister eindrücklich, dass er eigentlich in jedem Sprintszenario um den Sieg mitfahren kann, egal ob klassischer Flachsprint, Sprint nach einem anspruchsvollen Finale oder auch, wenn es am Ende leicht bergauf geht.

Caleb Ewan (Lotto Soudal) gewann in Terni die 3. Etappe von Tirreno-Adriatico. | Foto: Cor Vos

2. Caleb Ewan (Lotto Soudal)
Der Australier kommt unter den Sprintern mit am besten über die Anstiege und fuhr sich so auch in den Favoritenkreis für Mailand-Sanremo am Samstag. Seine Endgeschwindigkeit hat Ewan aber auch nicht eingebüßt. Drei Saisonsiege errang er bisher. Den ersten fuhr er mit seinem neuen Sprintzug um Rüdiger Selig gleich zum Auftakt der Saudi Tour ein. Im weiteren Rundfahrtenverlauf spürte man aber das Fehlen des verletzt ausgeschiedenen Selig, so dass Ewan keinen weiteren Erfolg mehr verbuchen konnte. Diesen holte er bei der Tour des Alpes du Maritime et du Var nach, bei der er ohne seinen Sprintzug antrat und es auf der 1. Etappe trotz einiger Anstiege ins Finale schaffte, wo er im Sprint schließlich leichtes Spiel hatte. Das einzige direkte Aufeinandertreffen mit Fabio Jakobsen gab es bei Kuurne-Brüssel-Kuurne, wo der Australier als Zweiter knapp das Nachsehen hatte. Bei Tirreno-Adriatico feierte der 27-Jährige schließlich auf der 3. Etappe seinen ersten WorldTour-Sieg der Saison, nachdem er zuvor im Tagesverlauf gestürzt war. Bei der Sprintankunft am Tag zuvor war von Ewan allerdings nichts zu sehen. Noch fehlt also etwas die Konstanz.

1. Fabio Jakobsen (Quick-Step - Alpha Vinyl)
Es hätte wohl niemand damit gerechnet, dass der Niederländer 18 Monate nach seinem Horrorsturz bei der Polen-Rundfahrt bester Sprinter im Peloton ist. Allein die Bilanz spricht aber klar für Jakobsen: Sechs Siege errang der Quick-Step-Profi 2022 bereits – so viel wie kein anderer Sprinter im Peloton. Bei seinen jeweils zwei Erfolgen bei der Valencia- und der Algarve-Rundfahrt stellte der 25-Jährige eindrucksvoll seine Endgeschwindigkeit unter Beweis. Bei seinem Coup bei Kuurne-Brüssel-Kuurne zeigte er zudem, dass er auch Klassikerterrain in den Beinen hat. Gleiches gilt für seinen Sprintsieg bei Paris-Nizza, wo er aus einem deutlich reduzierten Hauptfeld heraus gewann, nachdem sich dieses auf der Windkante geteilt hatte. In der aktuellen Form ist kein Vorbeikommen an Jakobsen, wenn das Terrain zuvor nicht zu bergig war.

Noch ist die Saison jung. Viele Sprints werden noch ausgefahren, viele Siege vergeben. Eine solche Rangliste ist immer nur eine Momentaufnahme. Schon im nächsten Sprint kann sich die Hackordnung unter den schnellen Männern wieder ändern. Wir werden vor dem Giro d`Italia eine neuerliche Zwischenbilanz ziehen und schauen, wer sich im Ranking nach oben arbeiten konnte und wer an Boden verlor.

 

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