Team Strassacker - Rennbericht

Riderman: Ein hartes Stück Arbeit...

Von Fabian Thiele

Foto zu dem Text "Riderman: Ein hartes Stück Arbeit..."
| Foto: Team Strassacker

28.09.2022  |  Es ist das härteste Renn-Wochenende des Jahres: Der Riderman verlangte uns mit einer Mischung aus anspruchsvoller Strecke und hochkarätiger Konkurrenz einmal mehr alles ab. Doch dank einer nahezu perfekten Mannschaftsleistung schloss das Team Strassacker die dreitägige Rundfahrt im Schwarzwald am vergangenen langen Wochenende mit dem Sieg in der Mannschaftswertung, einem Tagessieg, zwei weiteren Podiums-Platzierungen und zwei Top-Ten-Ergebnissen im Gesamt-Klassement richtig erfolgreich ab.

Der Riderman, immer Ende
September, ist zweifellos eines der Highlights im Jedermann-Kalender. Nicht nur, dass es sich um eine waschechte Rundfahrt handelt, das Rennen führt über drei Etappen, mit Einzelzeitfahren – gesucht wird für den Gesamtsieg also ein kompletter Rennfahrer. Diese attraktive Mischung sorgt Jahr für Jahr für ein illustres und hochkarätiges Teilnehmerfeld, das über dem Niveau der anderen GCC-Rennen liegt. Auf der Meldeliste fanden sich neben Ex-WorldTour-Profi und Titelverteidiger Marcel Wyss unter anderem Granfondo-Weltmeister Stefan Kirchmair, der dort viertplatzierte Simon Betz sowie die Profi-Fahrer Simon Geschke und Jan Hugger. Letztere fuhren zwar außer Konkurrenz, verdeutlichen aber, auf welchem sportlichen Level sich die Veranstaltung bewegt.

Wenig furchteinflößend kam auf dem Papier das Auftakt-Zeitfahren am Freitag daher: 16 Kilometer mit etwa 200 Höhenmetern. Die Tücke an dieser Disziplin ist jedoch, dass man praktisch über die gesamte Distanz am Limit fährt, sodass auch gute 20 Minuten Rennen große Schmerzen verursachen können. Noch wichtiger als in Straßenrennen sind im Zeitfahren gutes Material und eine erprobte aerodynamische Sitzposition. Hier hatte das Team Strassacker seine Hausaufgaben erledigt: Unser Kapitän Moritz Palm raste zu einem tollen zweiten Rang, in 20:27 Minuten - was in vielen Vorjahren zum Sieg gereicht hätte. Ich konnte mich mit einer Zeit von 21:01 Min. direkt hinter ihm einreihen; das Zeitfahr-Training hatte sich also ausgezahlt...

In einer anderen Liga war Marcel Wyss
unterwegs, der mit einer Zeit von 20:09 Min. nicht nur schneller als alle anderen war, sondern damit auch Rad- und Ruder-Ass Jason Osborne den Streckenrekord (20:15 Min.) abnahm. Für uns war damit der Grundstein gelegt – mit zwei Fahrern auf dem Podium und diversen weiteren in Schlag-Distanz waren wir in einer sehr guten Ausgangslage.

Anders als im letzten Jahr war der Wettergott dem Riderman leider nicht über das ganze Renn-Wochenende gewogen. Bereits im Vorfeld war die Wettervorhersage für Samstag nicht ideal: nasskalte Temperaturen. Und so kam es, dass sich zu einem brettschweren Profil mit über 120 Kilo- und fast 2000 Höhenmetern auch noch denkbar schlechte äußere Bedingungen gesellten. Wenigstens ließ der Regen bis zum Start etwas nach; nichtsdestotrotz waren spätestens nach fünf Minuten alle Fahrer bis auf die Knochen durchnässt. Erstaunlicherweise blieb das befürchtete Sturz-Festival aus, obwohl im Feld enger gefahren wurde als in manch anderen GCC-Rennen – ein weiteres Indiz für das sehr hohe Niveau.

Unsere Taktik sah vor, uns in der Anfangsphase
möglichst schadlos zu halten und Moritz in den Anstieg nach Ewattingen, wo wir die entscheidende Selektion erwarteten, zur Rennmitte zu bringen. Dies gelang mit vereinten Kräften. Die ersten Anstiege fuhren wir in sehr guter Position und neutralisierten auch eine erste Flucht der Favoriten um Marcel Wyss und Stefan Kirchmair. Unter der Führung des unermüdlich arbeitenden Ben Witt nahmen wir zudem die kurvige und nasse Abfahrt vor dem Anstieg nach Ewattingen von vorne in Angriff, um allen Problemen aus dem Weg zu gehen. Eine gute Entscheidung, denn in der Abfahrt riss das Feld bereits in mehrere Teile. Vier Mann in Celeste führten das Rennen dann in die Schlüsselstelle.

Hier warteten etwa 35 Kilometer mit fünf Anstiegen; es ging ununterbrochen rauf und runter, es wurde nur Vollgas gefahren. Hier hilft Taktik wenig weiter - entweder man hat die Beine, oder eben nicht. So kam es auch dieses Mal, und an der Kuppe des Anstiegs war das Rennen bereits entschieden: An der Spitze formierte sich eine Vierer-Gruppe mit Marcel Wyss und Stefan Kirchmair, dahinter Moritz in einem Quintett und wiederum dahinter sechs Mann, unter denen ich mich an der Seite von Luca Wittrock fand. Während die Abstände nach und nach größer wurden, löste sich am letzten langen Anstieg nach Göschweiler Marcel Wyss von seiner Gruppe und fuhr mit mehr als einer Minute Vorsprung zu einem ungefährdeten Solo-Sieg. Dahinter pilotierte Moritz seine Gruppe ins Ziel, das er auf dem siebten Rang erreichte.

Lucas und meine Sechser-Gruppe wurden
mangels Kooperation noch vom ersten größeren Feld gestellt. So versuchte ich mein Glück mit zwei weiteren Fahrern in der Abfahrt nach Göschweiler. Wir konnten uns tatsächlich lösen, und ich erreichte das Ziel nach 35 Kilometern in der Gruppe als 13. Vor allem sicherte ich so einen Platz unter den besten zehn der Gesamtwertung und es gelang, den Vorsprung von Moritz auf seine ärgsten Verfolger im GCC zu vergrößern. Aus der großen Gruppe spurtete Martin Nitzschmann noch auf den 15. Platz. Im Ziel erwartete uns Team-Chef Franco Adamo, er blickte auf schmutzstarrende, durchnässte, aber zufriedene Schützlinge.

Am Sonntag meinte es Petrus gut und gönnte uns entgegen der ursprünglichen Vorhersage einen trockenen Renntag. Der Samstag steckte allen noch in den Knochen, so galt es im Wesentlichen unsere Plätze fünf und neun im Gesamt-Klassement zu verteidigen. Das schien angesichts des leichteren Renn-Profils im Rahmen des Möglichen zu liegen. Wie erwartet geschah auf den ersten 50 Kilometern nicht viel - außer dass ununterbrochen um die besten Positionen im Feld gezankt wurde. Für Auflockerung sorgte Luca, der nach rund 40 Kilometern einen günstigen Moment erwischte und sich zu einem Solo aufmachte, was uns aus der Verantwortung für die Nachführarbeit entband.

Tapfer verteidigte Luca seinen Vorsprung
auf das Feld. Dahinter gelang es uns erneut, vor der Abfahrt in die Wutach-Schlucht in den führenden Positionen zu sein - auch wenn diesen Plan offensichtlich so ziemlich alle im Rennen hatten, sodass sich ein kleines Rennen im Rennen entwickelte. Der folgende, sieben Kilometer lange Anstieg nach Hausen vor Wald wurde dann erstaunlich entspannt absolviert, und auch die erste ernsthafte Selektion in Fürstenberg kam nicht so recht zur Entfaltung und wurde zügig wieder neutralisiert. Unterdessen war Luca nach über 35 Kilometern Solo-Flucht und reichlich Präsenz im Livestream zurück im Feld.

An der letzten Bergwertung in Pfohren kam es dann aber doch zur Vorentscheidung. Der Berg ist eigentlich weder lang noch steil, jedoch biegt man kurz zuvor erst scharf von der Hauptstraße ab, um sich dann nach einem weiteren 90-Grad-Knick im Anstieg wiederzufinden - hier ist die Position mindestens so wichtig wie gute Beine. Glücklicherweise brachte Moritz beides mit und konnte sich durch einen gewaltigen Antritt mit Marcel Wyss und zwei weiteren Fahrern lösen. Dahinter war das Rennen in viele Gruppen zerlegt, die allerdings - mit einiger Anstrengung - schließlich wieder zusammenliefen.

Es gelang jedoch nicht mehr, die Spitzengruppe
zu stellen, in der sich alle vier Fahrer an der Tempoarbeit beteiligten. Marcel Wyss schien an einem dritten Tagessieg kein Interesse zu haben und führte das Quartett auf die letzten Meter. Von seinem Hinterrad aus sicherte sich Moritz mit einem langen Sprint souverän den Sieg und konnte sich so auf den vierten Platz in der Gesamtwertung vorschieben. In der Verfolgergruppe erreichten Martin, Ben, Johannes König, Jonas Kahler und ich das Ziel, womit wir meinen neunten sowie die Ränge 17 und 20 in der Gesamtwertung absicherten – Sieg in der Team-Wertung.

Trotz herausragender Konkurrenz konnten wir also ein ausgesprochen erfolgreiches Wochenende feiern, das nebenbei bemerkt auch riesig Spaß gemacht hat. Drei Tage perfekt organisiertes, anspruchsvolles Renngeschehen, in einem grandiosen Team. Daneben gelang es uns, dem Saison-Ziel ein großes Stück näher zu kommen: Moritz Palm eroberte im Schwarzwald das Gelbe Trikot des GCC-Führenden.

Moritz hat nun vor dem letzten Rennen
beim Münsterland-Giro am kommenden Montag beste Aussichten auf den Gesamtsieg in Deutschlands größter Jedermann-Serie. Sein erstes Rennen im Gelben Trikot könnte also zu einer Tour d’Honneur wie auf den Champs-Elysées werden... Dennoch wollen wir in Münster noch einmal zeigen, was in uns steckt und das jetzt schon grandiose Jahr zu einem gelungenen Abschluss bringen.

Fabian Thiele ist Fahrer beim Team Strassacker.

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