RSNplusWorldTeams 2023: UAE Team Emirates

Nicht nur wegen Pogacar die Nummer 1 für Rundfahrten

Von Felix Mattis

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UAE Team Emirates | Foto: twitter.com/TeamEmiratesUAE

14.01.2023  |  (rsn) – Auch wenn Tadej Pogacar die Tour de France im vergangenen Sommer nicht gewonnen hat, so ist sein Rennstall in der Saison 2022 in der Weltrangliste weiter nach oben geklettert: Auf Position zwei des Team-Rankings schloss die Mannschaft das Jahr ab, nur Jumbo – Visma war noch davor. Für Manager und Sportdirektor Jose Antonio Fernandez, 'Matxin' genannt, ist die Erfüllung des großen Traums daher nicht mehr weit entfernt. Der nämlich ist, "irgendwann das beste Team der Welt zu sein", wie er radsport-news.com erklärte.

Die Betonung dabei liege auf dem Traum, denn das Ziel sei vielschichtiger: "Wir wollen als Team wachsen, wir wollen unsere Fahrer wachsen lassen und unsere Stabilität wachsen lassen. Eine Ranglistenposition ist da nicht der Hauptfokus", so Fernandez, der bekannt für seinen Fokus auf den Nachwuchs ist. Bevor er in den Emiraten anheuerte, war der Spanier zuletzt bei Patrick Lefeveres Quick-Step-Mannschaft für die Nachwuchssuche verantwortlich.

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"Ich glaube sehr an junge Fahrer, weil sie uns auch die Zukunft sichern", schilderte er seinen Blickwinkel recht pragmatisch. "Deshalb haben wir die siebenjährigen Verträge mit Tadej Pogacar und Juan Ayuso abgeschlossen, weil uns das Zukunftssicherheit und Stabilität gibt." Dass derart lange Verträge aber natürlich nur mit dem nötigen finanziellen Background und der Absicherung über langfristiges Sponsoring möglich sind, versteht sich von selbst. Und diese Absicherung ist bei UAE Emirates zweifelsohne gegeben.

Tadej Pogacar wird auch in der Saison 2023 der Erfolgsgarant des UAE Team Emirates sein. Der Slowene peilt seinen dritten Tour-de-France-Gesamtsieg an | Foto: Cor Vos

Sportlich liegt der Schwerpunkt des bislang zweitbesten Teams der Welt vor allem auf Rundfahrten und dem Klettern. "Sprints sind auch wichtig und ich glaube sehr an unsere Sprinter. Aber es ist unmöglich für uns, bei den großen Rundfahrten vier Mann als Sprintzug aufzustellen. Wir müssen da immer die Balance finden, um in der Gesamtwertung zurechtzukommen", so Fernandez.

Auch zur Tour 2023 wieder ohne Sprinter

Bei der Tour de France werde für den Kampf um den Gesamtsieg auch dieses Jahr auf einen Sprinter verzichtet werden, kündigte er bereits an. Bei anderen Rundfahrten sollen Pascal Ackermann, Sebastian Molano und Alvaro Hodeg – Fernando Gaviria wechselte zu Movistar - zum Einsatz kommen, allerdings wohl auch eher mit jeweils einem als mit vier Helfern. Das Sprint-Trio, in dessen Windschatten auch das deutsche Talent Felix Groß sitzt, schielt aber auch in Richtung flache Klassiker, während bei den profilierteren Eintagesrennen ebenfalls Pogacar sowie Marc Hirschi, Neuzugang Tim Wellens und Matteo Trentin zu beachten sein dürften.

"Wir haben viele starke, wichtige Fahrer und verteilen ihre Ziele auf die Rennen. Bei der Tour ist Tadej Pogacar der klare Kapitän, aber es ist auch wichtig, jedem einzelnen von den Anderen eine Bühne zu geben - zum Beispiel wollen wir an der Algarve und auch beim Giro d'Italia mit Joao Almeida glänzen", erklärte Fernandez die Pläne. "Es geht dabei auch nicht nur um Grand Tours, sondern um das ganze Jahr. Wir wollen immer erfolgreich sein und den Fokus nicht nur auf die Tour legen. Klar: Jeder weiß, wie wichtig sie ist. Aber auch alle anderen Rennen sind wichtig."

Sprinter Pascal Ackermann dagegen muss weiter auf sein Tour-Debüt warten und wird sich stattdessen vor allem bei kleineren Rundfahrten und Klassikern schadlos halten müssen. | Foto: Cor Vos

Die Frage danach, was im Vergleich zum Vorjahr besser laufen müsse, quittierte Fernandez mit einem Grinsen: "Die Gesundheit", sagte er und spielte auf die Corona-Welle an, die UAE Emirates bei der Tour de France erwischte, als mit Vegard Stake Laengen, George Bennett und Rafal Majka gleich drei Fahrer mit Infektionen aussteigen mussten. "Das hat eine sehr große Rolle gespielt und viel verändert. Sie wären alle superwichtig gewesen. Klar, auf der Galibier-Etappe hatte Tadej einen schwachen Moment und das hatte damit nichts zu tun. Aber insgesamt hat es eine große Rolle gespielt bei der Tour." 

Beim Blick auf den Kader des Teams wird deutlich: Mit dieser Masse an Klasse kann UAE Emirates auch tatsächlich über die gesamte Saison nahezu alle Rundfahrten erstklassig besetzen, wenn alle fit bleiben. Denn neben Pogacar und Almeida gibt es auch noch den 20-jährigen Rohdiamanten Ayuso sowie Neuzugang Adam Yates oder eben Felix Großschartner, Marc Soler und Brandon McNulty für Rundfahrt-Ergebnisse – und wenn man Fernandez glauben darf, wird auch ein weiterer Neuzugang künftig in Gesamtklassements eine Rolle spielen: der zweifache Vuelta-Etappensieger Jay Vine.

Der Top-Transfer 2023: Gleich zwei absolute Hochkaräter hat Fernandez verpflichtet: Adam Yates kam von Ineos Grenadiers und der ehemalige Zwift Academy-Sieger Jay Vine von Alpecin – Deceuninck. "Adam Yates ist einer der besten Fahrer der Welt und sehr wertvoll für uns. Er bekommt ein interessantes Programm", erklärte der Spanier, stellte aber auch klar: "Bei der Vertragsunterschrift haben wir ganz deutlich abgesprochen, dass er bei der Tour in Tadejs Diensten steht."

Mit dem zweimaligen Vuelta-Etappensieger Jay Vine hat UAE Team Emirates seine Rundfahrerfraktion zusätzlich verstärkt. Vom Australier verspricht sich die Teamleitung ebenso viel wie vom erfahrenen Briten Adam Yates. | Foto: Cor Vos

Den größeren Leistungssprung aber erwartet Fernandez ohnehin von Vine. "Mit ihm werden wir alle überraschen", versprach er. "Er ist schon jetzt einer der besten Kletterer und wir arbeiten mit ihm jetzt viel an der Position fürs Zeitfahren." Die ersten Früchte trug das bereits: Am Dienstag wurde Vine Australischer Zeitfahrmeister. Man darf gespannt sein, wie sich der 27-Jährige in den kommenden Monaten im Peloton bewegt und bei Rundfahrten schlägt. Die Algarve-Rundfahrt, Tirreno-Adriatico und die Volta Catalunya werden interessante Gradmesser auf dem Weg zum Giro d'Italia, wo Vine Co-Kapitän neben Almeida sein soll.

Im Fokus: An der Seite von Almeida wachsen soll auch ein anderer Fahrer des UAE Team Emirates: Juan Ayuso. Der junge Spanier wird voraussichtlich erneut die Vuelta a Espana fahren, wo er 2022 bereits Dritter war – noch vor Kapitän Almeida, der auf Rang fünf landete. Ein riesiges Talent ist der Spanier zweifelsfrei, aber eben eines, das schon durchgestartet ist. Gefragt nach einem Fahrer, den viele noch nicht so sehr auf dem Schirm haben, der aber alle überrachen könnte, fiel Fernandez daher ein anderer Name ein.

"Ayuso wird sich weiter sehr verbessern und 2023 sicher auch erfolgreicher oder wichtiger sein: Aber einer, von dem noch wenige reden, ist Finn Fisher-Black. Ich halte extrem viel von ihm und er könnte große Schritte dieses Jahr machen", sagte er über den 21-jährigen Neuseeländer, der sich in der vergangenen Saison den Oberschenkel gebrochen hatte und daher lange pausieren musste. "Wenn er sich davon erholt hat, wird er früher oder später in allererster Reihe fahren", meinte Fernandez. "Er ist der perfrekte moderne Radsportler. Er ist ein Superkletterer mit sehr starkem Zeitfahren. Bei vielen Fahrern ist eines von beidem stärker, aber bei ihm ist beides großartig."

Außerdem erhofft sich Fernandez auch von Felix Groß viel. "Er muss noch einen Schritt machen und sich ein kleines bisschen in den Hügeln verbessern", so der Spanier über den jungen Deutschen. "Aber er ist als purer Sprinter ein riesiges Talent."

Als großes Talent gilt Finn Fisher-Black. Der 21-jährige Neuseeländer musste allerdings wegen einer schweren Verletzung den Großteil der vergangenen Saison aussetzen. | Foto: Cor Vos

Das Aufgebot:
Alessandro Covi (Italien / 24 Jahre), Davide Formolo (Italien / 30), Matteo Trentin (Italien / 33), Diego Ulissi (Italien / 33), Joao Almeida (Portugal / 24), Ivo Oliveira (Portugal / 26), Rui Oliveira (Portugal / 26), George Bennett (Neuseeland / 32), Finn Fisher-Black (Neuseeland / 21), Michael Vink (Neuseeland / 31), Domen Novak (Slowenien / 27), Tadej Pogacar (Slowenien / 24), Jan Polanc (Slowenien / 30), Pascal Ackermann (Deutschland / 28), Felix Groß (Deutschland / 24), Juan Ayuso (Spanien / 20), Marc Soler (Spanien / 29), Alvaro Hodeg (Kolumbien / 26), Juan Sebastian Molano (Kolumbien / 28), Sjoerd Bax (Niederlande / 27), Mikkel Bjerg (Dänemark / 24), Ryan Gibbons (Südafrika / 28), Felix Großschartner (Österreich / 29), Marc Hirschi (Schweiz / 24), Vegard Stake Laengen (Norwegen / 33), Rafal Majka (Polen / 33), Brandon McNulty (USA / 24), Jay Vine (Australien / 27), Tim Wellens (Belgien / 31), Adam Yates (Großbritannien / 30)

Davon Neuzugänge:
Sjoerd Bax (Alpecin - Deceuninck), Felix Großschartner (Bora - hansgrohe), Domen Novak (Bahrain Victorious), Jay Vine (Alpecin - Deceuninck), Michael Vink (Bolton Equities Black Spoke Pro Cycling), Tim Wellens (Lotto Soudal), Adam Yates (Ineos Grenadiers)

Teamleitung:
Manager: Mauro Gianetti & Jose Antonio Fernandez
Sportdirektor: Jose Antonio Fernandez
Sportliche Leiter: Fabio Baldato, Aurelio Tomas Gil, Fabrizio Guidi, Andrej Hauptmann, Marco Marcato, Marco Marzano, Manuele Mori, Simone Pedrazzini, Allan Peiper, Jose Teixeira, Bruno Vicino

Material:
Rahmenhersteller: Colnago
Gruppe: Shimano
Laufräder: ENVE
Reifen: Continental
Trikot: Pissei
Helm: MET

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