Martinez gewinnt Algarve-Rundfahrt vor Ganna

Küng in Lagoa mit ordentlich Power zum Zeitfahrsieg

Von Sebastian Lindner

Foto zu dem Text "Küng in Lagoa mit ordentlich Power zum Zeitfahrsieg"
Stefan Küng (Groupama - FDJ) will im Zeitfahren an der Algarve auf Sieg fahren. | Foto: Cor Vos

19.02.2023  |  (rsn) – Von 18 auf 5: Stefan Küng (Groupama – FDJ) hat sich beim Abschlusszeitfahren der Volta ao Algarve (2.Pro) den Tagessieg gesichert und damit auch im Gesamtklassement noch weit nach vorne katapultiert. Der Schweizer absolvierte den 24,4 Kilometer langen Kurs rund um Lagoa in 29:34 Minuten und war damit vier Sekunden schneller als der Franzose Remi Cavagna (Soudal Quick-Step) und zehn als der Italiener Filippo Ganna (Ineos Grenadiers). Als bester deutscher Profi belegte Nils Politt (Bora - hansgrohe) mit 1:03 Minuten Rückstand den neunten Platz.

Der zweimalige Zeitfahrweltmeister Ganna war der Geschlagene des Tages, denn in der Endabrechnung fehlten ihm letztlich nur zwei Sekunden auf seinen Teamkollegen Daniel Felipe Martinez. Der Kolumbianer holte sich durch einen beherzten Auftritt als Tagesvierter, nur sechs Sekunden hinter Ganna, den Gesamtsieg an der Algarve. "Heute Morgen war für jeden im Team Filippo der erste Favorit auf die Gesamtwertung", schmunzelte Martinez im Siegerinterview. "Ich bin selber etwas überrascht", so der 26-Jährige, der sich an der Algarve "von Tag zu Tag besser" fühlte.

Tom Pidcock (Ineos Grenadiers), der als Führender ins Rennen gestartet war, wurde noch auf Platz sieben durchgereicht, unter anderem deshalb, weil er nur um ein Haar einen Sturz vermeiden konnte. Der einzige, der seinen Platz auf dem Gesamtpodium verteidigen konnte, war Ilan van Wilder (Soudal Quick-Step), der vom zweiten auf den dritten Platz (+0:05) zurückfiel.

Für den 29-jährigen Küng war es nicht nur sein erster Saisonsieg. Auch sein Team durfte erstmals in diesem Jahr jubeln. “Der Kurs kam mir sehr entgegen. Ich mag die Rhythmuswechsel. Hoch und runter, links und rechts“, so Küng im Sieger-Interview. “Ich wusste, dass es eng werden würde. Aber ich hatte ordentlich Power bis zum Schluss. Wir haben auch im Winter viel an meiner Position auf dem Rad gearbeitet“, freute er sich. Bereits 2019 hatte Küng das Zeitfahren in Lagoa gewinnen können.

So lief das Rennen:

Erwartet wurde Stefan Bissegger (EF Education – EasyPost) als Kandidat für eine erste gute Richtzeit. Doch der Landsmann des Tagessiegers blieb mit fast drei Minuten Rückstand auf Küng deutlich hinter den Erwartungen. Stattdessen setzte Politt eine Bestmarke, die lange Zeit Bestand haben sollte. Erst Thymen Arensman (Ineos Grenadiers), der am Ende Sechster wurde, konnte ihn vom Hot Seat verdrängen. Politts Teamkollegen Sergio Higuita und Jai Hindley, die als Vierter und Fünfter der Gesamtwertung ins Rennen gingen, kassierten jeweils 1:45 Minuten auf Küng und rutschten damit noch aus den Top 10.

Nach Politt waren es in erster Linie die Spezialisten, die neue Bestwerte ablieferten. Küng und Cavagna duellierten sich bereits an den Zwischenzeiten. War der Schweizer an der ersten Messung nach 8,5 Kilometern noch vier Sekunden schneller als der Franzose – und zwei als Ganna – wandelte sich das Bild nach 15,4 Kilometern. Cavagna war neuer Führender, lag knapp vier Sekunden vor dem späteren Sieger, während Ganna bereits zehn Sekunden zurücklag. Auf den letzten neun Kilometern drehte Küng dann aber doch noch den Spieß um.

Unbemerkt von den Kameras hatte sich an den Zwischenzeiten bereits Martinez im Kampf um den Gesamtsieg in Stellung gebracht. War Ganna am ersten Messpunkt noch zwölf Sekunden vor seinem Teamkollegen und damit virtuell auf Kurs Rundfahrtsieg, hatte der Kolumbianer bei der zweiten Zeit seinen Rückstand halbiert und bis ins Ziel nichts mehr dazukommen lassen.

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