Giro: Thomas verteidigt Rosa

Rubio ist in Crans Montana der lachende Dritte

Von Kevin Kempf

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Einer Rubio (Movistar) hat die verkürzte 13. Etappe des 106. Giro d’Italia gewonnen. | Foto: Cor Vos

19.05.2023  |  (rsn) – Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Das war in diesem Fall Einer Rubio (Movistar), der sich die von 199 auf 74,6 Kilometer verkürzte 13. Etappe des Giro d’Italia in Crans Montana im Dreiersprint holte. Seine Begleiter Thibaut Pinot (Groupama – FDJ), der Zweiter wurde, und Jefferson Cepeda (EF Education – EasyPost) hatten zuvor mit zahlreichen Attacken vergeblich versucht, sich aus dem Spitzentrio abzusetzen. Vierter wurde der Kanadier Derek Gee (Israel – Premier Tech) vor dem Franzosen Valentin Paret-Peintre (AG2R – Citroën).

Die Favoriten auf den Gesamtsieg hielten bis zum letzten Kilometer die Beine still. Erst dann wagte Eddie Dunbar (Jayco – AlUla) einen Angriff, den Geraint Thomas (Ineos Grenadiers) und die anderen Klassementfahrer aber neutralisieren konnten, so dass der Waliser seine Gesamtführung verteidigte. Lennard Kämna (Bora – hansgrohe) erreichte das Ziel als Elfter zeitgleich mit dem Mann in Rosa. Die ersten neun Positionen des Klassements blieben unverändert.

Für Rubio war es der zweite Sieg als Berufsradfahrer, nachdem er im Februar auf der 3. Etappe der UAE Tour (2.UWT) als Erster über den Zielstrich gefahren war. "Endlich hat es geklappt und es war mein großer Tag. Hierfür habe ich so hart gearbeitet. Ich habe mich intensiv auf den Giro vorbereitet“, so der 25-Jährige, der an seiner dritten Grand Tour teilnimmt. Rubio musste seine letzten beiden Fluchtgefährten mehrere Male fahren lassen, als diese sich immer wieder gegenseitig angriffen. “Die beiden haben ihr Spiel gespielt und ich habe sie machen lassen“, kommentierte er das Duell des Tageszweiten und -dritten. “Am Ende hat es sich ausgezahlt für mich. Ich bin hierhergekommen, um eine Etappe zu gewinnen und das habe ich geschafft", fügte er glücklich an.

Die beiden Streithähne traten im Zielraum zunächst nicht vor die Mikrofone. Bruno Armirail, der anfangs mit seinem Kapitän Pinot vorn dabei war, stellte sich den Interviews. "Schade, dass Thibaut nur Zweiter wurde. Er wird enttäuscht sein, aber wir mussten es probieren. Wenn ich gekonnt hätte, dann wäre ich auch vorne gewesen. Meine Rolle ist die des Helfers und wenn er sich gut fühlt, dann probieren wir es. Das werden wir auch die nächsten Tage noch machen“, kündigte der Franzose an.

Als Trostpreis übernahm Pinot das Bergtrikot von Davide Bais (Eolo – Kometa), bei der Podiumszeremonie schien er darüber aber noch nicht sehr glücklich zu sein. Armirail hingegen sah noch einen Lichtblick: “Zumindest ein bisschen Zeit konnte Thibaut gutmachen im Gesamtklassement", sagte der 29-Jährige. Sein Teamkollege ist nun Zehnter mit 3:13 Minuten Rückstand auf Thomas, der die Gesamtwertung weiter mit zwei Sekunden Vorsprung auf Primoz Roglic (Jumbo – Visma) anführt.

Keine Angriffe auf das Rosa Trikot, Kämna hält bei den Favoriten mit

Thomas erlebte einen überraschend ruhigen Tag, denn Angriffe seiner direkten Konkurrenten blieben bis zum letzten Kilometer aus. "Am Ende herrschte viel Gegenwind, aber die Jungs sind ein super Tempo für mich gefahren und haben superstark gearbeitet. Sie waren überragend, ich freue mich, das Trikot behalten zu haben“, meinte der Brite im Ziel-Interview. Von seinem schärfsten Konkurrenten hatte er in Crans-Montana nichts zu befürchten. “Roglic ist wohl damit zufrieden im Moment und will mich im Trikot halten. Sie müssen daher das Trikot nicht verteidigen, nicht das Rennen kontrollieren. Es wird aber sicher noch richtig zur Sache gehen in der Schlusswoche“, schätzte Thomas die Intentionen seiner Konkurrenten ein.

Auch Kämna kam mit der Siebenergruppe um Thomas ins Ziel. Damit verlor der 26-Jährige erstmals bei diesem Giro auf einer wichtigen Etappe keine Zeit auf die Besten und verteidigte so seinen sechsten Gesamtrang. Sein österreichischer Teamkollege Patrick Konrad hingegen verlor 3:18 Minuten auf die Klassementfahrer und rutschte von Position 13 auf 16 ab.

Bester Nachwuchsfahrer bleibt der Tagessiebte Joao Almeida (UAE Team Emirates). Durch die Aufgabe von Mads Pedersens (Trek – Segafredo) vergrößerte Jonathan Milan (Bahrain Victorious) seinen Vorsprung in der Punktewertung auf 86 Punkte. Mit 88 Zählern ist Pascal Ackermann (UAE Team Emirates) der neue Zweite dieser Sonderwertung.

So lief die 13. Etappe des Giro d’Italia:

Auf der verkürzten Etappe ging es vom Start weg bergauf – was Pascal Ackermann (UAE Team Emirates) und anderen Sprinter schon auf dem ersten Kilometer zum Verhängnis wurde. Im vorderen Teil des Feldes setzte sich eine 16-köpfige Gruppe unter anderem mit Hugh Carthy (EF Education – EasyPost) und Pinot ab. Der im Klassement gut platzierte Brite war Ineos aber ein Dorn im Auge, weswegen Thomas‘ Helfer die Lücke zu den Ausreißern wieder zufuhren.

Kurz danach lösten sich Pinot, sein Teamkollege Armirail, Cepeda, Rubio, Gee, Valentin Paret-Peintre und Matthew Riccitello (Israel - Premier Tech). Pinot schüttelte Riccitello, Paret-Peintre und seinen Teamkollegen mit einer Attacke ab und holte sich einige Kilometer danach die 40 Bergpunkte vor Rubio und Gee.

In der nassen, schmalen Abfahrt ließen Ausreißer und Feld Vorsicht walten, doch Paret-Peintre hatte eine andere Idee. Der Franzose fuhr wieder in die Spitzengruppe rein und gleich an ihr vorbei. Dadurch mussten die Vier ihr Tempo auch erhöhen, was aber dazu führte, dass das wiedervereinigte Quintett im Tal vier Minuten vor dem Feld lag, wo Ineos die Situation kontrollierte. Damit lag Pinot virtuell nur noch 48 Sekunden hinter dem Rosa Trikot.

Grand-Tour-Debütant bestand bisher alle Herausforderungen dieses Giro – inklusive dem schlechten Wetter. | Foto: RCS Sport

Auf den 25 flachen Kilometern weigerte sich Cepeda, durch die Führung zu gehen. Durch die so entstandene Uneinigkeit verloren die Ausreißer bis zum Fuß des Schlussanstiegs etwas mehr als eine Minute. 12 Kilometer vor dem Ziel ritt Pinot eine erste Attacke, der nur Cepeda folgen konnte. Der Ecuadorianer half allerdings erneut nicht mit, so konnte Rubio die Lücke schließen. Nach einem weiteren vergeblichen Antritt Pinots wurde wieder das Tempo verschleppt. So konnte auch Gee wieder herankommen.

9,7 Kilometer vor dem Ziel griff der 25-jährige Kanadier an. Pinot konterte und riss dabei eine Lücke, die zunächst erneut nur noch Cepeda schließen konnte. Der EF-Profi hängte sich wieder an den Franzosen, am 8-Kilometer-Banner kam Rubio wieder ran. Für Pinot war dies das Zeichen zum nächsten Angriff. Seine Widersacher konnten der Spritzigkeit des Routiniers wieder nichts entgegensetzen, schlossen aber 6,6 Kilometer vor dem Ziel wieder zum Groupama-Profi auf.

Pinots Attacken verpuffen wirkungslos

Der wartete diesmal 300 Meter, bevor er ein weiteres Mal wegsprang. Die entstandene Lücke konnte Cepeda nun aber schnell schließen. Mit etwas mehr Mühe schaffte Rubio es ebenfalls. 5,2 Kilometer vor dem Ziel wendete sich das Blatt. Der Ecuadorianer griff an und Pinot schien nun müde zu sein. Als der Führende aber einige Zeit im Wind war, ließ der Franzose Rubio stehen und schloss die Lücke vier Kilometer vor dem Ziel. Den direkt folgenden Angriff parierte sein Gegner jedoch. Wieder kam auch nun Rubio wieder heran.

Danach gab Pinot seine Attacken auf und fuhr gemeinsam mit den beiden Südamerikanern in Richtung Ziel. Schon 500 Meter vor dem Ziel setzte Cepeda zum Sprint an, Rubio schloss jedoch auf und zog vorbei, auch Pinot lag nicht weit zurück. Verzweifelt versuchte er noch, die Lücke zum Movistar-Profi zu schließen, doch der ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen.

Dahinter passierte in der Gruppe der Favoriten nur wenig. Carthy (EF setzte sich gemeinsam mit Lorenzo Fortunato (EOLO – Kometa) ab und wurde schließlich Tagessechster. Kurz vor dem Ziel attackierte auch Dunbar, wurde aber vom heransprintenden Thomas eingeholt, so dass von den bestplatzierten Klassementfahrern nur Andreas Leknessund (DSM) ein paar Sekunden verlor.

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