Weltmeister an der Algarve in Gelb

Erster Olympiatreff der Zeitfahrer geht an Evenepoel

Von Peter Maurer aus Albufeira

Foto zu dem Text "Erster Olympiatreff der Zeitfahrer geht an Evenepoel"
Weltmeister Remco Evenepoel (Soudal – Quick Step) trägt nach dem Zeitfahren der Algarve-Rundfahrt das Gelbe Trikot. | Foto: Cor Vos

17.02.2024  |  (rsn) – Das Zeitfahren der Volta ao Algarve zieht zum Saisonauftakt immer auch die Spezialisten im Kampf gegen die Uhr in den Süden Portugals. Diesmal umso mehr, als mit den Olympischen Spielen in Paris kurz nach der Tour de France ein weiteres Highlight anstehen wird, in dem die Stars der Disziplin um die Goldmedaille kämpfen wollen.

Mit Weltmeister Remco Evenepoel (Soudal – Quick Step), Wout van Aert (Team Visma - Lease a Bike), Stundenweltrekordler Filippo Ganna (Ineos Grenadiers) sowie den Schweizern Stefan Küng (Groupama – FDJ) und Stefan Bissegger (EF Education – EasyPost) trafen in Albufeira die aktuell wohl weltbesten Zeitfahrer aufeinander. Mit Blick auf Paris lässt sich das Resümee ziehen, dass Weltmeister Evenepoel seine frühen Hausaufgaben am besten erledigt hat.

"Wenn du gewinnst, ist es immer ein perfektes Zeitfahren", erklärte der Belgier nach seinem zweiten Saisonsieg, mit dem er auch das Gelbe Trikot eroberte. Im Kampf um seinen dritten Gesamterfolg an der Algarve wollte Evenepoel nichts dem Zufall überlassen. "Ich habe mir gleich am Montag den Kurs dreimal angesehen und bin ihn heute noch zweimal abgefahren. Ich kannte alles und das war wichtig, weil es ein sehr technischer Kurs war. Insgesamt würde ich sagen, ich war nahe dran an der Perfektion", erzählte er weiter.

Sheffield liefert Fingerzeig für die Zukunft

Die meisten Beobachter waren sich sicher, dass Evenepoel der schwierige Parcours rund um Albufeira besser liegen würden als den großen und deutlich schwereren Zeitfahrspezialisten wie Ganna, Küng, van Aert oder Bissegger. Den besten Eindruck nach dem Belgier hinterließ allerdings keiner der genannten, sondern der US-Amerikaner Magnus Sheffield (Ineos Grenadiers), der 17 Sekunden hinter Evenepoel Zweiter wurde.

"Es ist mein Saisoneinstieg, auch die Algarve ist ein neues Terrain für mich. Wir haben viel am Setup gearbeitet und viel neues Material, an dem wir noch arbeiten. Es war ein bisschen ein Testlauf, aber jedes Zeitfahren zählt und daher willst du auch jedes gut anlegen", so der 21-Jährige, der sich mittlerweile auch im Kampf gegen die Uhr zu den Weltbesten zählen darf, auch wenn ihm im Gegensatz zu den anderen noch große Siege und Titel fehlen.

29 Sekunden fehlten Küng, der in seinem ersten Zeitfahren nach seinem schweren Sturz bei den Europameisterschaften Dritter wurde, obwohl auch ihm der Kurs nicht lag: "Das erste Einzelzeitfahren des Jahres ist immer schwierig. Es ging gut, aber herausragend war es auch nicht“, sagte der Schweizer, der auf den engen und teilweise verschmutzten Straßen das Risiko minimieren wollte. "Insgesamt bin ich auf gutem Weg, aber ich kann mich noch verbessern", war er sich sicher.

Ganna unzufrieden mit der Leistung, Bissegger mit dem Kurs

Der Tagessechste Ganna war angesichts von 47 Sekunden Rückstand sichtlich angefressen. "Ich hatte nicht das beste Gefühl heute", meinte er etwas kurz angebunden im Ziel und verwies wie Küng auf die schwere und hügelige Strecke, die es den Zeitfahrspezialisten schwer machte. "Es kommen noch bessere Tage für mich", war sich Ganna sicher.

Nach seinem Etappensieg vom Vortag verlor van Aert in Albufeira auf seinen Landsmann eine glatte Minute. Das versuchte der 29-Jährige, der zu Beginn der Rundfahrt als Mitfavorit gehandelt worden war, etwas herunterzuspielen. "Das war nicht einfach und so hat es sich auch angefühlt. Ich war nicht so vorbereitet, wie du es für so ein Zeitfahren sein musst, aber wir haben das so entschieden und ich bereue es auch nicht", bilanzierte van Aert, dessen Vorbereitung auf die Klassiker abzielt, wobei die Zeitfahrprüfung in Albufeira wohl seine einzige vor seiner Giro-Premiere war.

"Daran habe ich aber nicht gedacht. Es war jetzt ein guter Test, aber die Beine müssen noch besser werden“, sagte der Belgier. Mit den Beinen zufrieden war hingegen Bissegger, der sich mit dem Kurs aber nicht anfreunden konnte: "Es waren viele Löcher und viel Schotter am Straßenrand. Da musst du eigentlich froh sein, wenn du heil durchkommst“, sagte der Schweizer Zeitfahrmeister.

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