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14.12.2025 | (rsn) – Nach der schmerzhaften Niederlage gegen Simon Yates (Visma – Lease a Bike) im Finale des Giro d'Italia 2025 und einem fulminanten Herbst, in dem er bei den italienischen Klassikern von Sieg zu Sieg eilte, wird Isaac Del Toro (UAE – Emirates – XRG) auch in der kommenden Saison bereits im Frühjahr für Strade Bianche, Mailand-Sanremo und Tirreno-Adriatico nach Italien zurückkehren. Den Giro aber lässt der Mexikaner 2026 aus. Stattdessen ist sein großes Highlight das geplante Tour-de-France-Debüt an der Seite von Kapitän Tadej Pogacar.
"Die Idee ist, dass ich so schnell und so viel wie möglich von ihm lernen kann und mehr über das Rennen (die Tour) erfahre. Ich denke das ist gut für meine Zukunft", begründete Del Toro auf Nachfrage von radsport-news.com die von ihm und dem Team gemeinsam getroffene Entscheidung, 2026 nicht sofort wieder das verpasste Maglia Rosa zu jagen.
"Ich will die Tour genießen und erfahren, wie sie ist. Ich bin Giro und Vuelta je einmal gefahren und denke es ist gut, auch die Tour kennenzulernen", so der 22-Jährige am UAE-Medientag im Rahmen des Dezember-Teamcamps in Benidorm. Del Toro erklärte, dass sein Rennstall immer gerne Überzahlsituationen in den heißen Phasen der wichtigen Rennen kreiere und er auch dafür an Pogacars Seite sei. ___STEADY_PAYWALL___
Del Toro feiert seinen Sieg beim Gran Piemonte 2025 – einer von zehn UCI-Siegen des Mexikaners im Hebrst diesen Jahres. | Foto: Cor Vos
"Aber trotzdem wird es für mich eher ums Lernen gehen, als darum eine wichtige Rolle zu spielen", so der Mexikanische Doppelmeister, der daher im Trikot mit der Landesflagge seine erste Tour fahren wird. "Ich weiß nicht, ob es das in der Geschichte schon mal gab, aber für mich ist es auf jeden Fall etwas sehr Besonders", sagte er.
Gefragt, ob sich Pogacar ihn für die Tour an seiner Seite gewünscht habe, grinste Del Toro am Samstag: "Das müsst ihr ihn fragen. Aber was mich betrifft: Ich wollte als Kind immer dort sein, das war ein Traum. Jetzt steht die Tour in meinem Plan und für mich ist das toll."
Dass Teamkollegen für Grand-Tour-Kapitäne wichtig sind und aus einer Doppelspitze heraus – wie sie zum Beispiel Red Bull – Bora – hansgrohe mit Remco Evenepoel und Florian Lipowitz für die Tour 2026 plant – taktische Optionen entstehen, ist klar. Doch im Fall des UAE-Teams kann von einer Doppelspitze keine Rede sein, wen auch immer die Teamleitung Pogacar an die Seite stellt. Der Slowene ist das unangefochtene Alphatier im Team.
"Pogacar braucht mich nicht, um eine Grand Tour zu gewinnen", sagte am Samstag der Portugiese Joao Almeida, der statt der Co-Leader- oder Edelhelfer-Rolle bei der Tour im kommenden Jahr den Giro d'Italia und die Vuelta a Espana als Kapitän angehen wird. Er zieht es vor, beim Giro um den Sieg zu fahren, als bei der Tour in Pogacars Schatten zu arbeiten und vielleicht als Edelhelfer wie 2024 nochmal Vierter zu werden.
An der Mur de Kigali sorgte Del Toro (vorne) mit seinem Tempo dafür, dass Juan Ayuso (hinten) ihm und Pogacar (zweite Position) nicht mehr folgen konnte. | Foto: Cor Vos
Beim jüngeren Del Toro ist es genau andersherum. Er hat noch mehr zu lernen und wird sicher viel für Pogacar arbeiten. Trotzdem könnte auch der Mexikaner, wenn der Titelverteidiger 2026 ähnlich dominant auftritt wie in den vergangenen Jahren, die Möglichkeit haben, an Pogacars Seite zu glänzen – sei es mit einem Etappensieg wie Tim Wellens in diesem Jahr oder als zweiter UAE-Profi in den Top 5 oder Top 10 der Gesamtwertung, wie eben Almeida.
Beginnen wird Del Toros Saison mit der UAE Tour im Februar. Die Heimat-Rundfahrt seines Teams ist für die Geldgeber immer wichtig und so dürfte er schon dort auf Sieg fahren wollen – gemeinsam mit dem Australier Jay Vine, der die Emirate ebenfalls in seinem Programm hat. Im März dann will Del Toro Tirreno-Adriatico gewinnen, bei Strade Bianche und Mailand-Sanremo dagegen wird er die rechte Hand von Pogacar spielen, um dem Slowenen endlich auch zum Primavera-Sieg zu verhelfen.
Mit der Baskenland-Rundfahrt Anfang April endet Del Toros Frühjahrsprogramm und es geht via Höhentraining in Richtung Sommer und Tour de France. Doch auch kurz vor der Frankreich-Rundfahrt wird der Mexikaner seine Rundfahrts-Generalprobe 2026 voraussichtlich voll auf Ergebnis fahren dürfen. Denn für ihn ist im Juni die Tour Auvergne – Rhone-Alpes (bisher Critérium du Dauphiné, Anm. d. Red.) eingeplant, wogegen Pogacar erstmals in seiner Karriere die Tour de Suisse gewinnen will, bevor sich die Beiden zum Grand Départ der Tour de France in Barcelona einfinden. "Es gibt auf jeden Fall auch eigene Chancen für mich und die Möglichkeit, so ein neues Level zu erreichen", betonte Del Toro.
Schon 2024 gab Del Toro bei Mailand-Sanremo für Pogacar Vollgas. | Foto: Cor Vos
In Benidorm wurde der Mexikaner auch noch einmal zum unglücklichen Giro-Finale am Colle delle Finestre und in Richtung Sestriere befragt. Dort verlor er sein Rosa Trikot an Simon Yates, weil er sich zu sehr mit Richard Carapaz duellierte und vergaß, dass der Brite mit Wout van Aert noch einen Helfer in der Fluchtgruppe hatte, zu dem er aufschließen konnte und der ihm dann beim Herausfahren des nötigen Vorsprungs half.
Die Frage danach, wer dafür verantwortlich sei, beantwortete er mit nur einem Wort: "Ich." Und ob er ohne den Fehler, van Aert zu vergessen, den Giro gewonnen hätte? "Ja, ich denke schon." Eine Ein-Wort-Antwort bekamen die Kollegen auch auf eine andere Frage, nämlich ob Del Toro der nächste Superstar im Radsport werden könne: "Nein."
Insgesamt sprudelten in Benidorm auf den angesetzten Pressekonferenzen von Del Toro, Almeida und auch Pogacar nicht besonders viele Worte aus den Hauptdarstellern heraus. Ein weiteres Beispiel? Del Toro wurde gefragt, ob er nach dem Kampf ums Rosa Trikot im Mai und dem Siegeshagel bei den italienischen Herbstklassikern wisse, ob er Rundfahrten oder Eintagesrennen lieber mag. Die Antwort: "Natürlich, ja. Aber vielleicht sage ich es nicht." Warum nicht? "Das ist privat."
Der Moment, als Simon Yates (links) Del Toro (mittig in Rosa) und Carapaz (rechts) am Finestre beim Giro davonfuhr. | Foto: Cor Vos
Dafür erzählte er aus dem tatsächlich privaten Bereich noch etwas mehr – nämlich wie er zum Radsport gekommen ist und immer besser wurde: "Als Kind habe ich Fußball gespielt, bin geschwommen, habe Karate und Taekwondo ausprobiert – ich weiß nicht, was noch alles. Vielleicht etwas zu viel", lachte Del Toro und führte weiter aus: "Mein Bruder und ich haben dann beide mit dem Radfahren begonnen, und wenn man einen älteren Bruder hat, wird man ehrgeizig, will besser sein als er – und ich war eben der Jüngere."
Der Jüngere ist Del Toro auch in der Rundfahrerriege des UAE-Teams – und das Ziel ist dasselbe wie damals im familiären Umfeld: Er will sich am Älteren orientieren und irgendwann besser sein. "Viele Fahrer wollen auf Tadej folgen und auch ich will das natürlich versuchen. Es gibt keine Eile, aber natürlich will ich eines Tages besser sein als er", sagte Del Toro und erklärte RSN auch, wo er noch am meisten Verbesserungspotenzial sehe: "Vielleicht die Ausdauer. Daran arbeite ich noch nicht allzu viel und das ist vielleicht etwas, was ich noch verbessern könnte."
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