Offday bei Nys, Nieuwenhuis im Pech, van der Poel lauert

Antwerpen sorgt für Umsturz im Weltcup-Klassement

Von Kevin Kempf

Foto zu dem Text "Antwerpen sorgt für Umsturz im Weltcup-Klassement"
Thibau Nys (Baloise – Glowi Lions) lernte in Antwerpen ganz neue Fahrer kennen. | Foto: Cor Vos

21.12.2025  |  (rsn) – Wer bei der Fernsehübertragung des Weltcups in Antwerpen nach dem Weißen Trikot des Gesamtführenden suchte, wurde nur in den ersten beiden Minuten fündig. Das lag nicht daran, dass Thibau Nys (Baloise – Glowi Lions) früh ausgeschieden war, der Sieger der ersten beiden Rennen der Serie rollte als 23. Ins Ziel. Joris Nieuwenhuis (Ridley) kämpfte mit Laurens Sweeck (Crelan – Corendon) um die Übernahme der Führung, bis er in der letzten Runde einen Platten hatte, der dann auch noch einen Sturz verursachte.

Dass es überhaupt zu einem Kampf um das Weiße Trikot kommen könnte, schien vor dem Scheldecross fast unmöglich. Nys lag - obwohl er als einziger der Spitzenfahrer Terralba ausgelassen hatte - 17 Zähler vor den punktgleichen Nieuwenhuis und Michael Vanthourenhout (Pauwels Sauzen – Altez) sowie 24 vor Sweeck und machte zuletzt einen sehr starken Eindruck. Doch obwohl er in den Nachwuchskategorien alle großen Sandrennen gewonnen und im November bei der Europameisterschaft in Middelkerke Gold erst im Spurt gegen Toon Aerts (Deschacht – Hens) verloren hatte, klagte der Baloise-Profi in jüngster Zeit oft darüber, dass er nicht gut durch den Sand komme.

Nach Antwerpen schlug sein Sportlicher Leiter Eric Braes im Gespräch mit Wielerflits in die gleiche Kerbe. “Er hat nicht die beste Beziehung mit Sand. Aber heute war es kein technisches Sandcross. Es gab zwar viel Sand, aber es musste nicht viel in den Spuren gefahren werden. Man musste vor allem viel laufen. Das hätte eigentlich kein Problem sein dürfen, denn heute war es nicht sehr spezialistisch“, urteilte der Belgier.

Trotzdem spielte sein Schützling nie eine Rolle. Nach einem schlechten Start konnte er nur kurz in die Nähe der Top Ten vorrücken, bevor er dann langsam Positionen verlor. “Er hatte einen ziemlichen Offday. Er hat nie ins Rennen gefunden. Vielleicht bereitete der Rücken wieder Probleme, aber es kann auch mental gewesen sein“, suchte Braes nach Erklärungen, um dann weiter zu relativieren: “Er ist erst 23, solche Tage können immer mal vorkommen.“

So verlor Nys nach fünf von zwölf Rennen die Weltcupführung, im Klassement weist er drei Punkte Rückstand auf. Am heutigen Sonntag geht es in Koksijde direkt weiter – mit noch mehr Sand. Nys hatte das Rennen gerade diese Woche seinem Kalender hinzugefügt, doch nach der Vorstellung in Antwerpen machte er einen Rückzieher. “Das Ziel war es, den Weltcup zu gewinnen. Aber nach diesem Wettkampf kamen wir zu der Schlussfolgerung, dass es besser ist, Koksijde wieder zu streichen“, verriet Braes.

Platten und Sturz bei Nieuwenhuis

So hat sich die Ausgangslage vor der Hälfte der Serie komplett verändert. Sweeck hat als Zweiter von Antwerpen die Führung übernommen. Ihn jagten in der letzten Runde beim Scheldecross noch sein Teamkollege Emiel Verstrynge und Nieuwenhuis. Der Niederländer ließ den Belgier dann nur wenige Minuten vor dem Ziel langsam davonfahren. Den heranrauschenden Verfolger konnte er wenig später auch nicht folgen. Nur im Live-Timing war dann zu verfolgen, dass der Ridley-Fahrer einige Zeit still zu stehen schien und noch viele Positionen verlor. Eine Auflösung für das, was da geschehen war, gab es erst im Ziel.

Sein Team erklärte auf Instagram, dass Nieuwenhuis in der letzten Runde einen Platten gehabt hätte und aufgrund dessen gestürzt sei. Der Niederländer selbst konkretisierte: “Nach der ersten Hälfte der Schlussrunde hatte ich einen Platten. Ich bin so fast eine halbe Runde gefahren. In den Abfahrten merkte ich es kaum, aber auf einem Stück mit Kopfsteinpflaster rutschte ich weg“, erklärte der 29-Jährige.

Statt Platz drei oder vier steht nun Rang 16 im Ergebnis. Statt 25 Punkten konnte er seinem Konto lediglich 10 gutschreiben. Doch wichtiger als das ist die Gesundheit. “Es fühlt sich jetzt besser an als kurz nach dem Sturz. Ich hatte da kurz keine Kraft mehr im rechten Bein. Das war komisch, denn auf einem kurzen Hügel konnte ich keinen Druck setzen. Inzwischen geht es aber besser“, so der Ridley-Fahrer, der jetzt als Gesamtvierter 13 Punkte Rückstand aufweist.

Van der Poel lauert im Hintergrund

So hießen die Gewinner der Schlussrunde Niels Vandeputte (Alpecin – Deceuninck) und Vanthourenhout. Der Alpecin-Profi kam nach mäßigem Start immer besser ins Rennen und tauchte erst im Finale in der Gruppe auf, die um Platz fünf kämpfte. Durch das Pech von Nieuwenhuis ging es dann sogar um die vierte Position. Die sicherte sich in der vierköpfigen Verfolgergruppe Pim Ronhaar (Baloise – Glowi Lions), doch Vandeputte wurde Fünfter und schob sich damit im Klassement auf den gleichen Platz. Er liegt 16 Punkte hinter Sweeck und somit noch aussichtsreich im Rennen.

Vanthourenhout konnte den Schaden begrenzen. Auch er hatte keinen guten Tag, musste zeitweise Mees Hendrikx (Heizomat – Cube), der ihn lange begleitet hatte, fahren lassen und fiel sogar aus den Top Ten heraus. Auf den letzten beiden Runden kam er aber in seinen Rhythmus. Er holte den Heizomat-Niederländer wieder ein und fuhr auch noch an Nieuwenhuis vorbei auf Platz acht, was im Klassement Rang drei mit fünf Punkten Rückstand auf Sweeck bedeutet.

Zwischen den beiden Belgiern liegt Nys, der drei Zähler weniger auf dem Konto hat als der Führende. Da er Koksijde aber ebenfalls auslässt, sind seine Chancen auf den Gesamtsieg gering. Auf dem siebten Platz liegt Mathieu van der Poel (Alpecin – Deceuninck), der seine beiden Einsatze gewann und dabei von seinen 80 Punkten Rückstand nach drei Weltcup-Events 44 aufholte. In seiner Planung stehen in der Serie noch Koksijde, Gavere, Zonhoven, Benidorm, Maasmechelen und Hoogerheide.

Im Umkehrschluss heißt das, dass der Weltmeister nur Dendermonde auslassen wird. Und da Pläne im Cross oft gemacht werden, um sich nicht daran zu halten, kann sich auch das noch ändern - vor allem wenn der Gesamtsieg in greifbare Nähe rücken sollte. Sweeck gilt im Allgemeinen nicht als der stabilste der Topfahrer, gerade auf Strecken mit vielen Höhenmetern hat der Sandspezialist oft Probleme. Diesbezüglich muss der Belgier, der in Namur gerade auf Platz 16 kletterte, aber nur noch Gavere fürchten.

Mehr Informationen zu diesem Thema

31.01.2026UCI stellt vorläufigen Weltcup-Kalender für 2026/2027 vor

(rsn) – Im Rahmen der Cross-WM in Hulst hat der Radsportweltverband UCI den vorläufigen Weltcup-Kalender für 2026/2027 vorgestellt. Der umfasst weiterhin zwölf Wettbewerbe, die Hälfte davon wird

25.01.2026Van der Poel auch beim Grand Prix seines Vaters in eigener Liga

(rsn) – Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) hat zum neunten Mal den GP Adrie van der Poel gewonnen. Wie schon am Vortag beim Weltcup in Maasmechelen fuhr der Weltmeister der Konkurrenz b

25.01.2026Pieterse macht das ideale Wochenende in Hoogerheide perfekt

(rsn) – Das Wochenende vor der Weltmeisterschaft in Hulst hätte für Puck Pierse (Fenix – Premier Tech) nicht besser laufen können. Einen Tag nach ihrem Sieg beim Weltcup von Maasmechelen war si

25.01.2026Die Highlights vom Cross-Weltcup in Maasmechelen im Video

(rsn) - Mathieu van der Poel (Alpecin - Premier Tech) bleibt im Cross eine Klasse für sich. Auch zwei Reifenschäden konnten seinen elften Saisonsieg - den 22. in Serie - nicht verhindern. Beim Weltc

24.01.2026Trotz zweier Platten: van der Poel feiert 50. Weltcup-Sieg

(rsn) - Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) bleibt in diesem diesen Winter weiter ungeschlagen. Beim Weltcup in Maasmechelen konnten auch zwei Reifenschaden seinen elften Saisonsieg und de

24.01.2026Pieterse erstmals nach zwei Jahren im Weltcup wieder vorn

(rsn) – Nach mehr als zwei Jahren durfte Puck Pieterse (Fenix – Premier Tech) wieder aufs höchste Podest eines Weltcups steigen. In Maasmechelen setzte sich die Niederländerin zehn Sekunden vor

24.01.2026Mit PTSS übers Zechengelände

(rsn) – Wann immer es zeitlich möglich ist, veröffentlicht Puck Pieterse (Fenix – Premier Tech) auf ihrem Youtube-Kanal einen Tag vor ihrem nächsten Cross-Einsatz ein ungeschnittenes "Recon"-Vi

22.01.2026Van der Poel jagt in Maasmechelen Weltcup-Rekord von Svyn Nys

(rsn) – Cross-Weltmeister Mathieu van der Poel (Alpecin – Deceuninck) peilt am Samstag in Maasmechelen nicht nur seinen 22. Sieg in Serie an. Sollte der Niederländer den vorletzten Weltcup dieses

18.01.2026Van der Poel mit zwei Fingern in der Nase und einem Rad in der Luft

(rsn) – Vor zwei Jahren kassierte Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) beim Weltcup in Benidorm seine letzte Niederlage, am Sonntag ließ er in der spanischen Sonne nichts anbrennen. Der

18.01.2026Nach 16 sieglosen Tagen: Brand bricht in Benidorm den Bann

(rsn) – Nach zwei sieglosen Rennen in Folge hat Lucinda Brand (Baloise – Het Poetsbureau Lions) beim Weltcup im spanischen Benidorm nach 16 Tagen erstmals wieder zugeschlagen und ihren 18. Sieg im

17.01.2026Hin und her: Van der Poel nun doch in Benidorm am Start

(rsn) – Mathieu van der Poel hat sich kurzfristig entschlossen, am Sonntag doch beim Cross-Weltcup im spanischen Benidorm zu starten. Erst am Donnerstag hatte der Niederländer gesagt, er werde das

07.01.2026Roodhooft: Van der Poel “war einfach so, wie er sein musste“

(rsn) – In der Weihnachtsperiode hat Niels Vandeputte zwei Crossrennen im Trikot von Alpecin – Deceuninck und im neuen Jahr dem von Alpecin – Premier Tech gewonnen. Doch Fahrer der belgischen Ma

Weitere Radsportnachrichten

08.11.2026Del Toro schlägt Seixas in Singapur

(rsn) – Der Tour-de-France-Dritte Isaac Del Toro (UAE – Emirates – XRG) hat in Singapur dem Tour-Vierten Paul Seixas (Decathlon – CMA GCM) das Nachsehen gegeben und sich den Sieg beim hochklas

08.11.2026Cant schließt rechtliche Schritte gegen Jury-Entscheidung nicht aus

(rsn) – Nach der Aberkennung ihres Sieges im Frauenrennen der Cross-Europameisterschaften erwägt das Lager von Marie Schreiber rechtliche Schritte gegen die umstrittene Entscheidung der Jury, nach

08.11.2026Peers wird vor seinem Grenke-Teamkollegen Heeren Europameister

(rsn) – Der Belgier Lars Peers ist neuer Cross-Europameister der Junioren. Der 16-Jährige machte in Zeddam in der vierten Runde Ernst, schloss zu Weltmeister Delano Heeren auf und ließ ihn kurz da

07.11.2026Highlight-Video des EM-Crossrennens der Frauen

(rsn) – Zwar musste sich Weltmeisterin Lucinda Brand im EM-Crossrennen der Frauen im Sprint ihrer Konkurrentin Marie Schreiber geschlagen geben. Nach langer Beratung entschied die Jury dann aber, da

07.11.2026TotalEnergies schafft offenbar Last-Minute-Rettung

(rsn) – Das französische ProTeam TotalEnergies hat wohl doch eine Zukunft. Dem langjährigen Teamchef Jean-Rene Bernaudeau ist es offenbar noch gelungen, einen neuen Hauptsponsor für die kommende

07.11.2026Schreiber emotional: “Es ist respektlos“

(rsn) – Es waren geradezu absurde Szenen bei der Siegerehrung der Frauen-Elite bei der Cyclocross-EM in Zeddam. Nur zwei statt drei Fahrerinnen ließen sich ehren: Die Siegerin Lucinda Brand und ih

07.11.2026Vanthourenhout entschuldigt sich nach Auseinandersetzung

(rsn) – Michael Vanthourenhout hat sich nach seiner hitzigen Auseinandersetzung beim Superprestige in Middelkerke bei seinem Kontrahenten Cameron Mason entschuldigt. Er habe sich die Bilder noch ei

07.11.2026Brand erobert Europameistertitel am Grünen Tisch

(rsn) – Mehr als zwanzig Minuten wähnte sich Marie Schreiber als Cross-Europameisterin. Dann kam die Einblendung, dass sie auf den zweiten Platz deklassiert worden war – der Titel gehörte der Ni

07.11.2026Toptalent Sparfel wird in Zeddam seiner Favoritenrolle gerecht

(rsn) – Aubin Sparfel hat seine Favoritenrolle wahr gemacht und das EM-Rennen der U23 im Vierersprint gewonnen. Bei den Cross-Titelkämpfen in Zeddam war er der mit Abstand aktivste Fahrer, konnte a

07.11.2026Huys schlägt Huber beim EM-Auftakt in Zeddam

(rsn) – Lentel Huys hat Belgien zum Auftakt der Cross-EM in Zeddam die erste Goldmedaille beschwert. Bei den Juniorinnen war sie neun Sekunden vor der Schweizerin Shana Huber, die letzten Winter sow

07.11.2026Spekenbrink: “Das Bild ist irreführend“

Iwan Spekenbrink, der Chef des niederländischen Rennstalls Picnic – PostNL, der nach Berichten von NOS Sport und In De Waaier über eine “Angstkultur“ im Team in der Kritik steht, hat sich erst

07.11.2026Schreiber plant umfassendes Cross-Programm

(rsn) – Marie Schreiber (SD Worx – ProTime) wird in diesem Winter einen sehr vollen Cyclocross-Kalender absolvieren. Die niederländische Equipe der Luxemburgerin gab ihren Zeitplan in einer Pre

RADRENNEN HEUTE
  • Keine Termine