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04.02.2026 | (rsn) – Es war wahrlich kein einfaches Jahr für den französischen (Männer-)Radsport. Die ganz großen Erfolge auf höchstem Level waren dünner gesät als in der Vergangenheit. Dazu musste die Grande Nation dabei zusehen, wie sich einige große Namen, allen voran Romain Bardet und Arnaud Démare, in den sportlichen Ruhestand verabschiedeten.
Und dann mussten die Franzosen auch noch verkraften, dass ihre zahlenmäßige Dominanz bei den WorldTeams auf einen Schlag den Bach runter ging, nachdem Arkéa – B&B Hotels aufgelöst wurde und Cofidis die sportlichen Kriterien nicht erfüllen konnte, um in der ersten Liga des Radsports zu bleiben.
Das französische Traditionsteam, das 1997 gegründet wurde und seitdem immer denselben Hauptsponsor – und nie einen zweiten Namenspartner – hatte, kennt zwar die Zweitklassigkeit, nachdem Cofidis die kompletten 2010er Jahr als ProTeam unterwegs gewesen war. Doch jeder Abstieg bringt seine Probleme mit sich, meistens sind sie finanzieller Natur. 2024 hatte das Telekredit-Unternehmen Cofidis seinen Sponsorenvertrag bis 2028 verlängert, machte damit die 30 Jahre voll.
An der Höhe des Budgets scheiden sich allerdings die Geister. Konservative Schätzungen gehen von jährlich 13 Millionen Euro aus, die optimistischsten liegen bei 24 Millionen. Die Wahrheit dürfte, wie so oft, irgendwo dazwischen liegen, mit Tendenz zur unteren Grenze, mindestens mal nach dem Abstieg. ___STEADY_PAYWALL___
Sportlich hingegen wirkt sich der neue Status erstmal nicht negativ aus. Als eines der zwei besten ProTeams wird die Equipe automatisch zu allen WorldTour-Rennen eingeladen. Fraglich hingegen ist, was sie mit diesen Einladungen anfangen kann. Mit der zum Giro d`Italia, so scheint es, offenbar nicht viel. Denn anders als etwa die Tour und andere WorldTour-Rennen taucht die Italien-Rundfahrt nicht im Kalender auf, den das Team auf seiner Website präsentiert. Dort fehlen unter anderem auch Strade Bianche, Tirreno-Adriatico, die Katalonien-Rundfahrt oder aber die beiden großen Schweizer Rundfahrten.
Dieser Zug der Sportlichen Leitung ist allerdings durchaus nachvollziehbar. Denn auch wenn der Kader mit 30 Fahrern das Maximum umfasst, fehlt es doch an Profis, die auf höchstem Niveau mithalten können. Zudem sieht das Team Chancen, bei kleineren Parallelrennen im Kalender Erfolge zu feiern, wenn sich die Stars bei den Hauptevents tummeln.
Zumindest hat der Kader im Winter trotz des Abstiegs zumindest auf dem Papier nicht allzu viel an Qualität eingebüßt. Zwar findet sich bei den sieben Zugängen auf den ersten Blick kein Siegfahrer. Doch auch die acht Abgänge sind überschaubar. Ein in die Jahre gekommener Jesus Herrada war schon länger kein Garant mehr für Top-10-Ergebnisse. Am meisten schmerzt da noch der Verlust von Stefano Oldani.
Auf Milan Fretin liegen die größten Hoffnungen auf Erfolg bei Cofidis im Jahr 2026.| Foto: Cor Vos
Und so wird es vor allem wieder an Milan Fretin liegen, Erfolge einzufahren. Der Sprinter war mit drei Siegen für ein Drittel der gesamten Ausbeute des Jahres 2025 verantwortlich. Mit Bryan Coquard und Alex Aranburu hat Cofidis zwei weitere gute Sprinter im Team. Vor allem der Spanier sorgte für mehrere Top-5-Ergebnisse auch auf WorldTour-Niveau. Bei kleineren Rennen dürfte auch etwas mehr als nur ein Sieg herausspringen. Dazu kommt auch noch der Pole Stanislaw Aniolkowski, der bei Massenankünften verlässlich vordere Ergebnisse einfahren kann.
Geht es bergauf, steht Cofidis allerdings nahezu auf verlorenem Posten. Ion Izagirre und Dylan Teuns haben ihren Zenit längst überschritten. Und auch die großen Hoffnungen, die das Team in die Verpflichtung von Emanuel Buchmann gelegt hatte, haben sich zerschlagen. An 82 Renntagen schaffte es der frühere Tour-Vierte lediglich drei Mal in die Top 10 – die Deutschen Meisterschaften eingeschlossen. Lediglich beim Criterium du Dauphiné ließ der 33-Jährige nochmal erahnen, warum er zumindest kurzzeitig zu den besten Rundfahrern der Welt gehörte.
Da nun aber auch der Wechsel weg von Red Bull – Bora – hansgrohe nicht wirklich gefruchtet hat, schwinden auch die Hoffnungen, dass es bei Buchmann noch mal signifikant bergauf geht. Aus Mangel an Alternativen wird er das Team bei der Tour dennoch wieder anführen.
Zwar zählen mit Yael Joalland und Louis Rouland zwei junge und talentierte Franzosen zu den insgesamt sieben Neuzugängen, die bei französischen 2.1-Rundfahrten mit dem einen oder anderen Berg schon in die Top 5 gefahren sind. Reif genug, um bei der Tour oder anderen großen Rennen abzuliefern, sind sie aber noch nicht. Das Potenzial hat keiner der Neuzugänge.
Reichlich Erfahrung hingegen hat der Luxemburger Alex Kirsch. Wie der 33-Jährige die am besten einbringen, wird sich zeigen. Eine Rolle als Road Captain ist wahrscheinlicher, als dass der vormalige Profi von Lidl – Trek nochmal selbst für Ergebnisse sorgen muss.
Hugo Page wechselt von Intermarché - Wanty zu Cofidis und stärkt dort die Sprinterfraktion. Gleichwohl kann sich der Franzose auch auf klassischem Terrain behaupten. | Foto: Cor Vos
Das dürfte eher der Job von Jenthe Biermans werden. Drei Siege hat der 30 Jahre alte Belgier ist in seiner Karriere eingefahren. Biermans ist Eintagesspezialist mit vorzeigbarer Endschnelligkeit und durchaus dazu in der Lage, auch den einen oder anderen Hügel zu überstehen.
Ganz ähnlich sieht es auch bei Hugo Page aus. Der 24-Jährige Franzose ist “Fusionsopfer“ von Intermarché – Wanty. 2023 war er beim Sieg von Marius Mayrhofer beim Cadel Race Zweiter, aber auch schon Vierter einer Vuelta-Etappe, bei der ein reduziertes Feld zum Sprint antrat. Dass er im Zweifel aber auch gegen reine Sprinter antreten, zeigte die Premiere des Copenhagen Sprint im vergangenen Jahr, die Page auf flachem Terrain als Sechster beendete.
Dass er noch in der Lage ist, gute Ergebnisse einzufahren, bewies Benjamin Thomas im vergangenen Jahr ebenfalls – allerdings nur sehr selten. Hervorzuheben ist dabei aber auf jeden Fall Rang zwei bei der Coppa Sabatini, bei der nur der Überflieger des italienischen Herbstes, Isaac Del Toro, besser war.
Die fehlende Konstanz begleitet den Giro-Etappensieger von 2024 nun aber schon seit geraumer Zeit. Schafft er es, seine Leistungen nochmal zu stabilisieren, kann auch der mittlerweile 30-jährige Thomas für sein Team ganz wichtig werden.
Findet Benjamin Thomas zu Konstanz, kann er Cofidis im ersten Jahr nach dem Abstieg aus der WorldTour viele Punkte liefern. | Foto: Cor Vos
Das Aufgebot:
Piet Allegaert (Belgien / 31 Jahre), Stanislaw Aniolkowski (Polen / 29), Alex Aranburu (Spanien / 30), Jenthe Biermans (Belgien / 30), Emanuel Buchmann (Deutschland / 33), Simon Carr (Großbritannien / 27), Camille Charret (Frankreich / 19), Bryan Coquard (Frankreich / 33), Nicolas Debeaumarché (Frankreich / 27), Valentin Ferron (Frankreich / 27), Milan Fretin (Belgien / 24), Ion Izagirre (Spanien / 36), Clément Izquierdo (Frankreich / 23), Yael Joalland (Frankreich / 25), Alex Kirsch (Luxemburg / 33), Oliver Knight (Großbritannien / 24), Jan Maas (Niederlande / 29), Sam Maisonobe (Frankreich / 22), Jamie Meehan (Irland / 22), Sylvain Moniquet (Belgien / 28), Paul Ourselin (Frankreich / 31), Hugo Page (Frankreich / 24), Alexis Renard (Frankreich / 26), Ludovic Robeet (Belgien / 31), Louis Rouland (Frankreich / 23), Sergio Samitier (Spanien / 30), Dylan Teuns (Belgien / 33), Benjamin Thomas ( Frankreich / 30), Damien Touzé (Frankreich / 29), Edoardo Zamperini (Italien / 22)
Davon Neuzugänge:
Jenthe Biermans (Arkéa – B&B Hotels), Alex Kirsch (Lidl – Trek), Hugo Page (Intermarché – Wanty), Louis Rouland (Arkéa – B&B Hotels), Yael Joalland (CIC – U – Nantes), Edoardo Zamperini (Italien / Arkéa – B&B Hotels), Camille Charret (VC Villefrance Beaujolais)
Teamleitung:
Manager: Raphael Jeune
Sportdirektor: Gorka Gerrikagoitia
Sportliche Leiter: Bingen Fernandez, Benjamin Giraud, Roberto Damiani, Sebastien Demarbaix, Sebastien Hinault, Jean Luc Jonrond, Edvaldas Siskevicius
Material:
Rahmenhersteller: Look
Gruppe: Campagnolo
Laufräder: Campagnolo
Reifen: Vittoria
Trikot: Etxeondo
Helm: Uvex