--> -->
26.01.2026 | (rsn) – Shootingstar Paul Magnier gewann 2025 in seinem zweiten Jahr als Profi 19 Rennen, mehr Siege hatte nur Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) eingefahren. Tim Merlier war der Berufsradfahrer mit den drittmeisten Siegen. Er kam 16 Mal als Erster ins Ziel und wurde in der gesamten Saison nur in vier Spurts geschlagen, womit er mit Fug und Recht als der beste Sprinter 2025 bezeichnet werden darf. Trotzdem drehte sich bei Soudal – Quick-Step fast alles nur um einen Mann: Remco Evenepoel.
Und genau der hat die Mannschaft nun in Richtung Red Bull – Bora – hansgrohe verlassen. Ein passender Ersatz wurde nicht geholt – und den gäbe es vermutlich auch gar nicht. Der Fokus bei Soudal hat sich geändert. Statt wie in der Vergangenheit die Einkaufspolitik auf den belgischen Superstar auszurichten, wurde nun vor allem an die glorreichen Zeiten des Rennstalles zurückgedacht. Mit den Altstars Dylan van Baarle und Jasper Stuyven wurden zwei frühere Sieger von Frühjahrsmonumenten geholt. Bei den gleichen Wettkämpfen soll Laurenz Rex glänzen.
___STEADY_PAYWALL___Die Bergfahrerfraktion, die auch noch Mattia Cattaneo, James Knox, Pieter Serry und Antoine Huby verlor, wurde mit Filippo Zana und Steff Cras angereichert. Aus Evenepoels Zeiten verbleiben Mikel Landa, Ilan van Wilder, Gianmarco Garofoli, William Junior Lecerf, Valentin Paret-Peintre, Mauri Vansevenant, Louis Vervaeke und Maximilian Schachmann. Das ist eine in der Breite starke Phalanx, aber als echte Spitze ist nur der inzwischen 35-jährige Landa einsetzbar. Das Fehlen eines großen Stars bietet aber jüngeren Athleten die Chance, aus dessen Schatten herauszuklettern.
Ilan Van Wilder (rechts) muss bei Soudal – Quick-Step 2026 ohne den zu Red Bull abgewanderten Remco Evenepoel auskommen. | Foto: Cor Vos
Trotzdem ist das Team insgesamt vor allem in den Sprints brandgefährlich. Mit Luke Lamperti konnte sich der mit Abstand beste U23-Sprinter des Jahres 2023 nicht bei Soudal durchsetzen. Er hat sich darum in Richtung EF Education – EasyPost abgesetzt. Ersetzt werden soll der Abgang durch den dreifachen Grand-Tour-Etappensieger Alberto Dainese. Den Sprintzug sollen - neben den Klassikerspezialisten – Fabio van den Bossche und U23-Zeitfahr-Europameister Jonathan Vervenne verstärken.
Die beiden Sprintstars Merlier und Magnier wird man wohl selten im gleichen Rennen sehen. Beide haben bewiesen, dass sie auch ohne den anderen erfolgreich sein können. So kann sich Soudal als eines der wenigen Teams in allen Grand Tours bei den Flachetappen in die Sprintentscheidung einmischen. Magniers Debüt bei dreiwöchigen Rundfahrten verlief beim Giro 2025 mit nur drei Top-Ten-Platzierungen noch recht farblos, doch die dort gewonnene Erfahrung und Rennhärte haben den 21-Jährigen sicherlich noch stärker gemacht – was er schon im Herbst eindrucksvoll bewiesen hat.
Merliers Qualitäten sind unbestritten, gerade bei Grand Tours hat der Belgier allerdings gelegentlich - auch durch Stürze - doch seine Probleme. So hat er “erst“ sieben Etappenerfolge einheimsen können, vier beim Giro und drei bei der Tour. Sein Siegkonto bei Grand Tours hat der 33-Jährige Ex-Crosser allerdings auch erst 2021 eröffnet.
Paul Magnier durfte letzte Saison 19 Mal wie hier bei der Tour of Guangxi (2.UWT) jubeln. | Foto: Cor Vos
Im Alter von Merlier spiegelt sich eines der Probleme des Teams wieder: Es ist ziemlich betagt. Ende dieses Jahres werden zwölf der 30 Profis 30 Jahre oder älter sein. Magnier ist für die Mannschaft natürlich eine gewaltige Option auf die Zukunft, doch bei den anderen Spezialgebieten hinkt der eigene Nachwuchs etwas hinterher. Auch beim eigenen Devo-Team lässt sich zurzeit kein Heilsbringer ausmachen und die, die in den letzten Jahren mit guten Ergebnissen den teaminternen Aufstieg geschafft haben, haben sich mit Ausnahme von Lecerf bei den Profis nicht oder kaum weiterentwickelt.
Mit van Baarle und Stuyven hat Soudal zwei sehr ähnliche Fahrer fürs Frühjahr verpflichtet. Während der Niederländer wegen zahlreicher Verletzungen in den letzten beiden Jahren fast komplett ergebnislos im Peloton unterwegs war, konnte Stuyven als klare Nummer zwei hinter Mads Pedersen bei Lidl – Trek agieren. Als die reichte es letzte Saison bei den Kopfsteinklassikern immerhin zu Platz fünf bei der E3 Classic (1.UWT) und der Flandern-Rundfahrt (1.UWT).
Nun übernimmt er erneut die Kapitänsbinde und das sollte zumindest zu regelmäßigeren Topergebnissen führen. Ob er im direkten Duell gegen Pedersen, Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech), Wout van Aert (Visma – Lease a Bike) oder Pogacar erfolgreich sein kann, ist fraglich, aber wenn van Baarle zu alter Stärke zurückfindet, kann Soudal auch durch mannschaftliche Geschlossenheit ein gefährlicher Block sein.
Die Klassiker-Veteranen Dylan van Baarle (links) und Jasper Stuyven (rechts) wurden bei der WM in Flandern 2021 Zweiter und Vierter. | Foto: Cor Vos
Seit 2022 lief es bei Schachmann nicht mehr nach Wunsch, die großen Erfolge blieben sowohl bei den Rundfahrten als auch den hügeligen Klassikern plötzlich aus. Als Grund dafür kann der 32-Jährige viele Krankheiten und Verletzungen anführen. Nach seinem Wechsel zurück zu Soudal lief es aber zumindest im Frühjahr wieder ausgezeichnet. Er wurde Fünfter bei der Volta ao Algarve (2.Pro) und mit einem Etappensieg im Gepäck fuhr er bei der Baskenland-Rundfahrt (2.UWT) als Dritter aufs Podium. Das Zeitfahren, in den letzten Jahren eine Art Wackeldisziplin, klappte nach akribischer Arbeit wieder deutlich besser.
Durch den Abgang von Evenepoel bieten sich Schachmann im neuen Jahr auch wieder neue Freiheiten. Bei den Ardennenklassikern und anderen Rundfahrten, kann er wieder seine eigenen Chancen wahrnehmen, denn einen eindeutigen Kapitän gibt es in den Bereichen, die dem Deutschen liegen, nicht mehr. Ob ein Sieg wie bei Paris-Nizza (2.UWT), das er 2020 und 2021 gewann, noch einmal drin ist, ist aufgrund der Konkurrenz inzwischen fragwürdig, aber für Etappenerfolge und Spitzenplatzierungen ist Schachmann nach wie vor gut.
Ayco Bastiaens (Belgien / 29), Steff Cras (Belgien / 29), Alberto Dainese (Italien / 27), Pascal Eenkhoorn (Niederlande / 28), Gianmarco Garofoli (Italien / 23), Gil Gelders (Belgien / 23), Ethan Hayter (Großbritannien / 27), Yves Lampaert (Belgien / 34), Mikel Landa (Spanien / 36), William Junior Lecerf (Belgien / 23), Paul Magnier (Frankreich / 21), Tim Merlier (Belgien / 33), Valentin Paret-Peintre (Frankreich / 25), Caspar Pedersen (Dänemark / 29), Andrea Raccagni (Italien / 21), Pepijn Reinderink (Niederlande / 23), Laurenz Rex (Luxemburg / 26), Maximilian Schachmann (Deutschland / 32), Jasper Stuyven (Belgien / 33), Martin Svrcek (Slowakei / 22), Dylan van Baarle (Niederlande / 33), Fabio Van den Bossche (Belgien, 25), Dries Van Gestel (Belgien / 31), Bert Van Lerberghe (Belgien / 33), Ilan Van Wilder (Belgien / 25), Warre Vangheluwe (Belgien / 24), Mauri Vansevenant (Belgien / 26), Louis Vervaeke (Belgien / 32), Jonathan Vervenne (Belgien / 22), Filippo Zana (Italien / 25)
Steff Cras (TotalEnergies), Alberto Dainese (Tudor), Laurenz Rex (Intermarché – Wanty), Jasper Stuyven (Lidl – Trek), Dylan van Baarle (Visma – Lease a Bike), Fabio Van den Bossche (Alpecin – Deceuninck), Jonathan Vervenne (Soudal – Quick Step Devo), Filippo Zana (Jayco – AlUla)
Manager: Jurgen Foré
Sportliche Leiter: Davide Bramati, Klaas Lodewyck, Wilfried Peeters, Iljo Keisse, Geert Van Bondt, Dries Devenyns, Tom Steels, Kevin Hulsmans
Rahmenhersteller: Specialized
Gruppe: Shimano
Laufräder: Roval
Reifen: Specialized
Trikot: Castelli
Helm: Specialized