Schmid Vierter beim Cadel Race

Andresen schlägt Brennan in Geelong mit Geduld und Cleverness

Von Felix Mattis

Foto zu dem Text "Andresen schlägt Brennan in Geelong mit Geduld und Cleverness"
Tobias Lund Andresen (Decathlon - CMA CGM) jubelt in Geelong. | Foto: Cor Vos

01.02.2026  |  (rsn) – Tobias Lund Andresen hat nach seinem Etappensieg bei der Tour Down Under (2.UWT) in Tanunda und zwei zweiten Plätzen in Nairne und Tanunda mit einem Triumph beim Cadel Evans Great Ocean Road Race (1.UWT) den perfekten Schlusspunkt unter seinen australischen Saisonauftakt gesetzt.

Beim ersten WorldTour-Eintagesrennen der Saison in Geelong nahe Melbourne setzte sich der 23-jährige Däne im Sprint eines im schweren Finale auf 21 Mann geschrumpften ersten Feldes vor Matthew Brennan (Visma – Lease a Bike) aus Großbritannien und dem Australier Brady Gilmore (NSN) sowie dem Schweizer Meister und Titelverteidiger Mauro Schmid (Jayco – AlUla) durch.

Der Neuseeländer Laurence Pithie wurde für Red Bull – Bora hansgrohe) hinter dem Eritreer Natnael Tesfatsion (Movistar) Sechster. Marco Brenner und Florian Stork (beide Tudor) erreichten das Ziel nach 182,3 Kilometern ebenfalls in der ersten Gruppe und belegten die Plätze 16 und 17.

Andresen hatte im Sprintfinale clever und cool agiert, während Brennan mit etwas zu viel Gier einen Vorstoß des Australiers Luke Plapp (Jayco – AlUla) auf dem Schlusskilometer parierte, von diesem dann 300 Meter vor dem Zielstrich sehr früh in den Wind gesetzt wurde und sofort lossprintete.

Der Däne dagegen wartete noch im Windschatten und zog dann auf den letzten Metern vorbei, als Brennan langsamer wurde. Beide Sprinter hatten nach der letzten Passage des das Rennen sortierenden Challambra-Anstiegs (1,1 km bei 8,6%) auf den letzten neun Kilometern keine Teamkollegen mehr an ihrer Seite.

"Es ist hier immer Fifty-Fifty, ob es einen Sprint gibt oder nicht", sagte Andresen im Sieger-Interview und gab zu: "Ich wollte selbst auch früh lossprinten, weil das hier oft gut funktioniert." Ganz so früh, wie Brennan von Plapp aber in den Sprint gezwungen wurde, als der Australier an der 300-Meter-Marke ausscherte, wäre es aber auch Andresen nicht lieb gewesen. Da war der Däne froh, sich hinter Top-Favorit Brennan einsortiert zu haben.

"Das war perfekt für mich", meinte er und erklärte: "In die Situation (von Brennan, Anm. d. Red.) kann man kommen – und vielleicht bin es beim nächsten Mal ich. Aber so war es ein perfektes Szenario für mich."

Im Rennverlauf, so erklärte Andresen, hatte er sich mit Hilfe seines Teams lange zurückhalten können. "Bei den ersten drei Auffahrten in Challambra habe ich mich immer durchreichen lassen und hatte dann meine Teamkollegen bei mir, die mich wieder vorgebracht haben. Dann haben sie mich für die letzte Passage ganz vorne reingefahren und perfekt positioniert. Wenn sie so für Dich arbeiten, dann willst Du das auch zurückgeben", so der Sieger.

So lief das Cadel Evans Great Ocean Road Race:

Direkt mit dem Startschuss setzte sich Julian Baudry (Nationalteam Australien), Oliver Peace (Picnic – PostNL) und Vegard Stake Laengen (UAE – Emirates – XRG) aus dem Hauptfeld ab. Das Trio fuhr schnell knapp drei Minuten Vorsprung heraus, dann aber wude auch hinten beschleunigt und der Abstand in Grenzen gehalten, bis die Ausreißer kurz vor der ersten Zielpassage 65 Kilometer vor Rennende bereits wieder gestellt waren.

Drei Runden auf dem 20,5 Kilometer langen Parcours von Geelong über Challambra Crescent und die steile, kurze Rampe in der Melville Avenue warteten nun und an jedem der Anstiege wurde attackiert – besonders aktiv dabei: Bahrain Victorious mit Santiago Buitrago. Eine richtige Gruppe bildete sich aber nie.

Gut 25 Kilometer vor dem Ziel setzten sich dann nach den Anstiegen auf den flachen fünf Kilometern vor dem Ende der vorletzten Runde Anders Skaarseth (Uno-X Mobility) und Chris Harper (Nationalteam Australien) aus dem Peloton ab. Sie fuhren bis zu 20 Sekunden Vorsprung heraus, wurden aber bei der letzten Challambra-Passage 9,5 Kilometer vor Schluss ebenfalls wieder gestellt.

Das Streckenprofil des Männer-Rennens in Geelong. | Grafik: Cadel Evans Great Ocean Road Race

Dort setzte Luke Plapp für Jayco – AlUla ein sehr hohes Tempo, mit Schmid an seinem Hinterrad, und der Schweizer attackierte über die Kuppe. An etwa 20. Stelle entstand am Ende der steilen Rampe ein Riss und mit dieser Gruppe ging es die Abfahrt hinunter zum Gegenanstieg in der Melville Avenue. Dort griff Buitrago ein weiteres Mal an und Luke Lamperti (EF Education – EasyPost) folgte dem Kolumbianer sofort.

Das Duo riss eine kleine Lücke, 5,5 Kilometer vor Schluss sprangen aber mit Brennan und Stork weitere Fahrer zu ihnen vor und an der 4.000-Meter-Marke waren wieder rund 20 Mann beisammen – aufgereiht in einer langen Kette. Nun hagelte es Attacke nach Attacke, unter anderem auch durch Brenner, doch niemand konnte sich mehr lösen, da immer wieder andere Fahrer hinterhersprangen – unter Kontrolle hatte die Situation zwar kein Team mehr, trotzdem aber kam es zur Sprintankunft.

Plapp versuchte auf dem Schlusskilometer noch einen letzten Vorstoß und lockte damit Brennan aus der Deckung. Der britische Youngster hatte keinen Teamkollegen mehr an seiner Seite, sprang selbst ans Hinterrad des Australiers und saß von da an in zweiter Position des Feldes – mit Andresen direkt an seinem Hinterrad. Da auch Schmid an fünfter Stelle recht gut positioniert war, verlängerte Plapp seinen Angriff nun zur Führungsarbeit, scherte aber bereits 300 Meter vor dem Ziel aus und setzte Brennan so in den Wind.

Der Visma-Sprinter spurtete daraufhin früh los, während Andresen im Windschatten noch Francesco Busatto (Alpecin – Premier Tech) vorgelassen hatte und bis zur 200-Meter-Marke wartete, um dann mit mehr Reserven und Schwung von hinten schließlich auf den letzten 100 Metern sowohl am einbrechenden Italiener als auch an Brennan vorbeizuziehen und zu gewinnen.

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