RSNplusWagner: “Er war für Paris-Nizza motiviert“

Simon Yates´ “Geistesblitz“ vermieste Visma das neue Jahr

Von Kevin Kempf aus Maskat

Foto zu dem Text "Simon Yates´ “Geistesblitz“ vermieste Visma das neue Jahr"
Robert Wagner ist im Oman Sportlicher Leiter bei Visma - Lease a Bike. | Foto: Kevin Kempf

07.02.2026  |  (rsn) – Am 7. Januar beendete Simon Yates seine Karriere. Damit überraschte er nicht nur die Fans und Medien, sondern auch seinen Arbeitgeber Visma – Lease a Bike, der erst kurz zuvor von den Absichten des Briten erfahren hatte, wie der Sportliche Leiter Robert Wagner RSN am Rande der Tour of Oman (2.Pro) mitteilte.

Der 42-jährige Wagner, erst seit dieser Saison ausschließlich für die Profis zuständig, hatte Yates beim Trainingslager der WorldTour-Mannschaft in Oliva überhaupt erst zum zweiten Mal getroffen und ihn da bei einem Training begleitet. “Er war total relaxt und machte einen entspannten Eindruck. Er hat intern auch ausgesprochen, dass er für Paris-Nizza motiviert war. Das Ding wollte er gern gewinnen. Auch bei einer Grand Tour wollte er noch mal was zeigen. So sind wir in Weihnachten reingegangen“, so der Magdeburger.

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Doch schon kurze Zeit schlug die Stimmung komplett um. “In dieser Phase muss es bei Simon einen Geistesblitz gegeben haben und er hat gesagt: Nee!“, meinte Wagner. “Das kam als eine komplette Überraschung; für alle. Wir hatten die Planung im Dezember gemacht. Wer geht wohin? Man beginnt mit den Kapitänen und dann kommt man schnell zu Simon Yates. Und dann arbeitet man sich runter. Dann füllt man die unteren Plätze auf“, beschrieb er die vorbereitende Arbeit auf die neue Saison.

Robert Wagner (Visma - Lease a Bike) vor de Start zur Muscat Classic | Foto: Kevin Kempf

“Das war alles schon geschehen und im Dezember werden auch die individuellen Gespräche geführt – auch mit Simon. Dann geht es ums Programm. Was hältst du davon? Woran soll gearbeitet werden? Was wollen wir?“, erzählte Wagner weiter. “Und dann kam der Geistesblitz.“

Keine schöne Bescherung

Yates nahm Kontakt mit dem Management bei Visma auf. “Er meinte dann, dass er vielleicht etwas Zeit braucht und dass er überlegt, dass er vielleicht aufhört“, blickte Wagner zurück. “Aber wenn der Gedanke erst mal da ist, dann geht es ganz schnell“, fügte er an. “Die Zweifel müssen vorher schon da gewesen sein, aber ausgesprochen hat er sie nach Weihnachten. Und dann kam das Karriereende zwei oder drei Wochen später. Das ging alles ganz schnell“, sagte er.

Mit Yates hatte der Giro-Sieger der vergangenen Saison und ein Edelhelfer der obersten Kategorie für Jonas Vingegaard die Mannschaft plötzlich verlassen. Und bei Visma entschied man sich, den frei gewordenen Platz nicht neu zu besetzen. “Simon Yates kann man nicht ersetzen. Punkt. Er ist Grand-Tour-Sieger – das Kaliber kann man nicht ersetzen. Und schon gar nicht im Januar. Der Platz bleibt erst mal offen“, erklärte Wagner die Entscheidung.

Grischa Niermann (links) und Wagner (rechts) reden vor dem Start mit Bart Lemmen. | Foto: Kevin Kempf

Besonders bitter ist der Ausfall, weil sich durch ihn mehr als nur ein Teil im System ändert. “Wenn einer ausfällt, dann hängt da ein ganzer Rattenschwanz dran. Dann verschieben sich auch andere Sachen für andere Fahrer. Jeder Ausfall hat weitere Auswirkungen“, so Wagner.

So wird wohl erst für 2027 wird aber neu evaluiert werden. “Irgendwo muss er in Zukunft ersetzt werden. Hoffentlich klappt das teamintern, dass unsere Jungs den nächsten Schritt machen, zum Beispiel Nordhagen. Das wäre das Idealszenario“, blickte er voraus. Jorgen Nordhagen gilt mit seinen 21 Jahren schon einige Zeit als Riesentalent für Rundfahrten. Seine besonderen Kapazitäten bewies er nicht nur im Radsport, sondern auch im Langlauf. Dort gewann der Norweger bei der Junioren-WM 2024 Gold im 20 Kilometern Massenstart-Rennen, in dem er seiner Konkurrenz mehr als zwei Minuten abnahm.

Yates durch Yates ersetzen?

Aber der Norweger ist noch nicht so weit, dass er Yates ersetzen könnte. “Man kann nicht erwarten, dass Nordhagen dieses oder nächstes Jahr eine große Rundfahrt gewinnt. Das ist auf lange Sicht gesehen“, meinte Wagner. “Aber der Junge hat enormes Potenzial. Ob er jetzt wirklich der nächste Grand-Tour-Gewinner ist, weiß niemand. Wir sprechen über einen 21-jährigen Kerl. Ulle war damals 23 (beim Tour-de-France-Sieg 1997, d. Red.). Er hat einen guten Schritt gemacht, aber man muss sehen, wie es dann weitergeht“, fügte er an.

Und so bleibt nur eine Gewissheit: Yates kann man nicht ersetzen. Durch niemanden. Höchstens vielleicht durch Yates…

“Ich stand mit Adam im Lift und dachte: ‘Ist es nicht doch Simon?‘“, lachte Wagner. Simons Zwillingsbruder Adam Yates ist als zweimaliger Gesamtsieger ebenfalls bei der Tour of Oman dabei. Ein Transfer zu Visma kommt für den UAE-Fahrer aber derzeit natürlich nicht infrage.

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