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09.02.2026 | (rsn) – Es fehlte zum Abschluss der Valencia-Rundfahrt (2.Pro) nicht viel, und der deutsche Radsport hätte innerhalb kürzester Zeit nach Henri Uhlig (Alpecin – Premier Tech) beim Etoile de Bessèges gleich einen zweiten Profisieg zu bejubeln gehabt. Einen zweiten Premieren-Profisieg. Emil Herzog (Red Bull – BORA – hansgrohe) schrammte nur knapp an seinem Debüt vorbei, nachdem er aus der Ausreißergruppe heraus im Sprint gegen Raul Garcia Pierna (Movistar) das Nachsehen hatte.
“Was ich mir vorwerfe, ist, dass ich nicht lange genug gewartet habe. Wenn ich 50 Meter später losfahre, dann läuft es vielleicht anders“, sagte der 21-Jährige nun in einem Rückblick auf sein erstes Saisonrennen, den sein Team auf dessen Website veröffentlicht hat. Immerhin hat Herzog mit dem zweiten Rang aber nochmal einen Schritt nach vorne gemacht, was seinen persönlichen Bestwert angeht. Das war bisher Platz drei auf der Schlussetappe der letztjährigen Tour of the Alps (2.Pro), den er ebenfalls als Ausreißer eingefahren hatte.
Geplant war der erneute Fluchtversuch dieses Mal aber nicht. Herzog hatte den Job, wie jeden Tag den Start und den ersten Teil des Rennens zu kontrollieren. Dabei rutschte er eher zufällig in die Gruppe, die zunächst auch nicht den Anschein machte, als würde sie es bis ins Ziel schaffen. Denn gering war der Vorsprung schon viele Kilometer vor dem Ziel. Vielleicht lag es am Ende aber auch an den Stürzen in Zielnähe, die dem Peloton ein wenig den Mut zu vollem Risiko nahm. Auch Kim Heiduk (Ineos Grenadiers) hatte es dabei erwischt. Der 25-Jährige war wie Herzog in der Spitzengruppe, stürzte aber drei Kilometer vor dem Ziel in einer Kurve und hätte wohl ebenfalls ein gehöriges Wörtchen um den Sieg mitreden können. Auch für ihn wäre es sein Erster gewesen.
Zumindest Herzog konnte nach der Rundfahrt dennoch ein positives Fazit ziehen. “Als Team haben wir alle unsere Ziele erreicht“, sagte er. Sein Sportlicher Leiter Klaas Lodewyck hatte sich tags zuvor sogar noch euphorischer ausgedrückt: “Insgesamt haben wir mehr erreicht, als wir von den Fahrern verlangen konnten“, so der Belgier, der selbstverständlich auch mit dem Tagessieg des Jüngsten im Team gut hätte leben.
Doch anstatt die Erfahrung zu machen, den ersten Sieg als Profi zu feiern, machte Herzog eine andere. Seine ersten Rennkilometer der Saison waren auch die ersten an der Seite von Remco Evenepoel. “Wenn du so einen Champion im Team hast, bekommst du auch selbst automatisch mehr Respekt. Alle wissen, dass du für ihn arbeitest. Da fährt die keiner mehr einfach so vor die Karre. Es ist dadurch in gewisser Hinsicht einfacher.“ Die Kehrseite dabei: “Du bist dann aber auch das einzige Team, das die Nachführarbeit macht.“
Die nächste gemeinsame Erfahrung gibt es dann bei der UAE Tour. Dort werden Herzog und Evenepoel erneut gemeinsam an der Startlinie stehen. Das auf den Deutschen ein weniger arbeitsreiches Rennen wartet, als das in Valencia, bei dem er die meiste Zeit vor dem Feld im Wind arbeitete, ist unwahrscheinlich. Denn auch dort wird Evenepoel Favorit und sein Team damit in der Pflicht sein.