Niermann: “Tadej hat gezeigt, dass es möglich ist“

Kuss mit Vingegaard zum Giro-Tour-Double, Deutsche müssen warten

Von Kevin Kempf vom Al Sawadi Beach

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Grischa Niermann (Visma - Lease a Bike) sprach mit RSN am Rande der Tour of Oman. | Foto: Kevin Kempf

11.02.2026  |  (rsn) – Stephen Roche, Marco Pantani, Tadej Pogacar – und wenn es nach Visma – Lease a Bike geht ab diesem Herbst auch Jonas Vingegaard. Die Liste der Fahrer, die in den letzten vier Dekaden den Giro und die Tour gewonnen haben, ist kurz. Aber der Däne in niederländischen Diensten hat es sich zum Ziel gesetzt, zwei Jahre nach seinem slowenischen Widersacher die ersten beiden dreiwöchigen Rundfahrten der Saison für sich zu entscheiden.

Die Italien-Rundfahrt gilt nicht als ideale Vorbereitung auf die Tour de France, bei der Vingegaard in den letzten beiden Jahren ohne den Giro in den Beinen jeweils gegen Pogacar den Kürzeren gezogen hat. Warum wurde jetzt dieser Weg gewählt, fragte RSN Grischa Niermann am Rande der Oman-Rundfahrt. “Zum einen, weil Jonas gern den Giro fahren möchte. Er hat natürlich die Tour und die Vuelta schon gewonnen und möchte in seiner Karriere auch den Giro mal gewinnen“, antwortete der Niedersachse.

Pogacar 5, Vingegaard 3

Damit hätte Vingegaard dem UAE-Superstar etwas voraus. Pogacar hat zwar viermal die Tour und 2024 den Giro erfolgreich abgeschlossen, aber bei seiner einzigen Vuelta-Teilnahme in seiner ersten Profisaison musste er sich im Alter von 20 Jahren trotz drei Etappensiegen mit dem dritten Gesamtrang zufrieden geben. Der Visma-Kapitän hat die Tour de France 2022 und 2023 jeweils vor Pogacar gewonnen, 2025 war der der Beste der Vuelta. In den Giro 2026 geht er – in Abwesenheit von Pogacar – als Topfavorit.

Doch Niermann glaubt, dass sein Leader nach drei Wochen in Italien auch in Frankreich das Duell mit dem Weltmeister erfolgreich bestehen kann. “Er kann gut aus dem Giro rauskommen und absolut in Topform an der Tour beginnen. Tadej hat vor zwei Jahren gezeigt, dass das möglich ist und wir glauben, dass es das auch für Jonas ist.“

Kuss folgt Vingegaard

Nach dem plötzlichen Karriereende von Simon Yates und dem Abgang von Cian Uijtdebroeks zu Movistar hat sich die Riege der Top-Bergfahrer bei den "Killer Bees" ausgedünnt. Als Leutnant hat man aber doch noch einen Vuelta-Sieger in den eigenen Reihen. “Sepp Kuss wird beim Giro auch am Start stehen“, erzählte Niermann, der bestätigte, dass der US-Amerikaner dann auch die Tour  fahren wird. Weitere Namen wollte der gebürtige Hannoveraner aber noch nicht preisgeben, zumindest ein vorläufiges Tour-Aufgebot hat Visma - Lease a Bike allerdings schon veröffentlicht.

Zu dem gehören auch Kuss‘ Landsmann Matteo Jorgenson, die Belgier Victor Campenaerts und Wout van Aert, die Franzosen Bruno Armirail und Christophe Laporte sowie der Brite Ben Tulett. Beim Giro werden Vingegaard und Kuss voraussichtlich vom italienischen Duo Davide Piganzoli und Edoardo Affini, Campenaerts, dessen Landsmann Timo Kielich sowie den Niederländern Bart Lemmen und Wilco Kelderman begleitet. “Wir werden in beiden Grand Tours eine sehr, sehr starke Mannschaft am Start haben“, versicherte Niermann.

Schiffer und Behrens müssen wohl warten

Da mit Vingegaard und Kuss die beiden Topkletterer der Mannschaft für die ersten beiden Grand Tours verplant sind, bleiben für die dritte nur wenige Klassementsoptionen. “Bei der Vuelta werden wir uns vor allem auf Etappen konzentrieren“, kündigte Niermann an. “Da werden wir mit van Aert und Matthew Brennan hingehen. Da werden wir mit Sicherheit auch ein Auge aufs Klassement haben, aber Etappensiege werden das Ziel sein“, fügte er an. Auf Gesamtwertung fahren könnten aus der vorläufigen neunköpfigen Auswahl Nachwuchsmann Jorgen Nordhagen oder Tulett.

Die beiden Deutschen bei Visma werden aller Voraussicht nach mindestens ein Jahr auf ihre Grand-Tour-Premiere warten müssen. “Auf Niklas (Behrens) und Anton (Schiffer) halten wir große Stücke. Ich denke, dass es für Anton noch ein bisschen früh kommt. Er kommt gerade aus dem Kontinental-Bereich in die WorldTour“, sagte Niermann über den 26-jährigen Neuzugang, der vom deutschen KT-Team Bike Aid den Sprung in die Königsklasse schaffte. “Es ist sein erstes Jahr. Er ist natürlich nicht mehr ganz jung, aber jung in Radfahrerjahren. Sag niemals nie, aber im Moment ist es für beide nicht geplant“, blickte Niermann voraus.

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