Lippert Vierte, Koch verteidigt Rotes Trikot

Kerbaol holt sich nach Achterbahnfahrt die 3. Vuelta-Etappe

Von Matthias Seng

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Cedrine Kerbaol (EF Education – Oatly) hat die 3. Vueöta-Etappe gewonnen. | Foto: Cor Vos

05.05.2026  |  (rsn) – Nach dem bitteren Ausscheiden von Auftaktsiegerin Noemi Rüegg (EF Education – Oatly), die sich auf dem zweiten Teilstück eine Schulterfraktur zuzog, haben die Teamkolleginnen der Schweizerin nur 24 Stunden später zurückgeschlagen und nach einem beeindruckenden Finale den zweiten Tageserfolg bei der 12. Vuelta Femenina (2.WWT) gefeiert.

Dafür verantwortlich zeigte die Französin Cedrine Kerbaol, die sich nach einer späten Überraschungsattacke auf der 3. Etappe über 122,2 Kilometer von Padrón nach La Coruna als Solistin mit vier Sekunden Vorsprung auf das jagende Feld durchsetzte und ihren ersten Vuelta-Tagessieg feierte. Im Sprint der Verfolgerinnen holte sich die Belgierin Lotte Kopecky (SD Worx – Protime) den zweiten Platz vor der Kanadierin Sarah van Dam (Visma – Lease a Bike) und der Friedrichshafenerin Liane Lippert (Movistar), die auf Rang vier beste deutsche Fahrerin war.

Zeitgleich mit der Siegerin kam die Deutsche Meisterin Franziska Koch (FDJ United – Suez) als Sechzehnte ins Ziel und verteidigte ihr gestern erobertes Rotes Trikot mit Mühe, nachdem sie im Finale zweimal abgehängt worden war.

“Es ist total verrückt. Wir hatten ja schon mit Noemi gewonnen, sie hat das Rote Trikot geholt, und danach ist sie gestürzt. Wir sind also von ganz oben nach ganz unten gefallen und jetzt sind wir wieder oben. Wir denken viel an sie, es ist ein Wechselbad der Gefühle“, sagte Kerbaol im Ziel-Interview, in dem sie ihre Helferinnen nicht genug loben konnte. “Mein Team ist das beste Rennen aller Zeiten gefahren, Kristen (Faulkner) hat im Finale angegriffen, und Alice (Towers) hat dann auch attackiert. Nur vier oder fünf Fahrerinnen konnten folgen, und sobald sie wieder aufgeholt hatten, habe ich gekontert. Dieser Sieg ist für das Team“, fügte die 24-Jährige an.

“Das war ein perfektes Teamwork im Finale, wobei es ehrlich gesagt gar nicht der Plan war, Cedrine auf dem Kopfsteinpflaster zu lancieren“, ergänzte Kerbaols Teamkollegin Towers im Ziel-Interview. Die Britin hatte auf der langen Kopfsteinpflasterpassage eingangs der letzten vier Kilometer mit einer Tempobeschleunigung das Feld auseinandergerissen, ehe Kerbaol antrat. “Es war so hart, aber es war dann so ein starker Effort von ihr – diese letzten zwei Kilometer, einfach großartig“, strahlte Towers.

Koch im Klassement nur noch zwei Sekunden vor Kopecky

Die Paris-Roubaix-Siegerin führt das Klassement mit nur noch zwei Sekunden Vorsprung auf Kopecky an, die sich insgesamt zehn Bonussekunden holte und damit vom dritten auf den zweiten Rang vorrückte. Kerbaol machte sogar zwölf Positionen gut und ist mit vier Sekunden Rückstand auf Koch neue Gesamtdritte, Lippert (+0:18) verbesserte sich vom neunten auf den sechsten Platz.

Die Gesamtführende bleibt auch an der Spitze der Punktewertung, neue Trägerin des Bergtrikots ist die Südafrikanerin Ashleigh Moolman-Pasio (AG Insurance – Soudal), ihre belgische Teamkollegin Lore De Schepper behauptete die Führung in der Nachwuchswertung.

So lief die 3. Etappe der Vuelta Femenina:

Ohne die Belgierin Margot Vanpachtenbeke (Lidl – Trek) und die gestern wie Rüegg ebenfalls gestürzte Italienerin Eleonora Ciabocca (Picnic – PostNL) wurde das dritte Teilstück der diesjährigen Spanien-Rundfahrt gestartet. Auf hügeligem Terrain ohne Bergwertungen, wobei allerdings rund 2.000 Höhenmeter bewältigt werden mussten, setzten sich nach nur zwei Kilometern Vanpachtenbekes australische Teamkollegin Felicity Wilson-Haffenden sowie die Belgierin Sterre Vervloet (Lotto -Intermarché Ladies) ab und bekamen vom Feld einen Maximalvorsprung von knapp vier Minuten zugestanden.

Eingangs der letzten 50 Kilometer waren davon nur noch gut eineinhalb Minuten übrig. Die Verfolgerinnen hatten es bei sonnigem Wetter aber nicht eilig, so dass die beiden Ausreißerinnen ihren Vorsprung innerhalb weniger Kilometer wieder auf rund zwei Minuten ausbauen konnten. Die Australische Zeitfahrmeisterin schüttelte kurz darauf ihre Begleiterin ab und packte auf dem Weg zum Atlantik noch einige Sekunden zwischen sich und das Feld, in dem Kochs Equipe viel Arbeit durch konkurrierende Teams angenommen wurde.

Gut 30 Kilometer vor dem Ziel übernahm Visma – Lease a Bike die Kontrolle und reduzierte mit einer Tempoverschärfung an den nun zahlreichen kleineren Anstiegen den Rückstand. Den Bonussprint sicherte sich Wilson-Haffenden 20 Sekunden vor dem Feld, aus dem heraus sich Kopecky noch vier Sekunden vor Koch (zwei) sicherte. Drei Kilometer später war die 20-jährige Grand-Tour-Debütantin an einem Anstieg gestellt.

Das Streckenprofil der 3. Etappe der Vuelta Femenina | Foto: Veranstalter

Hier dünnte kurz darauf Pauline Ferrand-Prévot (Visma – Lease a Bike) mit hohem Tempo das Feld aus, ehe Kasia Niewiadoma-Phinney (Canyon – SRAM – zondacrypto) attackierte. Koch war hier zwar isoliert, hatte aber wie Lippert zunächst keine Probleme, das Tempo mitzugehen. Dann wurden die Gesamtführende und Kopecky doch kurzzeitig abgehängt, um in der Abfahrt aber wieder den Anschluss herzustellen. SD Worx reagiert kurz darauf, als Olympiasiegerin Kristen Faulkner (EF Education – EasyPost) zwölf Kilometer vor dem Ziel davonzog, und stellte die US-Amerikanerin rund fünf Kilometer später.

Kurz darauf probierte es Niewiadoma an einem weiteren Kicker mit Lippert am Hinterrad – wieder fiel das Feld auseinander und erneut verlor auch Koch den Anschluss an die Spitze. Doch in der Abfahrt schaffte es die zweimalige Deutsche Meisterin ein weiteres Mal zurück. Auf der Kopfsteinpflasterpassage in Richtung Ziel wuchs die Spitzengruppe wieder an, ehe drei Kilometer vor dem Ziel Alice Towers (EF Education - Oatly) in einem ansteigenden Stück mit einer Tempobeschleunigung die Attacke ihre Teamkollegin Kerbaol perfekt vorbereitete.

Die Französische Zeitfahrmeisterin überraschte mit ihrem Antritt gut zwei Kilometer vor dem Ziel alle ihre Konkurrentinnen und behauptete einen kleinen Vorsprung auf das heranjagende Feld, das nur noch bis auf vier Sekunden auf Kerbaol herankam.

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