Vorschau auf die Vuelta Femenina 2026

Ohne Vollering und Reusser eine offene Angelegenheit

Von Kevin Kempf

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Anna van der Breggen (SD Worx – Protime, links) und Kasia Niewiadoma-Phinney (Canyon – SRAM – zondacrypto) trafen auch beim Amstel Gold Race aufeinander. | Foto: Cor Vos

01.05.2026  |  (rsn) – Am Sonntag beginnt die 12. Ausgabe der Vuelta Femenina (2.WWT) im westlichsten Zipfel Spaniens in Marin, nur wenige Kilometer von der Grenze zu Portugal gelegen. Nach sieben Etappen endet die erste Grand Tour des Jahres auf dem legendären L’Angliru. Eine eindeutige Favoritin auf den Gesamtsieg lässt sich nicht ausmachen.

Auf dem Papier sollte diese Rolle die Tour-Siegerin Pauline Ferrand-Prévot (Visma – Lease a Bike) einnehmen, doch die Französin konnte in dieser Saison bergauf noch nicht überzeugen. Als Zweite bei der Flandern-Rundfahrt (1.WWT) und Dritte von Paris-Roubaix (1.WWT) war sie bei den Nordklassikern zwar eine der Besten, doch bei der Strade Bianche (1.WWT) und in bei Lüttich-Bastogne-Lüttich (1.WWT) verpasste Ferrand-Prévot eine Spitzenpositionen jeweils deutlich. Auch Platz sieben beim Flèche Wallonne (1.WWT) dürfte den Ansprüchen der 34-Jährigen nicht genügen.

So tritt vielleicht eine andere Legende des Frauenradsports an die Stelle als Topfavoritin: Anna van der Breggen (SD Worx – Protime). Die 36-Jährige tut sich nach ihrem Comeback zwar schwer mit dem Siegen, war zuletzt aber immer vorn dabei – und das bei Rennen, für die ihr inzwischen die Explosivität fehlt. Wenn diese Komponente – spätestens am Angliru – komplett wegfällt, könnte die Niederländerin zum ersten Mal seit einem Jahr wieder ganz oben stehen und ihren dritten Rang aus dem Vorjahr noch um zwei Positionen verbessern. Die Chancen stehen gut, zumal Demi Vollering (FDJ United - Suez) auf ihren Start verzichtet.

Bei der letztjährigen Vuelta verpasste hinter der zweimaligen Weltmeisterin die Französin  Cédrine Kerbaol (EF Education – EasyPost) knapp das Podium. Die 24-Jährige konnte wie Ferrand-Prévot dieses Jahr nur selten überzeugen, war bei den Rundfahrten zuletzt aber immer im Bilde. Ähnliches lässt sich auch über Evita Muzic sagen, die im Frühjahr bei der FDJ-Siegesserie nicht weiter auffiel, nun aber ohne Demi Vollering freie Fahrt erhält. 

Mit Maeve Squiban (UAE – ADQ) steht in Spanien noch eine vierte aussichtsreiche Französin am Start. Bei der Tour 2025 gewann die 24-Jährige sensationell zwei  Bergetappen in Folge, das Klassement hatte sie damals noch nicht interessiert. Diese Saison landete Squiban an 13 Renntagen siebenmal unter den besten Zehn, ihr schlechtestes Ergebnis war ein 24. Platz. Sie scheint also konstanter geworden zu sein.

An ihrer Seite hat sie Paula Blasi, die nicht nur durch ihren Sieg beim Amstel Gold Race (1.WWT) zur Aufsteigerin des Frühjahrs avancierte. Auch wenn die Spanierin körperlich vergleichsweise kräftig wirkt, zeigte sie im vergangen Jahr schon mehrfach, dass sie auch in den Bergen sehr stark ist. In Form der letzten Wochen könnte Blasi der zweite UAE-Trumpf sein. Mit Mavi Garcia hat das Team noch einen dritten großen Namen im Rennen, wobei die 42-Jährige bei der Vuelta kaum über die Rolle der dritten Geige hinauskommen wird.

Niewiadoma-Phinney ist in Form

Eine der größten Herausforderinnen van der Breggens ist zweifelsohne Kasia Niewiadoma-Phinney (Canyon – SRAM – zondacrypto). Nach ihrem schweren Sturz bei Mailand-Sanremo (1.WWT) meldete sie sich in der Ardennenwoche mit den Plätzen zwei, drei und vier eindrucksvoll zurück. Letzte Saison enttäuschte die Polin bei der Vuelta als Elfte, als Tourdritte zeigte sie im Sommer 2025 aber ein weiteres Mal, dass sie in den Bergen zu den Besten gehört. Zu diesem erlauchten Kreis darf man auch ihre Teamkollegin Antonia Niedermaier zählen, die aber nicht in Spanien dabei sein wird.

Die auf dem Papier aussichtsreichste deutsche Klassementfahrerin ist Ricarda Bauernfeind (Lidl – Trek). Allerdings ist die 26-Jährige nach ihren lang anhaltenden Kniebeschwerden noch nicht wieder auf Top-Niveau. Mit Gaia Realini hat Bauernfeind zwar eine Kapitänin vor sich, doch hat auch die Italienerin bisher noch kein nennenswertes Resultat erzielt. Der Kletterfloh wäre in Topform aber Anwärterin Nummer eins auf den Sieg am Angliru.

Neben Realini ist mit Monica Trinca Colonel (Jayco – AlUla) eine weitere aussichtsreiche Italienerin im Rennen. Nach ihrem siebten Vuelta-Rang 2025 tauchte sie bei der Tour und dem Giro etwas unter, durch ihren zweiten Platz bei der UAE Tour (2.WWT) bewies sie früh in der Saison aber, dass mit ihr weiterhin zu rechnen ist. Während die vielleicht beste Kletterin Sarah Gigante (AG Insurance – Soudal) noch auf ihren ersten Saisoneinsatz wartet, will ihre belgische Teamkollegin bei Lore De Schepper den Status des Talents ablegen und endgültig in die Weltelite vorstoßen.

Talente und deutschsprachige Teilnehmerinnen

Marion Bunel (Visma – Lease a Bike) sollte ein ähnliches Ziel verfolgen, steht in  ihrem Team aber in Ferrand-Prévots Schatten. Bei Visma ist auch Marianne Vos dabei, die auf den mittelschweren und leichten Etappen ihren neun Etappensiegen bei der Vuelta mindestens einen weiteren hinzufügen möchte. Zu den schnellsten Sprinterinnen gehört die 38-Jährige schon lange nicht mehr, aus dieser Riege taucht aber auch keine Konkurrentin auf der vorläufigen Startliste auf.

Auf der stehen neben Bauernfeind nur zwei weitere Deutsche. Liane Lippert führt in Abwesenheit der verletzten Vorjahreszweiten Marlen Reusser das Movistar Team  an, Paris-Roubaix-Siegerin Franziska Koch (FDJ United – Suez) verlängert ihr herausragendes Frühjahr um ein paar weitere schwere Tage. 

Die Österreicherin Valentina Cavallar wird in den Bergen ihre Teamkollegin van der Breggen unterstützen. Die Schweizer Fans hoffen auf Petra Stiasny (Human Powered Health) und Noemi Rüegg (EF Education – Oatly).

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