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22.08.2026 | (rsn) - Bei der wichtigsten Nachwuchsrundfahrt der Saison, der Tour de l’Avenir (2.2U), tritt Jermaine Zemke (Rembe – rad-net) vom 20. bis zum 26. August für die Deutsche Nationalmannschaft in die Pedale. Außerdem hat sich der 20-Jährige bereit erklärt, für RSN jeweils nach den sieben Etappen und auch vor der Rundfahrt seine Eindrücke und Gedanken zu schildern.
”Heute völlig verrückter Tag. Es war eine kurze Etappe, aber es war superintensiv. Die Devo-Teams und auch alle anderen Rennfahrer waren wirklich extrem nervös“, sagte Zemke am Abend nach der 2. Etappe der Rundfahrt. Wer das Ergebnis betrachtete, ahnte vermutlich nichts Schlimmes. Flachetappe. Massensprint. Keije Solen (Lotto – Groupe Wanty) gewinnt. Abhaken. Doch so einfach war es bei Weitem nicht.
“Sobald eine Chance auf eine potenzielle Windkante kam, wurde wirklich auf Leben und Tod gefahren. Es hat andauern überall nur gekracht. Es gab unzählige Stürze. Es war extrem gefährlich. Ich glaube nach dem gestrigen Tag, wo nach der Windkante die Gruppe durchgekommen ist, hat jedes Team, das nicht dabei war, einen richtigen Einlauf bekommen“, vermutete der Rembe-rad-net-Fahrer. Schon zum Auftakt hatte der Wind das Feld geteilt, 18 Mann hatten sich abgesetzt und mit Lorenzo Finn (Red Bull – Bora – hansgrohe Rookies) hatte der Topfavorit des Rennens den meisten Konkurrenten direkt Zeit abgenommen und so vielleicht schon für die Vorentscheidung gesorgt.
“Dementsprechend wurde heute gefahren. Es war wirklich einfach nur abartig gefährlich. Am Ende hat ungelogen ein Drittel bis die Hälfte der Rennfahrer im Laufe des Rennens mindestens einmal auf dem Asphalt gelegen. Schon vor der Live-Übertragung waren unzählige Stürze“, erzählte Zemke.
Auch die Deutsche Nationalmannschaft hatte am Vortag den Zug verpasst und wollte sich nicht noch einmal überraschen lassen. “Als Team haben wir uns gut verhalten. Eike und ich waren immer vorn, wenn es auf die Windkante ging oder wenn eine potenzielle Situation war, wo was passieren konnte. Wir hatten das schon ganz gut im Griff“, war Zemke zufrieden. Doch unfallfrei kamen auch die Männer mit dem Adler auf der Brust nicht in Amboise an. “Tim ist gestürzt. Paul ist gestürzt. Und immer, wenn die zurückkamen, gab es schon wieder den nächsten Sturz. Es war ein völlig verrückter Tag, so etwas habe ich noch nie erlebt in dem Ausmaß.“
Und auch der 20-Jährige selbst geriet zwischenzeitlich in Schwierigkeiten. “Richtung Ziel war ich dann kurz abgehängt aufgrund eines Sturzes vor mir im Anstieg. Ich kam dann gerade wieder zurück und war mit Lorenzo Finn in der Gruppe. Dann sehen wir 50 Meter vor uns, wie die Hälfte des Feldes quer über den Asphalt verteilt ist. Das sah zum Teil ganz schön übel aus und das Rennen wurde auch sofort unterbrochen“, so Zemke. Folge war eine rund halbstündige Unterbrechung des Rennens. “Dann hat man rechts und links geguckt und irgendwie war jeder zweite schon bandagiert und hatte überall offene Stellen und den Anzug zerrissen. Also das war heute wirklich wie im Krieg. So kann man das fast vergleichen.“
Nach dem Restart ging es zunächst neutralisiert weiter und auch die Zeit für die Gesamtwertung wurde schon zehn Kilometer vor dem Ziel genommen. Letztendlich kam es nach 116 Kilometern zum Sprint, in den der nominell schnellste Deutsche nicht eingriff. “Ich habe mich aus dem Finale rausgehalten und Eike hat seine Chance genutzt und hat im Sprint einen zwölften Platz für uns eingefahren – sehr stark von ihm“, urteilte Zemke über seinen Teamkollegen Eike Behrens.
Doch das Resultat war am zweiten Tag der wichtigsten Nachwuchsrundfahrt des Jahres fast schon nebensächlich. “Letztendlich haben die ganzen Stürze heute den Tag überschattet. Es war schon wirklich sehr brutal und andauernd und es gab nie eine Phase, in der es entspannter war. Es war wirklich von Anfang bis Ende voll auf die Fresse. Jedes Risiko, das man eingehen konnte, wurde von jedem genommen. Es war wirklich krass.“