Gall zieht auf 14. Vuelta-Etappe an Roglic vorbei

Brenner stark und clever: Sieg in der Sierra de la Pandera

Von Guido Scholl

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Marco Brenner (Tudor) gewinnt die 14. Etappe. | Foto: Cor Vos

05.09.2026  |  (rsn) - Marco Brenner (Tudor) hat nicht übertrieben, als er gegenüber RSN sagte, seine Beine werden besser: Der frühere Deutsche Meister gewann die 14. Etappe der Vuelta a Espana mit Ziel in der Sierra de la Pandera mit einer Sekunde Vorsprung auf den Führenden in der Bergwertung, den Kolumbianer Santiago Buitrago (Bahrain Victorious). Im Gesamtklassement verbesserte sich Felix Gall (Decathlon – CMA CGM) auf den zweiten Platz .

Der Österreicher erreichte das Ziel als 20. zeitgleich mit dem Spanier Enric Mas (Movistar), der sein Rotes Trikot damit souverän verteidigte. Der Slowene Primoz Roglic (Red Bull – Bora – hansgrohe) büßte dagegen 25 Sekunden ein und liegt nun auf Gesamtrang drei. Gall (+2:06) und Roglic (+2:10) trennen aber nur vier Sekunden. Noch etwas mehr Boden als der Chef-Bulle büßte der Ecuadorianer Richard Carapaz (EF Education – EasyPost) ein, der als Vierter jetzt schon 4:24 Minuten Rückstand aufweist.

Dritter der Etappe wurde der Spanier Cristian Rodriguez (XDS – Astana) vor dem Kolumbianer Ivan Sosa (Kern Pharma) aus Kolumbien und dem Franzosen Valentin Paret-Peintre (Soudal – Quick Step). Sie alle gehörten wie Brenner und Buitrago zu  einer 44-köpfigen Spitzengruppe. Zwanzig dieser Ausreißer erreichten das Ziel vor den Klassementfahrern um Mas. Rodriguez verbesserte sich durch seinen Auftritt von Rang elf auf acht in der Gesamtwertung, der Franzose Clement Berthet (Groupama – FDJ) schob sich auf die gleiche Art um einen Platz auf Position neun vor.

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Brenner hatte nicht nur gute Beine, er fuhr auch taktisch clever. Als Buitrago am Banner für den letzten Kilometer aus der Gruppe angriff, in der außerdem Rodriguez und Sosa dabei waren, griff sich der Deutsche gerade in die Trikottasche. Doch er reagierte blitzschnell und kämpfte sich in der folgenden Abfahrt wieder zum Kolumbianer zurück. Dann attackierte er direkt, als es erneut hinauf zum Ziel ging und spielte so seine größere Schnelligkeit aus, um den größten Sieg seiner Laufbahn einzutüten. Dieser unterstreicht gleichsam, dass sein Gesamtsieg bei der Polen-Rundfahrt (2.UWT) kein Zufall war.

"Ich habe mich den ganzen Tag über besser gefühlt und angefangen, daran zu glauben. Dann habe ich meinen Move gemacht, Buitrago ging vorbei, aber ich kam wieder heran und konnte ihn im Sprint schlagen", beschrieb der Etappensieger das Finale im Zielinterview. So ganz fassen konnte Brenner den Erfolg da noch nicht, versuchte ihn dann aber sachlich einzuordnen: "Man lebt für Tage wie diesen als Radsportler. Es gibt nicht viele Fahrer, die eine Grand-Tour-Etappe gewinnen. Es ist toll, das meinem Palmares hinzufügen zu können."

Gall zweiter Gewinner des Tages

Als zweiter Gewinner des Tages durfte sich getrost Gall fühlen, der am steilen Schlussanstieg einen starken Eindruck hinterließ. "Movistar hat das Finale ziemlich schwer gemacht, ich wollte nicht zu viel Risiko angesichts der Hitze heute und in den vergangenen Tagen eingehen. Daher war ich eher abwartend bis zum Ende und bin jetzt superhappy, dass ich ein paar Sekunden herausfahren konnte“, sagte der erschöpfte, aber zufriedene Decathlon-Kapitän im Ziel.

Durch seine erneute Flucht vergrößerte Buitrago seinen Vorsprung in der Bergwertung auf 29 Zähler gegenüber Wout van Aert (Visma – Lease a Bike), der aber in der Punktwertung unangefochten vorn blieb. In der Nachwuchswertung liegt Oscar Onley (Netcompany – Ineos) weiterhin 30 Sekunden vor Jakob Omrzel (Bahrain Victorious), im Gesamtklassement bekleiden sie die Ränge fünf und sechs. Die Teamwertung führt Decathlon - CMA CGM mit 2:02 Minuten vor XDS - Astana an.

So lief die 14. Etappe der Vuelta a Espana:

Es dauerte ein gute halbe Rennstunde, ehe sich die Gruppe des Tages bildete. Und die war dann eher ein kleines Feld: 44 Ausreißer inklusive Bergkönig Buitrago setzten sich vom Rest des Pelotons ab. Unter anderem dabei waren Joao Almeida (UAE – Emirates – XRG), David de la Cruz (Pinarello – Q36.5), Pello Bilbao (Bahrain Victorious), Marco Brenner (Tudor), Georg Steinhauser (EF Education – EasyPost), Jasha Sütterlin (Jayco – AlUla), Clement Berthet (Groupama – FDJ United), Cristian Rodriguez (XDS – Astana), Valentin Paret-Peintre (Soudal – Quick-Step), Patrick Konrad (Lidl – Trek) und Steven Kruijswijk (Visma – Lease a Bike).

20 Teams waren somit in der Spitzengruppe vertreten, lediglich Red Bull – Bora – hansgrohe, Alpecin – Premier Tech und Uno-X Mobility hatten niemand entsenden können. Der maximale Vorsprung betrug zunächst 5:10 Minuten. Im ersten Anstieg der 2. Kategorie, dem Puerto de Villares, begann Movistar dann, die Lücke zu dezimieren. Dort oben sicherte sich Buitrago fünf Bergpunkte. Und kurz danach setzte sich Kevin Vermaerke (UAE – Emirates – XRG) als Solist ab.

In dieser Phase ließ das Team des Gesamtführenden die Lücke auf rund acht Minuten aufgehen. Der US-Amerikaner fuhr bis zu 1:45 Minuten Vorsprung heraus, ehe ihn in der Anfahrt zum Schlussanstieg die Kräfte verließen. Als Erster passierte Steinhauser ihn knapp 14 Kilometer vor dem Ziel in einer kurzen, steilen Rampe, die der EF-Profi zu einer Attacke genutzt hatte. Mit 40 Sekunden Vorsprung ging Steinhauser in den Anstieg zur Sierra de la Pandera.

Das Streckenprofil der 14. Etappe der Vuelta a Espana | Foto: Veranstalter

9000 Meter vor dem Ende schloss Guillaume Martin (Groupama – FDJ United) zum Deutschen auf. Beide arbeiteten gut zusammen, während sich die Fahrer in der kleiner werdenden Verfolgergruppe zunächst nicht mehr einig waren. Doch dann fasste sich Mario Aparicio (Burgos – BH – Burpellet) ein Herz und fuhr zu dem Duo nach vorn. Brenner lancierte den nächsten Konter und nahm unter anderem Paret-Peintre und Buitrago mit. 6000 Meter vorm Ziel kam es zum Zusammenschluss.

Aparicio griff kurz darauf an und war lange als Solist unterwegs. Mit noch 3,5 zu fahrenden Kilometern schlossen Brenner und Buitrago zu ihm auf. Der Deutsche konnte dem Mann im Bergtrikot in einem Steilstück zunächst nicht folgen, kämpfte sich aber wieder zu dem Kolumbianer hin. Der startete am Teufelslappen einen Überraschungsangriff, während sich Brenner gerade in die Trikottasche fasste. Doch der Deutsche kam in einer kurzen Abfahrt zurück und ließ Buitrago mit einem furiosen Schlussspurt stehen.

Die Favoritengruppe war 7:15 Minuten hinter der Spitze in den Schlussanstieg gefahren. 4,5 Kilometer vor dem Ziel beschleunigte zunächst Mas, dann gab Carapaz eins besser und konnte sich kurz lösen. Gall brachte Mas und Roglic wieder zurück zum Ecuadorianer. Auf den letzten 2000 Metern war es dann für den Chef-Bullen doch zu schnell, und er fiel wie auch Carapaz zurück. Mas profitierte davon, dass sein Teamkollege Raul Garcia Pierna von vorn zurückgekommen war und für ihn Tempo machte. Mit 25 Sekunden Rückstand erreichte Roglic das Ziel.

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