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06.09.2026 | (rsn) - Der Belgier Wout van Aert (Visma – Lease a Bike) hat die Hitzeschlacht von Cordoba gewonnen und in der andalusischen Metropole die auf 110 Kilometer verkürzte 15. Etappe der Vuelta a Espana für sich entschieden. Bei Temperaturen jenseits von 40 Grad Celsius behielt der Belgier kühlen Kopf, parierte alle Attacken aus einer fünfköpfigen Ausreißergruppe und verwies im Zielsprint souverän den Italiener Alessandro Romele (XDS – Astana) und seinen Landsmann Thibaut Nys (Lidl – Trek) auf die weiteren Plätze.
In taktischer Hinsicht erlebte das Peloton ein weiteres Visma-Lehrstück, denn van Aert war erst kurz nach dem Zwischensprint knapp 30 Kilometer vor dem Ziel zum letzten verbliebenen Ausreißer, Andreas Leknessund (Uno-X Mobility), vorgefahren, der da gerade Gesellschaft durch Ramses Debruyne (Alpecin – Premier Tech) bekommen hatte. Mit dieser Attacke brachte der Träger des Grünen Trikots auch Romele mit an die Spitze. Nys löste sich direkt nach van Aert aus dem Feld. Debruyne und Leknessund mussten sich im Ziel mit Platz vier und fünf begnügen.
“Wir wollten das Feld überraschen. Wir haben den ganzen Tag kontrolliert und waren noch mit ein paar starken Fahrern vorn dabei. Ich wusste, dass niemand erwartet, dass wir angreifen. Ich habe den Moment beim Zwischensprint gewittert. Matthew (Brennan) blieb hinten, und deswegen war die Aktion risikolos, denn wir hatten immer noch eine weitere Option im Feld. So fahre ich gern Rennen“, beschrieb der sichtlich gelöste van Aert die Schlussphase des Teilstücks.
Mit seinem zweiten Etappensieg dieser Vuelta und dem fünften Tageserfolg bei einer Spanienn-Rundfahrt insgesamt zementierte van Aert auch die Führung in der Sprintwertung. Sein Vorsprung auf Teamkollege Brennan beträgt jetzt 108 Punkte. Romele sitzt Brennan jetzt aber mit nur noch sechs Zählern Rückstand im Nacken.
Ferner schraubte Van Aert, dessen Fahrweise in den sozialen Netzwerken den alten Spitznamen “Wow Van Aert“ wiederbelebte, die Ausbeute seiner Equipe auf fünf Etappensiege hoch – und nach dieser Gala wäre es keine Überraschung, wenn noch der eine oder andere Erfolg dazukäme. Hungrig ist das Team offenbar noch immer. “Wir sind jetzt 15 Etappen gefahren und haben ein Drittel davon gewonnen. Wir wollen aber mehr, wir wollen sechs oder sieben Siege“, gab der bislang dreimalige Etappengewinner Brennan im Ziel zu Protokoll.
In der Gesamtwertung gab es vor dem zweiten Ruhetag keine Veränderungen – die Klassementfahrer erlebten einen heißen, aber ruhigen Tag. Der Spanier Enric Mas (Movistar) fährt am Dienstag wieder mit 2:06 Minuten Vorsprung zum Österreicher Felix Gall (Decathlon – CMA CGM) und 2:10 Minuten zum Slowenen Primoz Roglic (Red Bull – Bora – hansgrohe) in Rot. Bester Deutscher ist Emanuel Buchmann (Cofidis) auf Platz 28. Der der gestrige Etappensieger Marco Brenner (Tudor) liegt auf dem 35. Rang.
Das Bergtrikot blieb unangefochten bei Santiago Buitrago (Bahrain Victorious) aus Kolumbien, der sein 29-Punkte-Polster zu van Aert behielt. Auch in der Nachwuchswertung beträgt der Vorsprung des Briten Oscar Onley (Netcompany – Ineos) auf den Slowenen Jakob Omrzel (Bahrain Victorious) unverändert 30 Sekunden. Bestes Team blieb Decathlon – CMA CGM.
Es dauerte gut zehn Kilometer, ehe sich die Gruppe des Tages bildete. Leknessund, Frederik Wandahl (Red Bull - Bora - hansgrohe), Ivo Oliveira (UAE - Emirates - XRG), Xabier Azparren (Pinarello - Q36.5), Enzo Paleni (Groupama - FDJ), Ethan Hayter (Soudal - Quick-Step), Rudy Porter (Jayco - AlUla), Alastair Mackellar (EF Education - EasyPost), Fabian Weiss (Tudor), Reuben Thompson (Lotto - Intermarché) und Gijs Leemreize (Picnic – PostNL) setzten sich ab und fuhren sich auf der wegen der großen Hitze verkürzten Etappe bis zu 1:30 Minuten Vorsprung heraus. Mehr ließen die Teams Visma – Lease a Bike und Cofidis nicht zu. 70 Kilometer vor dem Ziel stieß noch Georg Steinhauser (EF Education – EasyPost) zur Spitze dazu.
Azparren und Leknessund setzten sich auf dem Weg zum zweiten Bergpreis der 3. Kategorie vom Rest der Gruppe ab. Thompson und Weiss waren zunächst mitgegangen, konnten das Tempo der beiden anderen aber nicht lange mitgehen. Azparren musste den Norweger auch bald ziehen lassen. Zu dem Zeitpunkt betrug der Vorsprung aufs Feld aber bereits nur noch knapp 30 Sekunden.
Das Streckenprofil der 15. Etappe der Vuelta a Espana | Foto: Veranstalter
Kurz vor dem Zwischensprint 31 Kilometer vorm Ziel schloss Debruyne zu Leknessund auf. Im Feld griffen van Aert und Romele an, die anschließend durchzogen und aus dem Spitzenduo ein Quartett machten. Kurz darauf gesellte sich auch noch Nys dazu. Im Peloton war anschießend die Luft raus. Eine Verfolgergruppe unter anderem mit Stefan Küng (Tudor) stieg noch einmal hinterher, konnte das Loch aber nicht mehr zufahren.
Trotz einiger Attacken auf den letzten 3000 Metern, wobei sich vor allem Leknessund offensiv präsentierte, erreichte das Quintett gemeinsam den letzten Kilometer. Dort probierte es der Norweger noch einmal eher zaghaft, doch damit zog er mehr oder weniger den Sprint für Nys an, der wiederum keine Chance gegen einen an diesem Tag bärenstarken Van Aert hatte.
Der Mann im grünen Trikot zog fast spielerisch vorbei und hatte sogar noch Zeit frühzeitig zu jubeln, ohne dass einer der Konkurrenten auch nur in die Nähe seines Hinterrads gekommen wäre.
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