Vorschau auf das WM-Zeitfahren der Frauen

Krönt Reusser ihren Geburtstag mit zweiter Goldmedaille?

Von Matthias Seng

Foto zu dem Text "Krönt Reusser ihren Geburtstag mit zweiter Goldmedaille?"
Marlen reusser im WM-Zeitfahren 2025 - holt sich die Schweizerin auch in Montréal Gold? | Foto: Cor Vos

19.09.2026  |  (rsn) – Wenn am Sonntag die Straßen-Weltmeisterschaften von Montréal mit dem Zeitfahren der Frauen eröffnet werden, geht Titelverteidigerin Marlen Reusser als Top-Favoritin an den Start. Der mit 39,2 Kilometern längste Kurs in der 1994 begonnenen Geschichte der WM-Frauen-Zeitfahren sollte der kraftvollen Fahrweise der Schweizerin perfekt liegen.

Der morgige 20. September könnte Reusser gleich doppelten Anlass zum Feiern geben, schließlich findet das Rennen an ihrem 35. Geburtstag statt. Nach einer erneut nicht problemfreien Saison mit einem bei der Flandern-Rundfahrt zugezogenen Wirbelbruch gelang der Titelverteidigerin zuletzt in Kanada mit dem überlegen herausgefahrenen Sieg beim Chrono Féminin de Gatineau (1.1) aber eine perfekte Generalprobe.

Seit ihrem ersten WM-Triumph in Ruanda 2025 hat Reusser nur vier Zeitfahren bestritten, von denen sie drei gewann: bei den Europameisterschaften 2025, bei der Tour de Suisse 2026 sowie bei der Tour de France Femmes 2026 in Dijon. Ihre einzige Niederlage in ihrer Spezialdisziplin bezog Reusser beim Giro d’Italia Women, bei dessen Bergzeitfahren sie sich deutlich Anna van der Breggen geschlagen geben musste.

Damals landete sie aber knapp vor der späteren Gesamtsiegerin Demi Vollering. Die Niederländerin wird in Montréal als ihre größte Gegnerin gehandelt. Vollerings letzter Sieg in einem Zeitfahren liegt zwar bereits mehr als zwei Jahre zurück, als sie in Rotterdam das nur 6,3 Kilometer lange Einzelzeitfahren der damaligen Tour de France Femmes gewann. Nach ihrem diesjährigen zweiten Tour-Gesamtsieg peilt die 29-Jährige nach WM-Silber 2024 und der Bronzemedaille im vergangenen Jahr nun aber das Regenbogentrikot an. Es wäre ihr erstes bei Weltmeisterschaften.

Derer zwei in Zeitfahren hat Zoe Bäckstedt bereits in ihrem Besitz. Nach WM-Zeitfahrgold bei den Juniorinnen (2022) und der U23 (2025) tritt die 21-jährige Britin erstmals in der Eliteklasse an und ist auch hier Medaillenkandidatin. In dieser Saison gewann Bäckstedt vier Zeitfahren – zwei davon bei der Baloise Belgium Tour, deren Gesamtwertung sie auch für sich entschied. Ihren größten Sieg feierte sie aber in einem Straßenrennen, als sie im Juni die 3. Etappe der Tour de Suisse für sich entschied.

Auf ihre erste WM-Zeitfahrmedaille wartet noch Elisa Longo Borghini und das, obwohl die Italienerin bereits sieben nationale Titel sammelte. Für Longo Borghini sprechen neben ihrer Erfahrung ebenfalls ihr “großer Motor“ und ihre Fähigkeiten als Abfahrerin, die sie gleich auf den ersten Kilometern einsetzen kann.

Obwohl sie krankheitsbedingt auf die Teilnahme an den Italienischen Meisterschaften verzichten musste, hat sie in diesem Jahr immerhin drei Zeitfahren bestritten und dabei jeweils einen Platz unter den besten Zehn belegt. In Kanada könnte die 34-Jährige um einen Podiumsplatz fahren.

Koch und Niedermaier auf Medaillenkurs?

Mit Medaillenchancen gehen auch die beiden deutschen Teilnehmerinnen ins Rennen. Dabei dürfte das Streckenprofil mit nur rund 220 Höhenmetern der Deutschen Zeitfahrmeisterin Franziska Koch etwas besser liegen als Vizemeisterin Antonia Niedermaier, die eher schwereres Terrain bevorzugt. Der letzte Medaillengewinn einer Deutschen liegt bereits elf Jahre zurück: 2015 fuhr Lisa Brennauer als damalige Titelverteidigerin in Richmond auf den Bronzerang. Im vergangenen Jahr landete Niedermaier in Kigali auf dem sechsten Platz.

Die einzige österreichische Teilnehmerin Christina Schweinberger dürfte mit dem flachen Zeitfahrkurs gut zurechtkommen. Allerdings bestreitet die 29-jährige Tirolerin, WM-Bronzemedaillengewinnerin von 2023, ihr erstes Rennen seit ihrem Sturz zum Auftakt der Tour de France Femmes, bei dem sie sich einen Handgelenksbruch zuzog. Zweite Starterin aus der Schweiz ist Zeitfahrmeisterin Jasmin Liechti, die sich in Reussers Abwesenheit den Titel sicherte.

Zum erweiterten Kreis der Favoritinnen zählen noch die Niederländerin Lieke Nooijen und die US-Amerikanerin Kristen Faulkner.

Mehr Informationen zu diesem Thema

29.10.2026McNulty hat das Regenbogentrikot - UAE aber eben auch Pogacar

(rsn) – Nach seinem WM-Coup von Montréal wird Brandon McNulty im Regenbogentrikot die Saison 2027 bestreiten. An seiner Rolle bei UAE – Emirates – XRG wird das allerdings nichts ändern, wie s

02.10.2026McNulty erstmals im Regenbogen gesichtet

(rsn) – Einen Tag vor seinem offiziellen Debüt als UCI-Weltmeister hat Brandon McNulty (UAE – Emirates – XRG) sein Regenbogentrikot sowie ein Colnago Y1RS mit Speziallackierung des Weltmeisters

01.10.2026Saisonende für Le Court-Pienaar nach Sturz bei der WM

(rsn) – Kim Le Court-Pienaar wird in dieser Saison kein Rennen mehr bestreiten. Das hat die Tour-de-France-Etappensiegerin aus Mauritius in Abstimmung mit ihrem Team AG Insurance – Soudal entschie

30.09.2026WM-Massensturz: Andersson mit komplizierter Schlüsselbeinfraktur

(rsn) – Nach dem Massensturz, bei dem etwa zur Mitte des WM-Straßenrennens der Frauen zahlreiche Fahrerinnen zu Boden gegangen waren, musste neben Titelverteidigerin und Lokalmatadorin Magdeleine V

29.09.2026El Pais: Junioren-Weltmeister Noval musste Sperre befürchten

(rsn) – Mit den beiden Weltmeistertiteln im Zeitfahren und Straßenrennen krönte Benjamin Noval seine herausragende Saison bei den Junioren. Der 17-jährige Spanier – Sohn des gleichnamigen früh

29.09.2026“Entspannter“ Roglic überraschte sich in Montréal selbst

(rsn) – Primoz Roglic kam im WM-Straßenrennen von Montréal nach 273 schweren Kilometern 3:29 Minuten hinter dem neuen Weltmeister Brandon McNulty ins Ziel und hatte mit dem Kampf um die Medaillen

28.09.2026Van der Poel setzt Fragezeichen hinter seinen Cross-Winter

(rsn) – Mathieu van der Poel hatte gerade erst die Bronzemedaille im Straßenrennen bei der WM in Montreal gewonnen, da wurde er schon nach seinen Winterplänen gefragt. Ob der achtfache Weltmeiste

28.09.2026Österreicher beim “survival of the fittest“ in Montreal nicht fit genug

(rsn) – Mit Felix Großschartner, Patrick Konrad und Felix Gall hatte Österreich ein kleines, aber nominell schlagkräftiges Team am Start des Männer-Rennens der Straßen-WM in Montreal. Vor allem

28.09.2026Mit gewagter Taktik kam Pedersen aus der Tiefe des Raums

(rsn) – Als Mads Pedersen vor dem Weltmeisterschafts-Rennen gegenüber Eurosport ankündigte, dass er eine Medaille holen möchte, auch wenn die Chancen, dafür nicht sehr gut stünden, konnte man s

28.09.2026Pogacar huldigt dem “König von Montreal“

(rsn) – Tadej Pogacar konnte nur zuschauen, als der neue Weltmeister gekürt wurde. Der slowenische Titelverteidiger erholt sich noch von seinen Vuelta-Sturzverletzungen. Immerhin bleibt das Regenb

28.09.2026Van der Poel und Del Toro brachten sich in Probleme, USA dominierten

(rsn) - “Bei der WM gewinnt immer der Stärkste. So ist das Leben“, resümierte der Belgier Remco Evenepoel enttäuscht nach der Weltmeisterschaft in Montreal. Doch wer das Rennen gesehen hat, dü

28.09.2026Silber?! Stehaufmännchen Matthews “kann es kaum glauben“

(rsn) – Erst einen Rennsieg hat Michael Matthews in diesem Jahr auf seinem Konto, aber ausgerechnet bei einem seiner Saisonhighlights, dem Straßenrennen der Weltmeisterschaften in Montreal, präsen

Weitere Radsportnachrichten

04.11.2026Nieuwenhuis hat EM seit Jahren rot im Kalender eingekreist

(rsn) – Das deutsche Heizomat – Cube hofft am Sonntag eine EM-Medaille in den Teambus hängen zu können. Bei den Cross-Europameisterschaften im niederländischen Zeddam gehört Joris Nieuwenhuis

04.11.2026Schreurs darf endlich zurück in die Niederlande

(rsn) - In wenigen Worten auf den Punkt gebracht, deshalb aber nicht weniger interessant: In unserer Rubrik "Kurz gemeldet" fasst die Redaktion von radsport-news.com die Nachrichten aus der Welt des R

04.11.2026Sorgen Motorsportstrecken tatsächlich für sichereren Giro?

(rsn) – Eine ”moderne Route” wurde die Strecke des Giro d’Italia 2027 von Luca Guercilena genannt. Der Rundfahrt-Direktor berief sich bei dieser Einschätzung unter anderem auf die drei Rennst

04.11.202699 Stufen bis zum höchsten Podest

(rsn) – Am Donnerstag steht in Middelkerke, wo letztes Jahr die Em ausgetragen wurde, beim Nordzeecross der zweite Lauf der Superprestige an. Doch die Blicke in der Cyclocrosswelt richten sich schon

04.11.2026Beförderungen bei EF Education gehen in nächste Runde

(rsn) - In unserem ständig aktualisierten Transferticker informieren wir Sie regelmäßig über Personalien aus der Welt des Radsports. Ob es sich um Teamwechsel, Vertragsverlängerungen oder Rücktr

03.11.2026Guillen: Gravel-Passagen am legendären Angliru denkbar

(rsn) – Könnte einer der härtesten Anstiege im Radsport noch anspruchsvoller werden? Der Renndirektor der Vuelta a Espana will zwei alternative Routen auf den Alto de L’Angliru untersuchen lass

03.11.2026Unibet vermeldet neuen Head of Racing

(rsn) - In wenigen Worten auf den Punkt gebracht, deshalb aber nicht weniger interessant: In unserer Rubrik "Kurz gemeldet" fasst die Redaktion von radsport-news.com die Nachrichten aus der Welt des R

03.11.2026Alle Etappen des Giro d´Italia im Detail

(rsn) - Die Strecke des Giro d´Italia 2027 steht fest. Die Fahrer erwarten insgesamt 3419 Kilometer und 50.250 Höhenmeter von Trieste nach Rom. Die Strecke wurde in Rom präsentiert. Nicht weni

03.11.2026Alle Etappen des Giro d´Italia Women 2027 im Detail

(rsn) – Der Giro d’Italia Women wird 2027 über neun Etappen vom 29. Mai bis zum 6. Juni ausgetragen und führt von Viareggio an der ligurischen Küste zum Colle San Carlo. Dort findet zum Abschl

02.11.2026Nach 15 Jahren: Wegelius verlässt EF Education

(rsn) -Weitere Personalrochade bei EF Education – EasyPost: Der langjährige Sportdirektor Charles Wegelius verlässt das US-Team und schließt sich wohl der Schweizer Equipe Tudor ab der kommend

02.11.2026Lidl – Trek Future Racing gibt Aufgebot für 2027 bekannt

(rsn) – Lidl – Trek Future Racing, der U23-„Unterbau“ des deutschen WorldTour-Teams, hat sein Aufgebot für die kommende Saison bekanntgegeben. Unter den 16 Fahrern für 2027 sind elf Natio

02.11.2026Teutenberg wechselt zu Rembe – rad-net

Lea Lin Teutenberg wechselt nach zwei Jahren beim Team Lotto – Intermarché zur deutschen Equipe Rembe – rad-net. Nach neun Jahren als Profi auf WorldTour- oder ProTour-Level geht die 27-Jährig

RADRENNEN HEUTE
  • Keine Termine