Nach starkem WM-Auftritt nun zur Heim-EM

“Entspannter“ Roglic überrascht sich in Montréal selbst

Von Matthias Seng

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Primoz Roglic im WM-Straßenrennen von Montréal | Foto: Cor Vos

29.09.2026  |  (rsn) – Primoz Roglic kam im WM-Straßenrennen von Montréal nach 273 schweren Kilometern 3:29 Minuten hinter dem neuen Weltmeister Brandon McNulty ins Ziel und hatte mit dem Kampf um die Medaillen letztlich nichts zu tun. Doch das blanke Ergebnis spiegelte nicht die starke Vorstellung des Slowenen wieder. 

Roglic vertrat in Abwesenheit des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogacar die Farben seines Landes über eine weite Strecke des Rennens in der Favoritengruppe, die sich gut 80 Kilometer vor dem Ziel formierte und in der unter anderem der spätere Bronzemedaillengewinner Mathieu van der Poel dabei war.

Im Gegensatz zu Konkurrenten wie Wout van Aert oder Oscar Onley konnte der starke Roglic auf einige Attacken des Niederländers reagieren, ehe er dann doch 35 Kilometer vor dem Ziel in die Verfolgergruppe zurückfiel, in der unter anderem McNulty dabei war, der kurz darauf seine entscheidende Attacke ritt 

“Ja, ich war selbst ein wenig überrascht. Ich meine, es war eine für mich neue Gruppe, in der ich da fuhr, aber ich hatte in diesem Moment offensichtlich noch die Beine dafür, also gab es keinen Grund, sich zurückzuhalten“, sagte Roglic im Ziel gegenüber CyclingProNet.

"Ich war völlig leer"

“Es war ein Rennen, bei dem man alles auf eine Karte setzen musste, aber am Ende gingen mir einfach die Kräfte aus – ich war völlig leer. Es war ein Kampf bis zum Schluss, daher bin ich froh, das Rennen beendet zu haben“, so der Gesamtzweite der Vuelta a Espana, der nun auch in Montréal seine starke Herbstform unter Beweis stellte.

Wie schon zuvor bei der Spanien-Rundfahrt, wo er im letzten Einsatz für Red Bull – Bora – hansgrohe locker und gelöst auftrat und sich von Platz 24 im Auftaktzeitfahren schon an der Bergankunft der 4. Etappe auf den zweiten Platz – da noch hinter dem bis zu seinem Sturz überragenden Pogacar – verbesserte. Diese Position belegte Roglic letztlich auch im Schlussklassement, in dem er 2:15 Minuten Rückstand auf den Spanier Enric Mas (Movistar) aufwies. Der Vuelta-Sieger wiederum blieb im WM-Rennen im Gegensatz zu Roglic unsichtbar und stieg vorzeitig vom Rad.

Der hatte trotz aller Strapazen seine Freude an den 273 Kilometern und der Atmosphäre am Streckenrand. “Weißt du, es ist immer noch schöner, wenn man es geschafft hat, oder? Ich meine, gerade so ein Rennen ist wirklich hart“, sagte der slowenische Kapitän, der dann doch erleichtert war, es überstanden zu haben. “Aber es ist definitiv ein gutes, schönes Gefühl, wenn man im Ziel ist.“

Roglic bestätigte auch nochmals das, was sich im Saisonverlauf an ihm beobachten ließ – nämlich, dass er die Spätphase seiner Karriere unabhängig von den Ergebnissen genießt. “Ja, vielleicht habe ich einfach eine andere Sichtweise gefunden, weißt du? Einen anderen Blickwinkel auf meine Karriere, auf den Radsport und auf alles andere“, sagte er, ohne konkreter zu werden. “Es ist  entspannter, es ist schön, und ich genieße es definitiv. Ich genieße den heutigen Tag und habe wirklich alles auf der Straße gegeben.“

Titelchance beim EM-Heimspiel in Ljbubljana

Die nächste Chance wird sich Roglic bereits am Wochenende bei der Heim-EM in Ljubljana bieten, wo er seinen Start im Straßenrennen am 4. Oktober plant und in Pogacars Fußstapfen treten könnte, der im vergangenen Jahr in der französische Ardèche EM-Gold geholt hatte. Der anspruchsvolle Rundkurs um die slowenische Hauptstadt herum dürfte den Kletterspezialisten entgegenkommen und auch Roglic gute Chancen auf den Titel bieten.

“Darauf hoffe ich. Zunächst möchte ich mich nach diesem Rennen erst einmal ein wenig erholen. Und ja, ich denke, auf den heimischen Straßen wird es dann Schlag auf Schlag gehen; es wird sicher ein Vergnügen sein, dort zu fahren“, blickt er voller Vorfreude auf die kontinentalen Titelkämpfe voraus.

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