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21.09.2026 | (rsn) – Das Jahr 2026 ist wohl ein Spiegelbild der gesamten Radkarriere von Marlen Reusser. Zum zweiten Mal in Folge krönte sich die 35-Jährige nun zur Weltmeisterin im Einzelzeitfahren, musste sich aber nach dem verlorenen Podium beim ersten großen Saisonhighlight, der Tour de France Femmes, wieder neu motivieren. Nicht zum ersten Mal in ihrer Laufbahn startete sie nach einer Enttäuschung neu. Wenige Wochen nach dem Rückschlag in Frankreich beschenkte sie sich mit der Titelverteidigung direkt selbst zum Geburtstag mit einem weiteren Regenbogentrikot.
"Es ist nicht das erste Mal, dass mein Geburtstag auf den Zeitfahrtag der Weltmeisterschaften fällt. 2021 in Flandern hatte ich das große Ziel, den Titel zu holen und wurde damals Zweite", erinnerte sich die Schweizerin. Zehn Sekunden fehlten ihr damals auf die Niederländerin Ellen van Dijk. Dieses Jahr passte am Ehrentag alles - wie vor fast genau einem Jahr als der WM-Titel ein um einen Tag nachträgliches Geschenk wurde. Mit 40 Sekunden Vorsprung siegte sie in Montréal vor der Britin Zoe Bäckstedt und der Deutschen Franziska Koch. ___STEADY_PAYWALL___
"Am Start habe ich gar nicht daran gedacht und auch nicht, als ich über die Ziellinie fuhr. Aber es war schon lustig, als ich heute aufgestanden bin und mir jeder 'Happy Birthday' gewünscht hat. Erst als mir bei der Siegerehrung auch noch ein Ständchen gesungen wurde, wurde ich emotional. Das war nett", sagte die nun 35-Jährige.
Reusser ist durchaus eine Tüftlerin, die sich lange und ausgiebig auf ihre Rennen vorbereitet. Aber hat auch eine gewisse Flexibilität gewonnen, nachdem nicht jede Saison voll nach Wunsch lief. Oft waren es schwere Stürze und Verletzungen, die sie zurückwarfen, auch heuer. So musste sie die UAE Tour vorzeitig aufgeben, feierte bei Dwars door Vlaanderen ein eindrucksvolles Comeback mit einem Sprintsieg über Demi Vollering, musste aber nur Tage später ihre Saison erneut unterbrechen nach einem schweren Sturz bei der Flandern-Rundfahrt.
Bei der Siegerehrung wurde es für Geburtstagskind Marlen Reusser doch noch emotional. | Foto: Cor Vos
"Ich glaube, ich wäre schon auch gut, wenn es einfach normal laufen würde. Es ist nicht so, dass ich das brauche", erzählte sie gegenüber radsport-news.com nach ihrem Titeltriumph in Montreal. Der Stachel, den sie sich auf der letzten Touretappe zuzog, sitzt noch immer tief. Reusser war im August angetreten, um die Rundfahrt zu gewinnen. In Dijon eroberte sie das Maillot Jaune, musste es aber am Mont Ventoux abgeben. Dann verlor sie durch den Sturz am Schlusstag auch noch das sicher geglaubte Tourpodium und statt Regeneration war wieder Rehabilitation angesagt.
"Ich bin mit den Besten mitgefahren und die hatten eine deutlich glattere Vorbereitung gehabt. Meine Werte waren noch im Aufwärtstrend und ich glaube, ich war noch nicht in meiner Topform", sagte sie über die Tour. Reusser dachte an eine Pause, aber gleichzeitig konnte sie diese nicht wirklich einnehmen, da auch die Vorbereitung für die Weltmeisterschaften wartete. "Ich war schon überwältigt von den Emotionen bei der Tour, aber ich wusste, ich muss auch wieder hart arbeiten, sonst wird das nichts mit diesen Weltmeisterschaften."
Auch wenn es in den Straßenrennen nicht immer passt für die Schweizerin, so ist das Zeitfahren eine absolute Konstante von ihr. "Mein Vorteil ist, dass ich irgendwie so flexibel bin von Natur aus, um in eine gute Aero-Position zu finden. Viele müssen dafür viel Kraft hineinstecken und ich trainiere gar nicht mal so viel auf dem Zeitfahrrad oder um in die Position zu finden", so Reusser über ihre Vorzüge in ihrer Paradedisziplin. Auch auf den Parcours bereitete sie sich minutiös vor. "Noch zu Hause habe ich mir den Kurs angesehen und seit wir hier angekommen sind, bin ich so oft auf den Parcours gegangen, wie es möglich war“, sagte Reusser, die schon vor fast zwei Wochen mit dem Schweizer Nationalteam in Kanada landete.
Frust bei der Tour de France Femmes - Reusser verliert das Podium nach einem Sturz auf der Schlussetappe. | Foto: Cor Vos
Neben der ausführlichen Vorbereitung auf die Strecke bestritt sie auch das Zeitfahren zur Vorbereitung in Gatineau, wo sie natürlich auch gewann. "Ich brauche die Zeit um das in meinem Kopf zu fixieren. Es war ein abenteuerlicher Parcours in Montreal, wo ich erst am Samstagabend die letzten Details zusammengefügt habe in meinem mentalen Puzzle", berichtete die Schweizerin, die nun am Dienstag ihre Equipe in das Mixed-Zeitfahren führt. Dort verhinderte vor einem Jahr in Kigali ein Defekt die Goldmedaille für ihr Team, welches am Dienstag sicherlich zu den Favoriten auf Gold zählt. Und auch im Straßenrennen zählt Reusser zum Kreis der Favoritinnen.
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