RSNplusVollering mit Oranje-Hilfe zu WM-Gold

“Eine Million Stunden“ in das Regenbogentrikot investiert

Von Peter Maurer aus Montréal

Foto zu dem Text "“Eine Million Stunden“ in das Regenbogentrikot investiert"
Team Oranje feiert sich und die neue Weltmeisteron Demi Vollering im Regenbogentrikot. | Foto: Cor Vos

27.09.2026  |  (rsn) – Nach dem längsten WM-Straßenrennen der Frauen durfte sich Demi Vollering in Montréal das ersehnte Regenbogentrikot überstreifen. In ihrer wohl erfolgreichsten Saison, mit Siegen bei der Flandern-Rundfahrt, Lüttich-Bastogne-Lüttich, dem Giro d’Italia und der Tour de France Femmes, war das WM-Gold ein Befreiungsschlag. Vollering hatte nicht nur ihren letzten großen fehlenden Titel eingefahren, sondern für ihr Heimatland auch einen Makel gelöscht.

Zwar war es der insgesamt 15. Titel für eine Niederländerin im Straßenrennen der Frauen, doch ließen die Oranje-Frauen einige weitere in den letzten Jahren liegen, oft auch, weil sie zwar auf ihre besten Fahrerinnen setzten, sich dabei aber interne Konkurrenzsituationen schafften durch mehrere Kapitäninnen, die in den entscheidenden Phasen nicht harmonierten. ___STEADY_PAYWALL___

“Vielleicht ist es auch deshalb der größte Sieg meiner Karriere, weil ich ihn mit Fahrerinnen einfahren konnte, die normalerweise meine Gegnerinnen sind“, befand Vollering auf der Pressekonferenz. Dabei verzichtete der seit 2025 als Nationaltrainer verantwortliche Ex-Profi Laurens Ten Dam in Montréal sogar auf die früheren Weltmeisterinnen Anna van der Breggen und Marianne Vos zugunsten eines Aufgebots, das komplett auf die derzeit wohl beste Fahrerin der Welt ausgerichtet war.

Im Sprintduell um WM-Gold bezwang Demi Vollering (re.) die Polin Kasia Niewiadoma-Phinney deutlich. | Foto: Cor Vos

“Es ist wirklich schön zu sehen, dass es funktioniert. In der Vergangenheit sagten wir, dass, wenn wir mit mir gewinnen wollen, wir das ganze Rennen unter Kontrolle haben müssen. Dafür benötigt es den Einsatz von jedem einzelnen Teammitglied und ich bin stolz auf alle meine Mitstreiterinnen heute und auf Laurens Ten Dam, der dieses Team zusammenstellte und in dem sich jede zu 100 Prozent an diesen Plan gehalten hat“, führte Vollering weiter aus.

Plan A gescheitert – Plan B war erfolgreich

Nur eine kleine Gruppe ließen die Niederländerinnen anfangs des Rennens wegfahren, ehe sie das Geschehen im Rennen bestimmten. Eingangs der drittletzten Runde lancierten sie die Attacke ihrer Kapitänin, die hinauf zum Mont Royal allen davonstiefelte. Doch Vollerings Soloritt wurde von ihren Gegnerinnen zunichte gemacht und der Plan A des Oranje-Teams war gescheitert.

“Trotzdem war das der Schlüsselmoment im Rennen. Meine Teamkolleginnen haben das Rennen da so hart gemacht für die anderen. Sie haben wirklich alle an den Rand der Verzweiflung gebracht“, sagte Vollering stolz, die aber auch den Druck der niederländischen Taktik auf ihren Schultern spürte. “Sie opfern all ihre eigenen Chancen für mich und dann musste ich es auch irgendwie vollenden. Das im Vorfeld bei einem Teammeeting so zu sagen, ist schon nicht leicht, denn du musst dann abliefern“, erinnerte sich die neue Weltmeisterin.

Oranje-Jubel in Montréal: Nach drei Jahren ohne Titel konnte das niederländische Team erstmals wieder das Regenbogentrikot holen. | Foto: Cor Vos

Dennoch sollte der Plan, voll auf die beste Fahrerin zu setzen, sie auch moralisch unterstützen. “Es war keine einfache Aufgabe, aber sicherlich jene, die Demi auch pushte. Denn sie dachte sicher in den letzten Runden, jetzt muss ich es machen. Wie und wo spielt keine Rolle, weil es bis zur Ziellinie entschieden wurde. Und ich bin mir sicher, dass Demi viel Kraft aus der Leistung ihres Teams gezogen hat“, war sich Ten Dam in der Nachbesprechung gegenüber Wielerflits sicher. Bei der letzten Visite vor dem Rennen habe er zudem die Siegermentalität seiner Kapitänin gespürt: “Sie ist hierhergekommen, um Dinge niederzureißen und sie zu beenden.“

Vor der WM viele mögliche Szenarien durchgespielt

Und am Ende erfüllte sich Vollering den langersehnten Traum, den vom Regenbogentrikot. Nicht mit dem A-Plan ihres Trainers, sondern eben mit der individuellen Stärke im zweiten Versuch, der Variante B.

Schon lange vor der WM-Woche in Kanada hatte sie in ihrem Kopf viele mögliche Rennszenarien durchgespielt, auch das mit einem finalen Zweiersprint war mit dabei: “Als ich wieder gestellt wurde, habe ich gar nicht viel mehr gedacht. Denn ich hatte ja alles schon einmal durchgespielt in mir und denke ich daran, so waren es gefühlt eine Million an Stunden, die ich in dieses Rennen investiert habe.“

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