Bergzeitfahren nach Alpe d´Huez

Die mit der Karenzzeit kämpfen

Von Matthias Seng

21.07.2004  |  Für die Top-Fahrer wie Armstrong, Basso, Klöden, Ullrich und Mancebo geht es heute bei der Hatz nach Alpe d’Huez hinauf darum, Minuten zu gewinnen, Plätze in der Gesamtwertung gutzumachen oder gar den Tour-Sieg perfekt zu machen. Sorgen ganz anderer Art haben dagegen Fahrer wie Jens Voigt oder Robbie McEwen, also sogenannte Roulleure und Sprinter. Auf den berühmten 21 Serpentinen zur Skistation kennen sie nur ein Ziel: Irgendwie die 1130 Höhenmeter innerhalb der Karenzzeit zu bewältigen und damit in der Wertung zu bleiben.

Die Rechnung, die man aufmachen muss, ist folgende: Der Rekord für den Aufstieg nach Alpe d'Huez liegt bei 37 Minuten und 35 Sekunden, seit dem Jahr 1997 gehalten vom kürzlich an einer Überdosis Kokain gestorbenen Italiener Marco Pantani. Allerdings war der Anstieg damals das Finale einer Etappe von 203 Kilometern und nicht Mittelpunkt eines Einzelzeitfahrens. Deshalb kann man davon ausgehen, dass die Schnellsten heute Pantanis Rekord unterbieten werden. Ein Drittel der gefahrenen Bestzeit darf man sich als Rückstand einhandeln. Das bedeutet eine nötige Gesamtzeit von ungefähr 50 Minuten, um nicht ausgeschlossen und morgen die 17. Etappe in Angriff nehmen zu können.

Für den Führenden in der Punktewertung, Robbie McEwen, wird es heute eine ganz besonders schwere Dreiviertelstunde werden. Auf dem Spiel steht für ihn nicht nur die weitere Teilnahme an der Tour, sondern das Grüne Trikot, das er am Sonntag in Paris zum zweiten Mal nach 2002 überstreifen will. Auf dem Weg dorthin ist Alpe d’Huez möglicherweise das größte Hindernis. Ein – schwacher - Trost für McEwen: Er wird nicht allein zittern müssen.

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