Tim Klinger: Giro-Tagebuch/6. Etappe

Schrecksekunde: Vorderradschaden in der Abfahrt

Von Tim Klinger

18.05.2007  |  Es scheint aufwärts zu gehen mit mir. Heute lief es jedenfalls schon viel besser als in den letzten Tagen. Ich hoffe, ich habe das Schlimmste jetzt überstanden. Der Ellenbogen hat bei Erschütterungen schon viel weniger stark geschmerzt, auch meine Beine waren wieder besser als gestern.

Dabei wurde heute gleich von Anfang an mächtig Dampf gemacht. Die ersten 50km war das richtig „Krieg“ – so lange hat es nämlich gedauert, bis die Gruppe stand, die schließlich den Sieg unter sich ausgemacht hat. Allen Teams war klar, dass auf dieser Etappe wahrscheinlich eine Gruppe durchkommen würde, deshalb war es bis zum Monte Terminillo sehr hektisch: Jede Mannschaft wollte einen Fahrer vorne dabei haben. Ich habe auch einige Mal versucht mitzuspringen, bin aber nicht allzu traurig, dass es nicht geklappt hat.

Als die Gruppe dann stand, hat Liquigas das Tempo im Feld kontrolliert. Es war wichtig, dass das vor dem Berg geschah, denn wenn es auf dem 21km langen, teilweise richtig steilen Anstieg zu Attacken gekommen wäre, hätte es das Feld zerlegt. So konnten wir in kontrolliertem Tempo den Berg hinauffahren.

Auch wenn es heute ordentlich bei mir lief – eine Schrecksekunde gab es doch wieder. Auf der Abfahrt von der vorletzten Bergwertung hatte ich vor einer Linkskurve Vorderradschaden. Es hätte nicht viel gefehlt und ich wäre wieder gestürzt. Irgendwie habe ich es doch noch geschafft, mein Rad zu kontrollieren. Bis ich ein neues Vorderrad hatte, war das große Feld schon im letzten Anstieg. Ich bin schließlich im Gruppetto ins Ziel gekommen.

Morgen wartet die längste Etappe auf uns – zwar nur mit einem Berg, aber trotzdem wird es wohl ziemlich hart werden.

Bis morgen
Tim

Für Tim Klinger ist der 90. Giro d’Italia ein ganz besonderes Rennen. Der 22-jährige Nachwuchsfahrer vom Team Gerolsteiner bestreitet die erste dreiwöchige Rundfahrt seiner noch jungen Karriere. Für Radsport aktiv berichtet Klinger täglich von seinen Erlebnissen beim zweitgrößten Radrennen der Welt.

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